Berlin - „Es gibt keine Maikäfer mehr“, sang einst Reinhard Mey. Dieses Lied werden die Bauern in Süddeutschland derzeit eher nicht anstimmen. Laut Berichten etwa auf der Seite des Münchner Merkur herrscht in Teilen Bayerns gerade eine regelrechte Plage: Dort schlüpfen aufgrund der günstigen Wetterverhältnisse zurzeit massenhaft Maikäfer, heißt es. In riesigen Schwärmen sollen die Insekten über Straßen, Felder und Höfe ziehen. Ganz Süddeutschland könnte bald betroffen sein, fürchtet man. Maikäfer und ihre Larven können große Schäden anrichten, indem sie große Teile der Ernten fressen, je nach Art Wiesen und Weiden oder Wälder befallen.

Dabei waren die beliebten Krabbler wegen Verfolgung und Vergiftung schon fast ausgestorben. Doch in den letzten Jahren haben sich Feld- und Waldmaikäfer wieder erholt. Ab Mitte April schlüpfen die braunen Käfer aus der Erde, die größten Vorkommen gibt es laut Nabu im Südwesten Deutschlands.

Experten haben die derzeitige Entwicklung kommen sehen. Innerhalb der regionalen Vorkommen, der sogenannten Stämme, leben die meisten Tiere nach dem gleichen Takt. So finden sie beim Schlüpfen in großer Zahl Partner vor. Überregional gibt es diese Taktung aber nicht. Maikäfer in Bayern, Hessen oder Sachsen schlüpfen oft in unterschiedlichen Jahren.

Kalter April: Die Käfer blieben lange im Boden

Sowohl Feld- als auch Waldmaikäfer benötigen drei bis fünf Jahre von der Eiablage bis zum Schlüpfen der neuen Generation. Während in Südhessen und Nordbaden erst 2022 wieder ein Maikäferjahr ansteht, wurde Melolontha melolontha in Bayern 2021 bereits erwartet. Auch im Großraum Hannover erscheinen aktuell viele Maikäfer.

Aufgrund der Witterung ballt sich das auf wenige Tage, heißt es beim Nabu. Normalerweise schlüpfen die Maikäfer ab April über mehrere Wochen. Der April 2021 war aber so kalt, dass die Käfer lange im Boden blieben und dann im Mai nahezu auf einen Schlag schlüpften.

Die meisten von den Käfern kahl gefressenen Bäume erholen sich wieder und bilden im Juni noch einmal neue Blätter. Verheerend kann dagegen der Wurzelfraß der Engerlinge sein. Bereits ab zwei bis drei Engerlingen je Quadratmeter Waldboden sind Schäden an Jungbäumen zu befürchten. 

Reinhard Meys bekanntes Lied beschreibt übrigens die Folgen der massiven Bekämpfung der Maikäfer mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT zwischen Anfang der 1950er-Jahre und etwa 1972. Allerdings ist auch in Gebieten, in denen der Maikäfer nicht aktiv bekämpft wurde, seine Population stark zurückgegangen.