Began/GöttingenGerade identifiziert und schon bedroht: Im Inland von Myanmar haben Forscher eine neue Affenart beschrieben. Der Popa-Langur (Trachypithecus popa) gehört zu den Haubenlanguren (Trachypithecus). Dabei handelt es sich um eine Gattung schlanker Affen mit langem Schwanz und wilder Haarmähne, die an eine Haube erinnert. Ein Team um Christian Roos vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen beschreibt im Fachblatt „Zoological Research“ die neue Art, von der nur noch etwa 200 bis 250 Tiere leben.

Benannt wurde die Spezies nach dem Vulkankegel Popa, an dem die mit etwa 100 Tieren größte der insgesamt vier voneinander isolierten Populationen lebt. Kopf und Rumpf der knapp zehn Kilogramm schweren Tiere messen rund 60 Zentimeter, der Schwanz ist rund 80 Zentimeter lang. Das Fell ist überwiegend bräunlich, mit einer grau-weißlichen Färbung am Bauch und schwarzen Händen und Füßen.

Die Forscher um Christian Roos hatten im Rahmen eines internationalen Kooperationsprojekts umfangreiche Erbgutanalysen sowohl an Kotproben freilebender Tiere als auch an historischen Museumsexemplaren vorgenommen. Ihre Untersuchungen erstreckten sich auf alle 20 Haubenlanguren-Arten. Auf diese Weise gelang ihnen die Beschreibung der neuen Langurenart. Der Popa-Langur unterscheidet sich nicht nur genetisch, sondern auch in Fellfarbe, Schwanzlänge und Schädelgröße von verwandten Languren-Arten. Der Popa-Langur habe sich vor etwa einer Million Jahren von den anderen Arten abgespalten, schreiben die Forscher.

„In seinem gesamten Verbreitungsgebiet wird Trachypithecus popa bedroht durch Jagd sowie Verlust und Zersplitterung des Lebensraums durch Landwirtschaft, Holzentnahme und Störungen durch Sammeln anderer Produkte sowie der freien Beweidung mit Vieh“, schreiben die Forscher. „Angesichts der Größe des Gesamtbestands von 199 bis 259 Individuen in den vier voneinander getrennten Populationen und des dramatischen Lebensraumverlusts während des letzten Jahrhunderts schlagen wir eine Klassifizierung als ‚vom Aussterben bedroht‘ vor.“

Die Autoren empfehlen, die Lebensräume der verschiedenen Populationen unter verstärkten Schutz zu stellen. Auch die meisten anderen Languren gelten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „stark gefährdet“ oder „vom Aussterben bedroht“. (dpa/fwt)