Albatrosse lassen sich wie Spürhunde nutzen. 
Foto: Alexandre Corbeau

Villeirs en BoisDie Idee ist genial: Albatrosse solleb dabei helfen, Fälle von illegaler Fischerei aufzudecken. In einem großangelegten Test im Indischen Ozean statteten Wissenschaftler 169 der großen Seevögel mit Messgeräten und Satellitensendern aus. Die Tiere erfüllten die Erwartungen: Sie konnten zahlreiche Schiffe ausfindig machen, deren Fahrten nicht bei Behörden angemeldet waren und die womöglich illegal fischten, berichten französische Forscher im Fachmagazin PNAS.

Albatrosse fühlten sich generell von Fischereifahrzeugen angezogen, schreibt das Team um Henri Weimerskirch vom Forschungszentrum CNRS an der Université de la Rochelle in Villiers en Bois. Sie könnten diese Schiffe auf bis zu 30 Kilometern Entfernung entdecken. Ein weiterer Vorteil: Mit der großen Vogelart lassen sich große Gebiete der Meeresoberfläche abdecken. „Mit 50 entsprechend ausgerüsteten Individuen haben wir einen Überblick über ein Areal von 22 Millionen Quadratkilometern“, sagt Weimerskirch.

Speziell entwickelte Messtechnik

Das Team machte sich diese Eigenschaften zunutze, um illegale Fischerei auch dort aufzuspüren, wo eine Überwachung kaum oder nur mit erheblichem Aufwand möglich ist. Die Wissenschaftler befestigten eine teilweise neu entwickelte Messeinheit an den Albatrossen. Neben dem Positionsbestimmungssystem GPS enthält sie einen Detektor für Radarwellen.

Denn Radar benötigen die Schiffe zum Navigieren, auch wenn sie ihr automatisches Identifikationssystem (AIS) nicht eingeschaltet haben, um einer Ortung zu entgehen. Die Übermittlung der Orts- und Radar-Daten von den Albatrossen innerhalb weniger Sekunden an einen Satelliten macht eine Online-Darstellung der Messdaten nahezu in Echtzeit möglich.

Ein Wanderalbatross mit Funksender auf dem Rücken
Foto:  Alexandre Corbeau

Die Forscher stellten während ihres Feldversuchs von November 2018 bis Mai 2019 fest, dass in internationalen Gewässern knapp 37 Prozent der Schiffe ohne AIS unterwegs waren. In den ausschließlichen Wirtschaftszonen – also bis 200 Seemeilen vom Land entfernt – waren es im Durchschnitt weniger Schiffe.

Allerdings gab es große Unterschiede zwischen verschiedenen Inselgruppen. Während nahe den Inselgruppen Crozet und Kerguelen weniger als 15 Prozent der Schiffe ohne AIS unterwegs waren, waren es bei den Prinz-Edward-Inseln alle 31 Schiffe, deren Radarwellen dort aufgefangen wurden.

Wanderalbatrosse waren besonders erfolgreich

Die Forscher untersuchten auch, wie gut sich zwei verschiedene Albatrossarten und verschiedene Altersgruppen für die Seeüberwachung eignen. So flogen 21Prozent der Wanderalbatrosse (Diomedea exulans) direkt an Schiffe heran, während es bei den Amsterdam-Albatrossen (Diomedea amsterdamensis) nur 8,5 Prozent waren. Außerdem waren erwachsene Vögel im Vergleich zu Jungtieren besser im Aufspüren.

Die Methode könne auch bei anderen Tierarten wie Meeresschildkröten oder Haien eingesetzt werden, um herauszufinden, wo sie häufig zu Beifang werden, schreiben die Forscher. Dann könnten entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.