Meine Großeltern haben geraucht, meine Großmutter trotz überstandener Tuberkulose und mein Opa ist daran gestorben. Es gibt Urlaubsbilder aus den 70ern, auf denen ich im Auto zwischen meinen Eltern sitze und beide rauchen.

Meine Eltern haben kurze Zeit später aufgehört, in den 70ern wusste man schon, dass Rauchen tödlich sein kann. Aber gut, das können Autofahren, Kitesurfen, Binge-Drinking und Fast Food auch sein und trotzdem machen wir das alles. Also rauchte ich auch, mit 16 die erste Kippe auf dem Schulhof (Schulverweis!), mit 18 dann ganz offiziell. Wer cool sein wollte, drehte Kippen und rauchte später rote Gauloises oder Lucky Strike.

Rasseln bei jedem Atemzug

Ich rauchte Kette während des Abiturs, qualmte in Seminaren an der Uni und als ich nach Berlin zog, durfte man noch auf den Bahnsteigen rauchen, in Kneipen und Restaurants. Auch während die anderen noch aßen. Raucher erzählten mir mit sentimentalem Ausdruck im Gesicht, dass man im letzten Wagen der U1 rauchen durfte und als das Rauchverbot in Kneipen und Restaurants durchgesetzt wurde, rauchte ich eben davor. Kate Moss rauchte und war cool. Helmut Schmidt rauchte und war cool. Doch irgendwann verloren Zigaretten ihr Distinktionsmerkmal und man begann, weniger zu rauchen. Auch ich reduzierte von 25 auf zehn Kippen am Tag, meist am Abend oder beim Ausgehen.

Im Sommer 2012 war ich abends mit dem Rad unterwegs. Berlin bietet mit dem Rad ja keine besonderen Herausforderungen, die Stadt ist flach. Hier kommt man nicht außer Puste, aber als ich durch die Hasenheide Richtung Columbiadamm fuhr, hörte ich mich selbst rasseln bei jedem Atemzug.

Oben angekommen musste ich anhalten und verschnaufen. Wie ein alter Mann. Da fasste ich den Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören. Nicht schon wieder, nicht für ein paar Wochen bis zum nächsten Barbesuch, sondern für immer. Bis zum Oktober des Jahres brauchte ich dann aber doch drei Anläufe, aber am Vorabend des 3. Oktober betrank ich mich auf einer Party und rauchte meine letzte Zigarette.

Die ersten Wochen waren schlimm, ich schwitzte wie ein Junkie, hatte ständig Herzrasen und schlechte Laune. In den folgenden Monaten fühlte ich mich irgendwie depressiv, rauchte aber trotzdem nicht. Ich habe wirklich gerne geraucht. Ich mochte den Geschmack und die Tätigkeit als solche. Aber ich bin wirklich froh, dass ich seit neun Jahren rauchfrei bin, ich bin gesünder, fühle mich besser und so weiter. Man kennt das ja alles und hat es tausendmal gehört. Aber mit dem Rauchen aufzuhören, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.