„Ich kann ethisch nicht mehr anders“, hatte Andreas Schöfbeck sein Vorpreschen begründet. Der Vorstand der BKK ProVita aus Bayern hatte zu Beginn vergangener Woche an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen kritischen Brandbrief verfasst. Seine Krankenkasse hatte anonymisierte Abrechnungscodes von elf Millionen Patienten aller Betriebskrankenkassen hochgerechnet und war nach eigenen Angaben auf Ungereimtheiten gestoßen. Die offiziell vom Paul-Ehrlich-Institut verlautbarten Zahlen zu unerwünschten Nebenwirkungen der Corona-Impfungen seien wohl um das Zehnfache untererfasst, mutmaßte Schöfbeck.

Dies stieß auf heftigen Widerstand. Der Chef des ärztlichen Virchowbundes sprach etwa von „Schwurbel-BKK“. Am Dienstag wollte sich Schöfbeck mit dem PEI treffen, um die Datenanalyse zu besprechen. Doch dazu kam es offenbar nicht mehr, wie als erstes die Zeitung Welt meldete: Schöfbeck sei zuvor von seinem eigenen Verwaltungsrat fristlos entlassen worden.

Bei der BKK ProVita wollte man die Nachricht am Dienstagabend zunächst weder bestätigen noch dementieren. Später hieß es jedoch in einer Pressemitteilung auf der Internetseite der Kasse: „Auf seiner heutigen Sitzung hat der Verwaltungsrat der BKK ProVita beschlossen, sich mit sofortiger Wirkung vom bisherigen Vorstand Andreas Schöfbeck zu trennen. Die Führung der BKK ProVita geht nahtlos in die Hände von Walter Redl über, dem langjährigen Stellvertreter des bisherigen Vorstandes.“

Die Kasse bittet um Verständnis, sich zu den Hintergründen dieser Personalentscheidung nicht weiter äußern zu wollen - aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes.