Berlin - Bisher waren homosexuelle Männer vom Blutspenden ausgeschlossen. Nun wurde die Richtlinie der Bundesärztekammer neu formuliert. Spenden aus dieser Gruppe sind künftig zugelassen – allerdings nur unter Auflagen. Laut Neuregelung müssen die Männer vor ihrer Spende ein Jahr lang enthaltsam gelebt haben. Wörtlich heißt es in dem Anfang August vorgestellten Papier: „Zeitlich begrenzt von der Spende zurückzustellen sind Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie (...) HIV bergen, für zwölf Monate.“

Die Deutsche Aids-Hilfe kritisiert die neue Richtlinie scharf. Die Jahresfrist sei bereits fachlich nicht nachvollziehbar, ist auf ihrer Website nachzulesen. In England und Schottland gelte für Männer, die Sex mit Männern haben eine Karenzfrist von nur drei Monaten. Eine HIV-Infektion lasse sich bereits sechs Wochen nach einer möglichen Ansteckung sicher ausschließen, so die Kritik.

„Das ist nicht mehr als Kosmetik und eine Unverschämtheit“, kommentiert Björn Beck vom Vorstand der Aids-Hilfe. Die Organisation verweist außerdem auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshof, das 2015 festlegte, „dass ein Ausschluss nur soweit gerechtfertigt ist, wie sich Übertragungsrisiken nicht auf anderen Wegen reduzieren lassen.“ Nach Meinung der Aids-Hilfe reduzieren die umfangreichen Tests, auch auf den HI-Virus, die jede Blutspende durchläuft, ein Übertragungsrisiko dementsprechend.

Bundesärztekammer beruft sich auf fehlende Verfahrenssicherheiten

In einer Erklärung zu der neu verfassten Richtlinie schreibt die Bundesärztekammer: „Da keine weniger belastenden Methoden als eine Nichtzulassung zur Spende zur Verfügung stehen, sind unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit Personen mit hohem Infektionsrisiko infolge sexuellen Risikoverhaltens nicht zur Blutspende zuzulassen.“ Es sei also weiterhin nicht möglich, Blutspenden von Personen einer Risikogruppe ausreichend zu testen.

Der Zuordnung homosexueller Männer zu einer Risikogruppe liegt eine Studie des Robert-Koch-Institut aus dem Jahr 2014 zugrunde, nach der etwa zwei Drittel aller HIV-Neuinfizierten homosexuell aktive Männer sind. Zu Risikogruppen gehören außerdem Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Transsexuelle mit sexuellem Risikoverhalten sowie männliche und weibliche Sexarbeiter. Die separate Nennung von Transsexuellen wird von der Aids-Hilfe ebenfalls als „nicht akzeptabel und völlig unverständlich“ bezeichnet.