Berlin - Was wäre, wenn wir ausgestoßenes CO₂ wieder aus der Luft ziehen und im Boden speichern könnten? Ein CO₂-Endlager zur Erreichung der Klimaziele. Eine Idee, die verlockend klingt und bereits in einigen Ländern umgesetzt wird, zum Beispiel in Island. Dort entnimmt eine Anlage jährlich 4000 Tonnen CO₂ aus der Luft und lagert sie unterirdisch an. Problem gelöst, oder?

Fakt ist: Allein mit der Reduktion von Treibhausgasen wird die Menschheit die Pariser Klimaziele nicht mehr erreichen können. Die Methode, Kohlendioxid aus der Luft zu entnehmen und langfristig zu speichern, das sogenannte Carbon Dioxide Removal (CDR), ist also wichtig.

Folgen für Boden und Grundwasser

Allerdings sind technische CDR-Methoden, wie der CO₂-Sauger, extrem teuer und benötigen viel Energie. Auch was die Endlagerung von CO₂ unter der Erde langfristig für den Boden und das Grundwasser mit sich bringt, ist noch unklar. Umweltschützer vermuten, dass es zu Grundwasserkontamination, Leckagen, Meeresversauerung kommen könnte, da die Dichtigkeit der unterirdischen Speicher nicht gewährleistet ist.

Statt also in zweifelhafte Techniken zu investieren, die weitreichende Risiken mit sich bringen können, sollten Menschen zuallererst damit aufhören, bereits existierende natürliche Kohlenstoffspeicher zu zerstören: Wälder, Moore, Meere, Böden. Wir müssen außerdem viel mehr auf naturnahe CDR-Methoden setzen: großflächige Aufforstungen oder den Einsatz von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft, damit CO₂ langfristig gebunden werden kann.

Die zunehmende Fokussierung auf Technologien, die das Klima retten sollen, ist hingegen gefährlich. Ein Paradigmenwechsel in der Klimapolitik ist damit vorprogrammiert. Ganz nach dem Motto: Wenn Technik zur Verfügung steht, muss man sich nicht mehr um das Einsparen von Treibhausgasen bemühen. Es wäre eine Klimapolitik der Ignoranz.