Ein Regenwurm kommt aus nasser Erde hervor. Ist der Boden mit Mikroplastik verunreinigt, schadet das den Tieren.
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ChongqingMikroplastik verändert die Zusammensetzung der Tier- und Mikrobenwelt im Boden. Während sich die Anwesenheit größerer Tiere wie Gliederfüßer, Maden und Fadenwürmer teilweise verringert, nimmt die Aktivität von Bakterien zu. Dies ist das Ergebnis eines Versuchs von Forschern um Dunmei Lin von der Chongqing University in Chongqing, China. Sie berichten darüber im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

„Obwohl gezeigt wurde, dass Mikroplastik Organismen in Gewässern stark beeinflusst, ist weniger darüber bekannt, ob und wie Mikroplastik verschiedene Lebewesengruppen innerhalb einer Bodengemeinschaft beeinflussen kann“, schreiben die Wissenschaftler. Um neue Erkenntnisse zu gewinnen, fuhr das Team in eine entlegene Gegend Chinas mit sehr geringer Mikroplastikbelastung, wo sie in einer Höhe von 1450 Metern ihren Versuch machten. Auf kreisrunden Flächen mit einem Durchmesser von einem Meter brachten die Forscher jeweils einen Liter Boden aus, den sie zuvor mit Mikroplastik gemischt hatten.

Als Mikroplastik gelten Kunststoffstückchen von maximal fünf Millimetern Größe. Die Forscher verwendeten ein Polyethylen geringer Dichte (LDPE), einen häufig vorkommenden Kunststoff, in Größen von 0,3 bis 400 Mikrometern (Tausendstel Millimetern). Das Ausmaß der Verunreinigung mit Mikroplastik simulierten sie in verschiedenen Größenordnungen: 0, 5, 10 und 15 Gramm pro Quadratmeter. Ausgetauscht wurden die obersten drei Zentimeter des Bodens, die Stellen wurden anschließend mit natürlicher Bodenstreu bedeckt.

Weniger Larven, mehr Bakterien

Nach 287 Tagen nahm das Team um Lin Proben aus den Versuchsflächen. Sie zählten die im Boden lebenden Tiere und bestimmten die Stoffwechselaktivität von Bakterien. Wesentliche Ergebnisse: In der am stärksten verunreinigten Erde waren 15 Prozent weniger Hornmilben als in der Erde ohne Mikroplastik. Die Anzahl der Larven von Schmetterlingen, Zweiflüglern und Ameisen ging noch stärker zurück, um rund 60 Prozent zum Beispiel bei den Ameisen.

Zweigeteilt waren die Effekte bei den Nematoden (Fadenwürmern): Ihre Gesamtzahl ging in der am stärksten verunreinigten Erde um fast 20 Prozent zurück. Dies betraf vor allem die allesfressenden, räuberischen und pflanzenfressenden Nematoden, während die Zahl der pilz- und bakterienfressenden Nematoden zunahm. Ebenfalls zugenommen hatte im Versuchszeitraum die Aktivität von Bakterien. In Modellrechnungen zeigte sich, dass die Bakterien davon profitierten, dass es weniger Gliederfüßer gab, von denen sie gefressen werden konnten. Zum Tragen gekommen sei aber auch ein früher gefundener Effekt, nach dem eine geringe Zunahme der bakterienfressenden Nematoden das Bakterienwachstum stimuliert habe, schreiben die Forscher.

Nach Angaben der Forscher schädigt Mikroplastik einige Tiere direkt, weil sie es mit der Erde aufnehmen. Das betrifft zum Beispiel den Regenwurm. Darüber hinaus können Veränderungen der Bodenfeuchte infolge der Mikroplastik-Verschmutzung Veränderungen in der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften nach sich ziehen. „Insgesamt führten unsere Mikroplastikzusätze zu einer Verringerung der Häufigkeit und zu Verschiebungen in der Zusammensetzung der Bodenfauna in der Gemeinschaft, insbesondere bei der hohen Mikroplastikkonzentration“, bilanzieren die Wissenschaftler.

Sie räumen jedoch ein, dass sie in der Studie nur eine Art von Mikroplastik untersucht hätten, die Ergebnisse seien nicht zwangsläufig auf andere Kunststoffe übertragbar. Angesichts der weltweit zunehmenden Plastikverschmutzung erforderten die möglichen ökologischen Auswirkungen weitere Studien. Grundsätzlich sollte der Plastikverbrauch reduziert und ein Eintrag in die Böden vermieden werden. (dpa/fwt)