Berlin - Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) zählt zu den nachtaktiven Schlafmäusen. Der possierliche kleine Nager ist nachtaktiv, kurz vor Mitternacht, wenn es sehr dunkel, aber noch relativ warm ist, läuft er zur Höchstform auf. Den Tag verbringen die Tiere in kugelförmigen Nestern, die in Baumhöhlen, Nistkästen oder frei im Gebüsch gebaut werden. Auch auf Dachböden und in Gartenhäusern kann der Gartenschläfer vorkommen. Wenn er denn überhaupt noch vorkommt: Für die Art waren in den letzten Jahrzehnten drastische Bestandsrückgänge und Arealverkleinerungen zu verzeichnen, die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Gartenschläfer auf einer Vorwarnliste („near threatened“). 

Der lange Winterschlaf von Oktober bis April und die Nachtaktivität machen es nicht eben leicht, Hinweise zum Lebensraum der Nager zu bekommen. Naturschutz und Wissenschaft sind aber auf solche Informationen angewiesen und stehen nun, pünktlich zum Erwachen der Tiere, mit einer Gartenschläfer-Aktion in den Startlöchern. Der BUND startet gemeinsam mit Forschenden der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wieder die Suche nach den Ursachen, warum die kleinen Schlafmäuse vielerorts in Deutschland verschwinden. Das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ wird mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Nur wenige Hinweise auf Gartenschläfer im Harz und im Fichtelgebirge

Ein erstes Geheimnis konnte das Projektteam bereits lüften: Noch gibt es Hotspots in der Verbreitung der Art. In Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen gelangen in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Nachweise. „In den Mittelgebirgen jedoch konnten wir nur wenige Hinweise zusammentragen“, sagt Mechthild Klocke, Projektleiterin beim BUND. Im Harz, im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald etwa seien die Gartenschläfer bis vor wenigen Jahren weit verbreitet gewesen. „Wir befürchten, dass wir hier aktuell ein regionales Aussterben beobachten.“ Auch innerhalb der Gartenschläfer-Hochburgen im Westen Deutschlands, wo die Tiere überwiegend menschennah in Gärten und Parks heimisch sind, gibt es Grund zur Sorge. Klocke: „Es scheint große Unterschiede zwischen den Städten zu geben. Anders als wir gehofft hatten, stehen siedlungsnahe Lebensräume offenbar nicht grundsätzlich für stabile Gartenschläfer-Bestände.“

Aus diesem Grund sollen in diesem Jahr die Lücken und weißen Flecken auf der Gartenschläfer-Verbreitungskarte in den Fokus rücken. Viele Ehrenamtliche haben ihre Sichtungen auf der Projekt-Website eingetragen. Seit dem Projektstart konnten mehr als 4000 Hinweise zusammengetragen werden. Jetzt gelte es herauszufinden, „ob wir einer Verinselung der Lebensräume auf der Spur sind. Wenn diese voneinander isoliert sind, können lokale Veränderungen ganze Bestände gefährden“, so Klocke. Vielleicht biete die Vernetzung von Lebensräumen eine Chance, den Gartenschläfer vor dem Aussterben zu bewahren.

Mithelfen kann jeder: Wer das Quieken, Pfeifen und Murmeln eines Gartenschläfers hört (ein Audiofile ist auf der Website zu finden) oder die zwölf bis 17 Zentimeter langen Tiere mit der auffälligen schwarzen Kopfzeichnung („Zorro-Maske“) sieht, kann auf www.gartenschlaefer.de seine Beobachtungen eintragen.