Moor im Morgennebel
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ZürichWenn Moore trockengelegt werden, setzen sie Treibhausgase frei. Zurzeit kommen auf diese Art etwa drei Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen zustande. Ein Forscherteam um Jens Leifeld von der Climate and Agriculture Group im schweizerischen Zürich hat nun berechnet, wie groß der zukünftige Beitrag dieser Flächen zur globalen Erwärmung sein wird.

Das Fazit der Wissenschaftler, veröffentlicht im Fachmagazin Nature Climate Change, ist bedenklich: Ohne konsequente und großflächige Renaturierung von Mooren werden die Emissionen dort derart steigen, dass allein aus diesen Gebieten bis zu 40 Prozent des für das Erreichen der Pariser Klimaschutzziele noch zur Verfügung stehenden Treibhausgas-Budgets kommen könnten.

In absoluten Zahlen: Seit 1850 wurden durch trockengelegte Moorflächen rund 80 Gigatonnen CO2-Äquivalente frei, bis Ende des Jahrhunderts drohen es zusammengenommen 250 Gigatonnen zu werden, wenn nicht gegengesteuert wird. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden weltweit 41,2 Gigatonnen CO2 freigesetzt, von denen 88 Prozent aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammen.

Studie bestätigt Notwendigkeit einer Wiedervernässung von Mooren

„Die Studie bestätigt, dass man bis 2050 (fast) alle entwässerten Moore auf der Erde wiedervernässen muss, wie wir Wissenschaftler das schon seit einigen Jahren fordern“, sagt Hans Joosten, Professor für Moorkunde und Paläoökologie an der Universität Greifswald. Aktuell finde neue Moorentwässerung großflächig in den Tropen statt. Seit einigen Jahrzehnten zum Beispiel für Ölpalm-Plantagen in Südostasien. Zunehmend ändere sich die Landnutzung aber auch in West-Amazonien sowie in Afrika, wobei Ostafrika sich gerade zu einem neuen, bisher weitgehend übersehenen Hotspot entwickle.

In Deutschland hingegen führe Denaturierung von Mooren aktuell nicht zu weiteren Kohlendioxid-Emissionen, sagt Thomas Kleinen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg. „Das ist allein der Tatsache geschuldet, dass die großen Moorflächen, die es in Deutschland gab, schon denaturiert sind.“ So seien bis ins späte 19. Jahrhundert hinein Moore in Deutschland großflächig entwässert worden. Der Torf sei teilweise abgebaut und die Flächen in Ackerland umgewandelt worden. Kleinen: „Dieser Prozess ist aber inzwischen abgeschlossen, große Moorflächen sind in Deutschland nicht mehr vorhanden.“

Trockengelegte Moore setzen Treibhausgase frei

Weltweit sind der Studie zufolge zwischen 1850 und 2015 sind mehr als 50 Millionen Hektar Moorlandschaften verloren gegangen. Wenn ein Moor trockengelegt wird, wandelt es sich von einer Treibhausgas-Senke zu einer Quelle von Treibhausgasen. Denn normalerweise sind solche Feuchtgebiete durch den ständigen Wasserüberschuss arm an Sauerstoff – was dazu führt, dass abgestorbene Biomasse nicht vollständig zersetzt wird. Auf diese Weise findet sich in Moorgebieten Kohlenstoff, der über Jahrmillionen eingelagert wurde. Diese organische Materie wird jedoch zersetzt, sobald Moore entwässert und trockengelegt werden.

Wie die Forscher um Jens Leifeld schreiben, haben Moore sich bereits 1960 global betrachtet von einer Senke zu einer Quelle von Treibhausgasen gewandelt. Der Klimawandel verschärft das Problem. Denn dadurch tauen sogenannte Permafrostmoore auf – etwa in Sibirien – und bis dahin unerreichbarer Kohlenstoff kann zu Treibhausgasen umgesetzt werden.

Moore bedecken zwar nur etwa drei Prozent der Erdoberfläche, sie speichern aber insgesamt in etwa so viel Kohlenstoff, wie in der gesamten Vegetation der Erde zu finden ist.