Mittagsschlaf ist eine gute Sache, er darf nur nicht allzu lange dauern.

BerlinOb ein Mittagsschläfchen eher schadet oder nutzt, könnte davon abhängen, wie lange es dauert. Einer chinesischen Studie zufolge haben Frauen mittleren und höheren Alters ein bis zu 54 Prozent größeres Risiko für Bluthochdruck, wenn ihr tägliches Nickerchen länger dauert als 90 Minuten. Bei Männern gab es diesen statistischen Zusammenhang dagegen nicht.

Ob bei Frauen eine direkte kausale Beziehung vorliegt, müssten Verlaufsstudien über einen längeren Zeitraum prüfen, schreiben die Mediziner um Kun Li von der Jilin University in Changchun im Fachblatt Heart & Lung. Möglicherweise könnten die Hormonumstellung in den Wechseljahren sowie Dauer und Qualität des Nachtschlafs für die Erklärung der Ergebnisse von Bedeutung sein.

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Frühere Untersuchungen hatten widersprüchliche Resultate darüber geliefert, ob ein Mittagsschlaf die Denkleistung und die Gesundheit von Herz und Blutgefäßen verbessert oder verschlechtert. Bekannt ist, dass nicht ausreichender Nachtschlaf mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck verbunden ist.

Je länger der Mittagsschlaf, desto gefährlicher 

In ihrer Querschnittsstudie untersuchten die Forscher, inwieweit der Zusammenhang zwischen Dauer des Mittagsschlafs und Hypertonie von Alter, Geschlecht und der Dauer des nächtlichen Schlafes beeinflusst wird.

An der Studie beteiligten sich 7980 Männer und Frauen, die älter als 45 Jahre waren. Bei etwa 40 Prozent der Testpersonen wurde eine Hypertonie diagnostiziert. Fast die Hälfte aller Befragten gab an, mittags gar nicht zu schlafen, während sich 13 Prozent ein ausgiebiges Nickerchen von mehr als 90 Minuten erlaubten. 

Insgesamt erwies sich das Hypertonierisiko als umso größer, je länger der übliche Mittagsschlaf war. Wurden nur die Daten der Männer ausgewertet, ergab sich kein statistischer Zusammenhang mehr. Die Gruppe der 45 bis 60 Jahre alten Frauen, die nach dem Mittagessen länger als 90 Minuten schliefen, hatte ein um 39 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck als diejenigen, die auf den Mittagsschlaf verzichteten. Bei den über 60-Jährigen lag dieser Wert bei 54 Prozent.

Mittagsschlaf könnte Blutdruck auch neutralisieren 

Nach Ansicht der Autoren könnte der hohe Blutdruck darauf beruhen, dass Frauen in den Wechseljahren häufig unter Schlafstörungen leiden. Ein Mangel an Nachtschlaf könne möglicherweise dadurch zu Bluthochdruck führen, dass durch Aktivierung des sympathischen Nervensystems verstärkt Katecholamine freigesetzt werden. Diese Botenstoffe verengen die Blutgefäße.

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Die Kompensation des Schlafmangels durch einen kurzen Mittagsschlaf könnte den Blutdruck normalisieren. Dauert das Nickerchen aber zu lange, würde sich der Blutdruck wieder erhöhen. Denn in der Traumphase des REM-Schlafs werden ebenfalls Botenstoffe produziert, die eine Verengung der Blutgefäße bewirken. (wsa)