Berlin - Bettwanzen sind in Berlin wohlbekannt. Im letzten Jahr meldeten sich hier die Schädlingsbekämpfer zu Wort: Derzeit gebe es so viele Aufträge wie noch nie, man verzeichne 20 Prozent mehr Einsätze – vor allem in den Hotels der Hauptstadt, Luxusherbergen inklusive. Der Grund für den Anstieg, so die Kammerjäger, sei die rege Reisetätigkeit der Menschen, mit ihnen kämen eben auch die blutsaugenden Kerbtiere in die Touristen-Metropole … Ob das in Pandemie-Zeiten immer noch so ist?

Auf das Kommando „Wanze go!“ geht Ramirez an die Arbeit

Bettwanzen sind Zivilisationsfolger und also immer dabei. Doch bevor man sie ordnungsgemäß vom Kammerjäger seines Vertrauens vernichten lässt, müssen sie erst einmal aufgespürt werden. Das ist gar nicht so einfach, und so bietet die Bremer Firma JamiroTec für eben diesen Service ihre Bettwanzen-Spürhunde an: Zwei Labradore kommen den Blutsaugern schnüffelnd auf die Spur. Fürs Training der beiden Hunde Jamiro und Ramirez, werden lebende Wanzen aus London bestellt …

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Der Bettwanzen-Spürhund Jamiro riecht an einem Glasröhrchen mit einer Bettwanze.

Auf die Idee, Ramirez und zuvor den bereits zehnjährigen Senior-Labrador und Firmennamensgeber Jamiro einzusetzen, kam Claudia Kasig, die mit ihrem Mann Torsten die inzwischen 26 Mitarbeiter umfassende Firma betreibt. Die beiden Hunde wurden von der professionellen Trainerin Sabine Mühlbradt nach dem System der Zielobjektsuche geschult. „Am Anfang haben wir schon zehn, zwanzig Bettwanzen genutzt, um die Hunde durch die Geruchsprobe zum Riechen zu animieren“, sagte Mühlbradt.

Auf das Kommando „Wanze go!“ geht Ramirez an die Arbeit. Regale, Sofa, Sessel, Fensterbank, Teppiche – alles wird systematisch und hochkonzentriert abgeschnuppert. Dann bleibt er, den Kopf noch halb im Regal versenkt, abrupt stehen. Er zeigt den Fund an: Die winzige Bettwanze ist entdeckt. Das Training muss stetig zu Hause fortgesetzt werden. Und so bestellt Claudia Kasig für Übungszwecke in London regelmäßig lebende Bettwanzen bei einem Spezialinstitut.

Teure Schädlinge: Die Übungswanzen kosten um die zwei Pfund

Die Wanzen werden per Post in einem Plastikröhrchen im wattierten Briefumschlag geliefert. „Je nach Entwicklungsstadium kostet eine Wanze so um die zwei Pfund“, erzählt Kasig und hält das Röhrchen in die Höhe. Dunkel und kühl müssen die Wanzen gelagert werden. Berührungsängste hat sie nicht, das zeigt sich schnell. Denn die Wanzen müssen auch ernährt werden. „Oft hält mein Mann den Arm hin.“ Diesmal ist sie dran. Sie setzt sich die Wanze aus dem Röhrchen auf den Arm.

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Gestellt: Jamiro entdeckt das Röhrchen mit der Wanze in der Sesselritze.

Das Insekt (Cimex lectularius) wird im ausgewachsenen Stadium zwischen 4 und 8,5 Millimeter groß. Hauptwirte sind Menschen. Häufig wird der Stich der Bettwanze gar nicht wahrgenommen, die Hautreaktion kann von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen – einige reagieren gar nicht, bei anderen bilden sich juckende Pusteln, Blasen oder Quaddeln. Jamiro und Ramirez arbeiten nur im Team und haben etwa zwei bis drei Einsätze im Monat.

Es sind meistens die Schlafstätten, wo sich die Wanze nachts über ihr Opfer hermacht. Viele Menschen hätten Scheu und Scham, den Wanzenbefall zu melden, und versuchten, mit Bordmitteln der Blutsauger Herr zu werden. „Das funktioniert aber meistens nicht“, so Kasig. Um die lästigen Wanzen loszuwerden, ist chemische Behandlung, viel Hitze oder viel Kälte nötig. 60 Grad machen jeder Wanze den Garaus.