Hamburg - Nicht eine Termitenart, sondern zwei sind für die Entstehung der mysteriösen Feenkreise in der Namib-Wüste im südlichen Afrika verantwortlich. Das berichtet ein Forscherteam um den Hamburger Wissenschaftler Norbert Jürgens im Fachmagazin „Ecological Entomology“. Die kreisförmigen, kahlen Stellen im nördlichen Teil des Feenkreis-Gebietes würden von einer Art Erntetermiten hervorgerufen, die wissenschaftlich bisher nicht beschrieben ist.

Feenkreise sind vor allem aus Namibia bekannt. In den trockenen Graslandschaften am östlichen Rand der Namib sind die kahlen Stellen mit einem Durchmesser von 2 bis 35 Metern relativ gleichmäßig verteilt. Jeder Feenkreis hat üblicherweise sechs Nachbarn. Begrenzt werden die kahlen Flächen in der Regel von besonders üppig wachsenden Graskränzen.

Wissenschaftler rätseln seit Langem, wie die Kreise entstehen - ohne bisher eine allgemein akzeptierte Antwort gefunden zu haben. Jürgens von der Universität Hamburg ist der Ansicht, dass unterirdisch lebende Termiten rings um ihre Nester die Wurzeln der Gräser abfressen. Normalerweise verdunstet Wasser über die Oberflächen der Gräser. Ohne die Gräser verbleibe mehr Wasser im Boden, was für die Termiten überlebenswichtig sei, berichtete Jürgens 2013 im Fachmagazin „Science“. Er zeigte damals, dass unter den Feenkreisen eine höhere Bodenfeuchtigkeit messbar ist als unter den Grasflächen.

Foto: UHH/Norbert Jürgens
Die Feenkreise der Namib-Wüste werden laut einer aktuellen Studie von zwei ganz verschiedenen Termitenarten verursacht.

Andere Wissenschaftler vermuten, dass die Kreise eine Folge von Konkurrenz unter Pflanzen um Wasser sind. Eine Forschergruppe um Stephan Getzin von der Universität Göttingen und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig berichtete 2016 etwa, dass sie bei zahlreichen Feenkreisen keine Termiten oder Ameisen gefunden hätten. Sie hatten die Naturphänomene in Australien untersucht, also etwa 10 000 Kilometer von Namibia entfernt. Auch Gase oder Flüssigkeiten im Boden werden als mögliche Ursache diskutiert.

In der aktuellen Studie hat das Team um Jürgens die afrikanischen Feenkreise erneut unter die Lupe genommen und seine Termiten-Hypothese untermauert. „Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass die Feenkreise der Namib-Wüste von zwei ganz verschiedenen Termitenarten verursacht werden, und dass die Verbreitungsgebiete dieser beiden Arten klar getrennt sind“, sagt Jürgens. Die Grenze liege genau bei 16,23 Grad Süd im südwestlichen Angola.

Nahe Verwandtschaft mit Erntetermiten

Südlich davon verursachen Sandtermiten der Gattung Psammotermes die kahlen Kreise. Nördlich davon seien die Feenkreise viel größer, berichten die Forscher. Sie hätten einen mittleren Durchmesser von 24 Metern - zwei bis neunmal größer als die südlichen Kreise. Zudem wiesen sie eine Erhebung in der Mitte auf, in der das Nest der Termiten liegt, und im Boden seien Salze eingelagert. Die Forscher zeigten schließlich, dass eine andere Art von Termiten für die Unterschiede verantwortlich ist. Molekulargenetische Untersuchungen ergaben eine nahe Verwandtschaft mit Erntetermiten der Gattung Mirohodotermes.

Sie sehen in den Feenkreisen ein Beispiel dafür, dass gleiche Merkmale auch bei Arten entstehen können, die nicht näher miteinander verwandt sind.