Übergabe des Goldenen Windbeutels an Zwergenwiese in Silberstedt.
Foto: foodwatch/Udo Fischer

BerlinDer Negativpreis Goldener Windbeutel der Verbraucherorganisation Foodwatch geht in diesem Jahr an die Kinder-Tomatensauce des Herstellers Zwergenwiese. Mehr als 53 Prozent der knapp 70.000 Verbraucherinnen und Verbraucher, die online bei der Abstimmung mitmachten, wählten die Bio-Tomatensauce zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“. 

Der Bio-Pionier sollte sich an die Empfehlungen von Kinderärzten halten und nur Saucen ohne Zuckerzusatz als Kinderprodukte bewerben.

Foodwatch

Das für Kinder beworbene Produkt enthält mehr als doppelt so viel Zucker wie die meisten Versionen für Erwachsene. „Der Bio-Pionier sollte sich an die Empfehlungen von Kinderärzten halten und nur Saucen ohne Zuckerzusatz als Kinderprodukte bewerben“, erklärte Manuel Wiemann von Foodwatch. Die Tomatensauce enthält auf 100 Gramm gerechnet elf Gramm Zucker. Zum Vergleich: Beim Zwergenwiese-Produkt Tomatensauce Traditionale sind es 3,7 Gramm, bei der Tomatensauce Basilikum 5,1 Gramm. Foodwatch übergab den Preis am Dienstag am Firmensitz des Unternehmens im schleswig-holsteinischen Silberstedt.

Zwergenwiese verteidigt Apfeldicksaft als Süßungsmittel

Zwergenwiese selbst hatte bereits bei der Nominierung Anfang November erklärt, es handle sich nicht um „zugesetzten Kristallzucker“. Zwergenwiese setze acht Prozent Apfeldicksaft ein, außerdem enthielten Tomaten, Möhren und Zwiebeln „von Natur aus Kohlenhydrate in Form von Zucker“. Eine Reduzierung auf maximal fünf Prozent Apfeldicksaft würde möglich sein. Außerdem gälten beim Süßeempfinden für Kinder „andere Maßstäbe“.

WHO schätzt zugesetzten Zucker nicht anders ein als normalen Zucker 

Foodwatch zitierte hingegen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten wie Apfeldicksaft als freier beziehungsweise zugesetzter Zucker gelte. Auch ein Experte des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin sagte demnach, auch dieser Zucker gehöre zu den „freien Zuckerarten“ und sei daher nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker.

Weitere Plätze: Yakult, Baby-Karottensaft und Müsliriegel

Auf dem zweiten Platz der Abstimmung mit rund 26 Prozent der Stimmen landete der Drink Yakult, bei dem Foodwatch kritisiert, dass gesundheitliche Effekte nicht wissenschaftlich belegt seien. Platz drei belegt ein Karottensaft für Babys von Hipp, der in neuer Verpackung fast doppelt so viel kostet wie bisher. Auf Platz vier kommen Wasabi-Erdnüsse von Rewe, die laut Foodwatch nur 0,003 Prozent des Gewürzes enthalten. Für den Riegel Corny Protein Lower Carb stimmten 6,5 Prozent der Verbraucher. Das Produkt erweckt laut Foodwatch nur den Eindruck eines gesunden Produkts für Sportler.

Vier der Kandidaten waren von Verbrauchern auf einer Beschwerdeplattform von Foodwatch eingereicht worden. Das Produkt Yakult stellte Foodwatch nach eigenen Recherchen dazu. Die Organisation verlieh den Schmähpreis zum neunten Mal.