Berlin/Tumbler Ridge - Der Biber ist das Nationaltier Kanadas und hat sogar einen Stammplatz auf der Fünf-Cent-Münze des Landes. Nun ist eine solche numismatische Ehrung nicht gleichbedeutend mit einer liebevollen Behandlung im Alltag. In manchen Teilen Kanadas wird der Kanadische oder Amerikanische Biber (Castor canadensis) gar als Schädling betrachtet. Und in Anbetracht der Vorgänge in der Provinz British Columbia, über die die BBC berichtet, lässt sich erahnen, warum das so ist.

Demnach stehen Teile der dort ansässigen Nagerschaft in dringendem Tatverdacht, das Internet der 2000-Einwohner-Gemeinde Tumbler Ridge lahmgelegt zu haben. Fast 36 Stunden lang waren die Menschen ohne Empfang, auch Mobilfunk und Kabelfernsehen waren gestört. Der zuständige Telekommunikationsanbieter Telus teilte mit, dass Teile der unterirdisch verlegten Kabel, die Tumbler Ridge mit Daten versorgen, in einem Biberbau gefunden wurden. Die Beweislage scheint damit erdrückend.

Zumal die Mitarbeiter an mehreren Stellen der Glasfaserkabel eindeutige, dem Biber zuzuordnende Bisspuren entdeckten. Von einem „großen Schaden“ war die Rede, dabei waren die Kabel in weiser Voraussicht schon einen Meter tief unter der Erde vergraben und durch eine 12 Zentimeter dicke Rohrleitung zusätzlich geschützt. Doch kein Problem für die Biber-Beißerchen: Diese wurde ebenfalls durchgekaut.

Castor canadensis, ein enger Verwandter des Europäischen Bibers, ist für die Kraft seiner ständig wachsenden Schneidezähne bekannt. Beständiges Nagen sorgt für einen natürlichen Selbstschärfeeffekt und für ein Gebiss, das jeden noch so harten Baum und jedes noch so dicke Kabel bezwingen kann. Von vielen Kanadiern wird das Nationaltier für seine ultimativen Umweltingenieurs-Fähigkeiten geliebt, schließlich können seine Dammbau- und Fällarbeiten von hoher Bedeutung für die Artenvielfalt sein.

Bürgermeister: „Die Biber müssen ausgerottet werden“

Gleichzeitig aber verursachen die Tiere erhebliche Schäden, Landwirte schlagen ob des an Feldfrüchten und Bäumen hinterlassenen Chaos schon mal die Hände über dem Kopf zusammen. Erst vor wenigen Wochen machte der Bürgermeister von Grenville-sur-la-Rouge, einer Gemeinde in Quebec, Biber für umfangreiche Überschwemmungen verantwortlich, die Eigenheime und Infrastruktur beschädigt hatten. Etwa 800 Biber hatten im Ort um die 200 Dämme angelegt, und Bürgermeister Tom Arnold ließ sich laut CBC News zu der Aussage hinreißen: „Es ist ein Problem, das wir loswerden müssen. Die Biber müssen ausgerottet werden.“

Nun, so weit waren wir auf dem nordamerikanischen Kontinent schon mal: Während der Zeit der Besiedlung durch die Europäer wurden Biberhaar und Biberfell zur begehrten Handelsware. Auf dem Höhepunkt des Pelzhandels wurden jährlich etwa 200.000 Biberfelle nach Europa exportiert. Gegen 1900 war das Geschäft dann stark rückläufig, es waren schließlich auch kaum noch Tiere da. In vielen Gebieten Nordamerikas gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keine Biberpopulationen mehr.

Erst um 1930 begann langsam ein Umdenken in Kanada. Die Biberjagd wurde für viele Jahre verboten und die Bestände erholten sich wieder. Heute gibt es wieder fast überall im Land eine gesunde Biberpopulation. Während sich in dünn besiedelten Gebieten kaum Konflikte mit dem Menschen ergeben, schreckt man in anderen Regionen bei zusehends lästigem Dammbau vor einer Bekämpfung der Tiere nicht zurück.

Die Nager in Tumbler Ridge sollten von daher die Zähne künftig besser von der Telekommunikations-Infrastruktur lassen. Inzwischen sind die Bewohner wieder online. „Wenn Sie dies lesen können, wurde das Internet wiederhergestellt“, witzelte eine lokale Nachrichtenseite, nachdem der Biberschaden behoben war.