Phnom Penh/Berlin - Ratten verfügen über einen außergewöhnlichen guten Geruchssinn und sind darüber hinaus sehr kluge, lernfähige Tiere. Und das kommt auch den Menschen zugute, wie das Beispiel von Magawa zeigt: Die Minensuch-Ratte aus Kambodscha geht jetzt nämlich nach einem erfolgreichen fünfjährigen Einsatz in den wohlverdienten Ruhestand, wie die Zeitung Phnom Penh Post am Montag meldete. Der Nager hatte dabei geholfen, insgesamt 225.000 Quadratmeter Land wieder zugänglich zu machen. Für diese lebensrettende Arbeit erhielt Magawa 2020 als erste Ratte überhaupt den höchsten britischen Tierorden.

Die Ratte ist viel besser – als Metalldetektoren und Spürhunde

Die Gambia-Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus) spürte insgesamt 71 Landminen und 38 nicht explodierte Sprengkörper auf, wie die belgische Hilfsorganisation Apopo am Wochenende mitteilte – die NGO richtet die Tiere, die ursprünglich aus Tansania stammen, zu Spürratten ab. Diese sogenannten HeroRATs werden neben der Suche nach Landminen auch zur Tuberkulose-Schnellerkennung eingesetzt. Kambodscha ist nach wie vor eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Die meisten Sprengkörper stammen aus der jahrzehntelangen Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die von 1975 bis 1998 währte.

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Doch zurück zu Magawa: Er sei „ein bisschen müde“ geworden, sagte der Apopo-Programmleiter in Kambodscha, Michael Heiman, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ein Leben als Rentner sei nun das beste für ihn. Die Leistung der Hamsterratten ist enorm: Gegenüber Metalldetektoren weisen sie nach ihrer dreimonatigen „Ausbildung“ eine 50-mal höhere Trefferquote bei der Minensuche auf. Ein gut dressiertes Tier wie Magawa kann binnen einer halben Stunde ein Gebiet von der Größe eines Tennisplatzes absuchen – mit Detektoren würde dies vier Tage dauern.

Eine Ratte ist klar im Vorteil, vor allem auch gegenüber Spürhunden: Sie lernt schneller, beansprucht weniger Futter, außerdem sind größere Mengen der Tiere mit weit weniger Aufwand in die abzusuchenden Gebiete zu verbringen. Und schließlich: Ratten lösen durch ihr geringes Körpergewicht kaum Minen aus. Haben sie einen Sprengkörper entdeckt, scharren sie mit den Pfoten in der Erde, um die Minen-Entschärfer darauf aufmerksam zu machen. Belohnt wird er mit Bananen und Erdnüssen. Seine Lieblingsspeisen wird er als Rentner weiter erhalten.

Mithilfe der Ratten will Kambodscha bis 2025 minenfrei sein

Magawa war im Alter von neun Monaten nach Kambodscha gekommen und dort trainiert worden. Das Cambodian Mine Action Centre (CMAC) teilte mit, die Ratte werde in dem Ausbildungszentrum in Siem Reap bleiben und dabei helfen, andere Ratten für die schwierige Arbeit auszubilden. „Er hat eine Menge Erfahrung“, sagte CMAC-Generaldirektor Heng Ratana der Phnom Penh Post. „Mit seiner Hilfe wird es für unsere Mitarbeiter leichter sein, neue Ratten auszubilden.“

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Magawa mit seiner Trainerin Malen von der belgische Hilfsorganisation Apopo

Nach Angaben der Apopo trafen vor kurzem 20 neu ausgebildete Spürratten in Kambodscha ein. Für sie wird es eine große Herausforderung, Magawas Nachfolge anzutreten. „Er ist eine sehr außergewöhnliche Ratte“, erklärte Heiman: „Natürlich werden wir ihn bei den Einsätzen vermissen.“ In der Tat hat Kambodscha noch einige Anstrengung vor sich und hoffentlich genügend Ratten – das Land will bis 2025 minenfrei sein.