Mobbing ab Berlins Schulen: Darüber sollte jede Klasse reden

Mobbing ist mehr als nur ein Streit unter Klassenkameraden. Es kann krank machen und sollte von Lehrern und Mitschülern ernst genommen werden.   

Was ist Mobbing?

In der Berlin-Brandenburger Anti-Mobbing-Fibel, findet sich diese Definition: „Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler und Schülerinnen ausgesetzt ist.“ Es ist der vorsätzliche, heimtückische Angriff auf das soziale Ansehen und die seelische Gesundheit des Opfers. Betroffen sind in Berlin und Brandenburg Zehntausende Kinder. Einzelne Streitigkeiten sind dagegen kein Mobbing.

Die Fibel findet man im Internet unter service.brandenburg.de/anti-mobbing-fibel.

Was geschieht beim Mobbing?

Die Opfer werden Ziel von Gemeinheiten, Gerüchten, Bedrohungen, Hänseleien, Ausgrenzung, zunehmend über soziale Medien („Cyber-Mobbing“). Es kann zu körperlichen Angriffen kommen, dem sogenannten Bullying, oder zu sexuellen Belästigungen.

Was geschieht mit dem Opfer?

Es fühlt sich zunehmend unterlegen und beginnt oft selbst zu glauben, was Schlechtes über sie oder ihn erzählt wird. Aus eigener Kraft kommt es in der Regel nicht mehr aus der Situation heraus, die schulische Leistung wird schlechter. Vielfach unbemerkt von Lehrern und Mitschülern sind Kinder schließlich so demoralisiert, dass sie die Schule verlassen. Das Opfer steht unter andauerndem psychischem Stress, kann unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Verdauungsproblemen leiden. Der ständige Adrenalinausstoß schwächt das Immunsystem, das Opfer wird leicht krank,

Wer mobbt und warum?

Die Täter handeln aus Lust am Quälen, weil sie sich langweilen, weil sie zu den Starken gehören wollen. Sie werden ihre Aggressionen los und wollen die eigene Person aufwerten. Betrieben wird Mobbing an Schulen meist von Anführer-Persönlichkeiten. Ihnen schließen sich laut Anti-Mobbing-Fibel Helfer an, die sich in seiner Ausstrahlung sonnen. Je mehr Personen am Mobbing teilnehmen, desto weniger Schuldgefühle hat der Einzelne. Schließlich gibt es die sogenannten Möglichmacher, die wegsehen, sich heimlich mit den Mobbern solidarisieren. Auch Lehrer können Schüler mobben oder durch ihr Vorbild Schüler zum Mobben animieren.

Muss man einschreiten?

Ja, denn Mobbing vergeht nicht von allein. Das Opfer vereinsamt und reagiert heftig, was zu weiterer Ablehnung durch die Mitschüler führt.

Was können Lehrer tun?

Sie sollten mit ihren Klassen über das Thema sprechen, sich klar auf die Seite eines Mobbingopfers stellen, ihnen Glauben schenken und sie ermuntern, Hilfsangebote wahrzunehmen. Die Täter sollten fallbezogen zur Rede gestellt werden. Jede Klasse sollte einen Klassenrat haben, um Mobbingfälle früh zu erkennen,

Wer kann helfen?

Sollte die Bitte um Hilfe bei der Schule nicht fruchten, kann sich jeder Schüler oder jedes Elternteil in Berlin an die Schulpsychologen für Gewaltvorbeugung und Krisenintervention wenden. Es gibt sie in allen Bezirken. Auf der Webseite der Senatsbildungsverwaltung sind Telefonnummern und E-Mail-Adressen unter dem Stichwort „Notfälle an Schulen“ zu finden.

Wo finden Lehrer Hilfe?

Senatsbildungsverwaltung und Unfallkasse Berlin haben Notfallpläne für die Schulen entwickelt, die Handreichungen für verschiedenste Problemfelder bieten. Im Internet sind sie auf der Webseite der Verwaltung unter „Gewalt und Notfälle“ auch für Schüler und Eltern nachzulesen.

In der Anti-Mobbing-Fibel gibt es Fragebögen, die Lehrer von ihren Schülern ausfüllen lassen können. Gefragt wird beispielsweise danach, wie sich Schüler in der Klasse fühlen, ob sie gemocht oder ignoriert werden, wer den Ton angibt, ob ein Mitschüler gequält wird, ob sie angeschriene, lächerlich gemacht oder bedroht werden. (BLZ/gl.)