Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinDas Klima ist nicht alles. Aber ohne Klima ist alles nichts. So könnte man einen bekannten Spruch abwandeln, der sich ursprünglich auf den Frieden bezogen hat. Denn das Überleben der Menschheit mit all ihren zivilisatorischen Errungenschaften hängt davon ab, ob die Erderwärmung gestoppt werden kann. Es bleibt nicht mehr viel Zeit angesichts sich häufender globaler Klimarekorde und Extremereignisse. Davor warnt der Wissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber, einer der unermüdlichsten Streiter für konsequenten Klimaschutz und eine Welt der Nachhaltigkeit. Mitten in Zeiten des Umbruchs vor drei Jahrzehnten hatte er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gegründet – heute das weltweit führende Institut auf seinem Gebiet.

Herr Professor Schellnhuber, können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie den 9. November 1989 erlebt haben?

Ja, ich war am 9. November auf einer Tagung im englischen Cornwall, völlig abgeschnitten von jeglicher Kommunikation, das war noch bevor jeder ein Smartphone in der Tasche hatte. Aber als ich am nächsten Tag von London nach Berlin zurückflog und die britischen Zeitungen aufschlug, sah ich überall Bilder von Menschen, die auf der Mauer tanzten. Ich dachte: Das kann doch nur ein Scherz sein! Aber als die Stewardess begeistert sagte „Isn’t that wonderful?“, begriff ich langsam, dass es wirklich geschehen war.

Es war eine große Zeit des Umbruchs. Zur Opposition – nicht nur in der DDR – gehörte auch die Umweltbewegung. Aber gab es damals überhaupt schon ein Bewusstsein dafür, welche Folgen das menschliche Handeln auf das Erdklima als Ganzes hat?

Ja und Nein. Im Jahr vor dem Mauerfall war ich Gastprofessor in den USA, in Kalifornien. Die Menschen hatten dort einen extrem warmen Winter erlebt. Damals hatte der Klimaforscher James Hansen seinen berühmten Auftritt im US-Senat, bei dem er aussagte, dass es nicht nur eine globale Erwärmung gebe, sondern diese auch mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit menschengemacht sei. Die Bürgerrechtler in der DDR wehrten sich damals vor allem gegen die Umweltzerstörung in ihrem Land, gegen die Verschmutzung von Luft und Gewässern. Durch den Fall der Mauer sind dann beide Welten zusammengekommen: der lokale Widerstand gegen die Umweltzerstörung und der globale Blick auf das Klima. Das Große beginnt ja fast immer im Kleinen.

Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak
Hans Joachim Schellnhuber


... wird 1950 in Ortenburg,  Niederbayern, geboren, studiert Physik und Mathematik in Regensburg, erhält eine Professur für Theoretische Physik in Oldenburg.

 ... wird 1992 Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), das er bis 2018 leitet. Er entwickelt wesentliche Grundlagen der modernen Klimaforschung und Klimapolitik mit: die Erdsystemanalyse, das Zwei-Grad-Ziel, das Konzept der Kippelemente.

... ist heute Direktor Emeritus des PIK und Mitglied verschiedener Akademien weltweit, unter anderem der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom. Seit 1992 gehört er zum Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).  

Was hat Sie, einen aus Bayern stammenden Physiker, eigentlich bewogen, 1992 in Potsdam – also mitten im Osten – ein Institut zu gründen?

Ich hatte mich gerade an der Universität Oldenburg als Professor für Theoretische Physik mit eigener Arbeitsgruppe etabliert. Eigentlich gab es also gar keinen Grund, wegzugehen. Doch nach dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR wurde auch die Forschungslandschaft in Ostdeutschland neu organisiert. In diesem oft sehr schmerzlichen Prozess entstand die sehr interessante Idee, doch mal ein ganz neues Thema zu wagen, statt nur umzustrukturieren: Und das war die Klimafolgenforschung. Wissenschaftspolitiker fragten mich, ob ich Gründungsdirektor eines neuen, interdisziplinären Instituts werden wolle, das es so in der Bundesrepublik noch nicht gab. Ich hatte in Oldenburg bereits begonnen, ein Projekt zur Auswirkung der Erderwärmung auf die Küste zu betreuen. Rein intuitiv fühlte ich, dass der Klimawandel ein bestimmendes Thema des 21. Jahrhunderts werden würde.

Dreißig Jahre später beherrscht das Klimathema tatsächlich zum großen Teil die Debatte. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist mit mehr als 300 Mitarbeitern das weltweit führende Institut auf seinem Gebiet. Zugleich ist eine Polarisierung der Gesellschaft zu beobachten. Der Klimaschutz-Bewegung, personifiziert durch Greta Thunberg und der Initiative „Fridays for Future“, stehen die sogenannten Klimawandel-Leugner gegenüber.

Ich sehe diese Polarisierung nicht. Es ist meines Erachtens eine falsche Wahrnehmung, auch durch die Medien in diesem Fall. Es gibt kaum ein Thema, bei dem sich eine so große Mehrheit der Bevölkerung einig ist: Wir haben ein Riesenproblem, wir müssen etwas tun! Viele Leute sind bereit, dabei auch persönliche Umstellungen in Kauf zu nehmen. Der ungeheure Enthusiasmus und der Mut vieler Jugendlicher sind eigentlich das Beste, was einer Gesellschaft passieren kann. Dass 14-jährige Mädchen und Jungs sich auf der Straße engagieren, zeigt doch: Es ist ein Menschheitsthema!   Greta Thunberg hat mich vor einiger Zeit in meinem Büro in Potsdam besucht. Ich bin sehr beeindruckt von ihr. Sie hat einen messerscharfen Verstand, hört sehr aufmerksam zu und erkennt die Gefahren klarer als viele andere, vielleicht hat das auch mit dem Asperger-Syndrom zu tun. Doch eigentlich spricht sie am Ende nur das aus, was diese Generation längst hätte aussprechen müssen. Vor wenigen Tagen habe ich auf der Amazonas-Synode des Vatikans in Rom betont: Wir erleben zurzeit eine einzigartig neue Konstellation – dass nämlich weltweit junge Menschen, die Wissenschaft, aber auch konservative Einrichtungen wie die katholische Kirche zusammenwirken und die Politik aktiv anschubsen. Die Politik braucht das. Vor allem auch in Deutschland. Denn sie agiert kaum noch. Sie reagiert vor allem.

Dennoch gibt es jene, die entweder den Klimawandel generell leugnen oder sagen: Klimawandel gab es immer, aber der Mensch habe damit nichts zu tun. Was entgegnen Sie denen? Sie können doch nicht jedem einen langen Vortrag halten.

Ach, ich habe schon so vielen Menschen im Land einen Vortrag über den Stand der Wissenschaft gehalten. Das war mir auch immer sehr wichtig. Aber es gibt zwei Sorten von Skeptikern. Die einen wollen tatsächlich argumentieren, und die kann man durch Fakten gewinnen. Das habe ich auch schon in unserem Institut auf dem Potsdamer Telegrafenberg gemacht und gesagt: Okay, wenn Sie die Zusammenhänge wirklich verstehen wollen, nehme ich mir ein paar Stunden Zeit für Sie. Manche sind tatsächlich gekommen und ließen sich überzeugen. Aber es gibt auch die Klimaleugner, die einfach nur das glauben, was sie glauben wollen, für die Fakten irrelevant sind, die nur in ihren eigenen Echokammern unterwegs sind. Das Internet befördert das, wie wir wissen. Es hat gar keinen Sinn, sich an denen abzukämpfen, deren mitunter auch bösartigen und hasserfüllten Ausfällen überhaupt Beachtung zu schenken. Wichtig ist eher, dass man mit wichtigen Entscheidungsträgern ins Gespräch geht und sie von der Sachlage überzeugt. Ich habe zum Beispiel in der vergangenen Woche einen ganzen Tag mit dem gesamten Vorstand von Shell in Den Haag zugebracht. Das ist eines der größten Unternehmen der Welt. Ich glaube, sie haben die Zusammenhänge begriffen. Und dann gibt es zum Glück auch noch viele Menschen in der Gesellschaft, die sich aus eigenem Antrieb bilden, weil sie besorgt sind – auch diese Menschen sind es, die den Diskurs voranbringen.

Sie sind seit Jahren eine führende Stimme in der Klimadebatte. Als Forscher haben Sie unter anderem das Ziel entwickelt, die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 im globalen Mittel auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden zu können – es wurde zur Grundlage der internationalen Klimapolitik. Nun haben wir fünfmal hintereinander globale Hitzerekordjahre gehabt. Die Erde hat sich global bereits um etwa ein Grad erwärmt. Ist es noch fünf vor zwölf oder schon später?

Die Frage ist immer: Was ist eigentlich „zwölf“, wann ist es zu spät? Sprechen wir von einer unangenehmen Umweltentwicklung, die uns vor große Herausforderungen stellt? Oder schon vom Untergang unserer Zivilisation? Zu Letzterem würde ich sagen, es ist tatsächlich erst fünf vor zwölf. Wir können ihn noch vermeiden. Ich glaube jedoch nicht, dass wir die Erderwärmung bei 1,5 Grad stoppen können, wie es im Pariser Klimaabkommen von 2015 angestrebt wird. Gleichwohl denke ich, dass wir die Erwärmung irgendwo bei zwei Grad noch stabilisieren können. Und auch dann müssen wir uns wohl schon auf massive Herausforderungen einstellen: die Verschiebung von Klimazonen, große Migrationsbewegungen, das Sterben von Ökosystemen wie den Korallenriffen der Erde. Die Lage wäre mit internationaler Kooperation noch zu bewältigen. Man könnte zum Beispiel eine Art Klimapass einführen, der Menschen, deren Heimat durch den Klimawandel einfach im Meer verschwindet, Zugang zu den Haupt-Emissionsländern ermöglicht.

Und was passiert, wenn das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird?

Dann wird die Welt, wie wir sie kennen, verschwinden. Nicht von heute auf morgen, aber in einem ungebremsten Klimawandel könnte es Jahrhunderte von Unruhen, Konflikten und verheerenden Katastrophen auf diesem Planeten geben. Glauben Sie mir, dass ich das nicht leichthin so sage, es macht mich auch manchmal schlaflos. Die zwei Grad müssen unbedingt weiter die Leitplanke für die Weltgemeinschaft sein, wenn es darum geht, die schlimmsten Folgen des menschengemachten Klimawandels zu vermeiden. Und dann müssen wir auch noch sehr viel Glück haben, dass einige der sogenannten Kippelemente im System nicht schon unterhalb dieser Temperaturgrenze aktiviert werden.

Mit Kippelementen meinen Sie – wie man lesen konnte – Vorgänge wie das Auftauen des Permafrostbodens oder des arktischen Eises. Aber solche Prozesse sind doch längst im Gange.

Ja, sie laufen bereits. Aber wir wissen noch nicht, wann genau der Punkt erreicht ist, an dem sich diese Veränderungen selbst verstärken und außer Kontrolle geraten. Ich habe den Begriff der Kippelemente vor einiger Zeit in die Debatte eingeführt, weil ich aus der Physik der nichtlinearen Dynamik komme. Früher hieß das einmal Chaosforschung. Die Physik versucht nicht nur Muster in Datensätzen zu erkennen. Wir schauen uns zum Beispiel den Grönländischen Eisschild an und fragen: Ab welcher Temperatur fängt er an, instabil zu werden? Denn ist dieser Punkt einmal erreicht, gibt es vielleicht kein Zurück mehr, und der Prozess verstärkt sich selbst. Das lässt sich rein physikalisch erklären. Jenseits der Zwei-Grad-Leitplanke würde es extrem schwierig werden, die Eisschilde Grönlands und der Westantarktis zu erhalten oder die großen Regenwälder. Doch die Kippvorgänge können auch miteinander wechselwirken. Durch das Schmelzen des arktischen Meereises kann zum Beispiel der sogenannte Jetstream schwächer werden, der im Wesentlichen das Wetter in unseren Breiten und weiter nördlich organisiert. Das heißt, dass es viel häufiger zu Hitzewellen kommen kann, die etwa zu Waldbränden führen. Diese nagen wiederum am Permafrost. Wenn dieser auftaut, entweichen Methan und CO2. Was wiederum das Schmelzen des arktischen Meereises beschleunigt. Und so weiter …

Was wäre das schlimmste Szenario?

Dass sich das ganze Erdsystem selbstständig machen könnte und wir in eine regelrechte Heißzeit mit einem Anstieg der globalen Temperatur um fünf, sechs oder acht Grad hinauf rutschen. Das wäre das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Wir reden hier im Ernstfall wirklich darüber, ob das Projekt der menschlichen Zivilisation, das im Wesentlichen vor 12 000 Jahren begonnen hat, zum Ende kommt. Aus lauter Trägheit und Dummheit, könnte man sagen. Denn wir hätten alle technischen Möglichkeiten, das zu verhindern.

Aber ist der Mensch wirklich in der Lage, über seinen Schatten zu springen? Sie sprachen selbst einmal von der „Bequemlichkeitsgesellschaft“ und der „Diktatur des Jetzt“. Und zur menschlichen Natur gehört ja auch die Verdrängung.

Es stimmt schon. Wir leben in einer Art Wohlfühlgesellschaft, in der die Politiker niemandem etwas Unangenehmes zumuten möchten. Wir sind alle mehr oder weniger saturiert geworden. Der Populismus ist einerseits eine Antwort auf die Überkomplexität der modernen globalisierten Welt. Die Leute gieren in einer immer komplexer werdenden Welt nach simplen Erklärungen. Populisten wie Donald Trump geben ihnen diese, also überwiegend Unsinn. Aber ich glaube, es steckt noch etwas Tieferes dahinter. Wenn ich in meiner Heimat Niederbayern mit Leuten ins Gespräch komme, dann sehe ich: Diese Menschen sind weder bösartig noch dumm. Aber sie kommen gerade so zurecht mit den Möglichkeiten, die sie haben. Ich glaube, am Schluss muss man doch wieder die Systemfrage stellen. Die gehobene Mittelschicht oder gar die Oberschicht könnte sich natürlich Flugzeugsteuern leisten und trotzdem in den Urlaub fliegen. Das können andere Menschen aber nicht so leicht. Es gäbe eine einfache Antwort darauf. Statt zu sagen: Na gut, dann lassen wir den Planeten kaputtgehen, könnte man sagen: Wie wäre es denn, wenn wir ein wenig umverteilen würden, wenn wir den Menschen, die sich bisher nun mal kein Elektroauto leisten können, das Geld in die Hand drücken oder ihnen eine vernünftige Infrastruktur bereitstellen. Jedem Menschen in der Gesellschaft sollte es möglich sein, ein klimafreundliches Leben zu führen.

Sie sagten einmal, dass man um jedes Zehntel unter der Zwei-Grad-Grenze kämpfen müsse. Werden Sie im Dezember zur Weltklimakonferenz fahren?

Ich hatte fest vor, es nicht zu tun, weil es in Chile geplant war und ich versuche, Fernflüge so gut es geht zu vermeiden. Aber da die Konferenz nun in Spanien, wahrscheinlich in Madrid, stattfinden soll, überlege ich es mir unter Umständen noch mal. Aber meine Hauptaufgabe ist es, über die internationale Kooperation von Akademien und Instituten dazu beizutragen, dass wir unsere Forschung noch weiter voranbringen. Direkt an der politischen Beratungsfront können jetzt auch mal Jüngere kämpfen.

Deutschland verfehlt sein Klimaschutzziel für das Jahr 2020. Eigentlich sollten bis dahin die Treibhausgas-Emissionen auf 40 Prozent des Jahres 1990 gesenkt sein. Auch das jüngst verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung wurde als halbherzig kritisiert.

Sicher zu Recht. Die jetzt auf den Weg gebrachte CO2-Bepreisung etwa ist dem Problem in keiner Weise angemessen. Ein Preis von zehn Euro pro Tonne CO2 setzt kaum Anreize für Entwicklung und Kauf klimafreundlicher Autos und Heizungen. Aber das weiß Angela Merkel auch. Ich habe sie ja über 25 Jahre beraten, in der einen oder anderen Form. Es ist wirklich so: Man muss in einer demokratischen Gesellschaft bestimmte Schritte aushandeln und am Schluss Gesetze erlassen. Aber das geht nicht so schnell wie manchmal nötig, der politische Fortschritt geht nur im Schneckentempo voran. Aber dass dieses Klimapaket überhaupt beschlossen wurde und sich die Regierung tatsächlich schämt für die Verfehlung der Klimaziele, das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Ich hoffe, das ist ein Anfang für den Einstieg in eine vernünftige Klimagesetzgebung. Die Schrauben müssen weiter angezogen werden – auch weil uns die Natur immer heftiger daran erinnern wird, dass wir in einer tiefen Krise stecken.

Sie haben im August der neuen Brandenburger Landesregierung angeboten, sie bei der Bewältigung der Klimakrise zu beraten, vielleicht sogar selbst „in die politische Bütt“ zu steigen. Was ist daraus geworden?

Das war keine Bewerbung für irgendeinen Posten. Worum es mir nicht nur damals, sondern auch weiterhin geht, ist, ein paar richtig interessante Projekte und zukunftsfähige Perspektiven auf den Weg zu bringen in dieser so wichtigen Region, die mir auch persönlich sehr am Herzen liegt. Gewisse Elemente, die ich mir vorgestellt habe, sind sogar explizit in den Koalitionsvertrag eingeflossen, damit bin ich schon mal sehr glücklich.

Was wäre denn wichtig für die Region?

Ich denke, dass Brandenburg von seinen naturräumlichen Voraussetzungen, von der Nähe zur Berlin, von der Wissenschaftslandschaft her ein führendes Innovationsland für Nachhaltigkeit in Deutschland werden kann. Die Lausitz könnte nach dem Ende des Kohle-Zeitalters eine Transformationsregion werden, die ein weltweites Vorbild darstellt. Das ist eine einmalige Chance für die Menschen hier.

Geht es da um erneuerbare Energien?

Es geht um Transformationen in allen Bereichen. Mein Lieblingsthema ist der Hoch- und Tiefbau. Ich fände es großartig, wenn etwa ein Institut für Holzbau gegründet würde. Denn Holz ist das ideale Material – man vermeidet nicht nur CO2-Emissionen, sondern bindet es auch noch aus der Atmosphäre. Tatsächlich trage ich mich mit der Idee, ein „Bauhaus der Erde“ zu gründen. Dabei ginge es nicht nur um die Verwendung natürlicher Materialien, sondern auch um vernünftige Stadtplanung, die Art unseres Wohnens, das Verhältnis zwischen Land und Stadt und vieles andere. 100 Jahre nach der Gründung des alten Bauhaus könnte das neue Bauhaus in Brandenburg angesiedelt werden.

Wie stellen Sie sich Deutschland im Jahre 2029 vor?

Ich hoffe darauf, dass der populistische Spuk in der deutschen Politik verschwunden ist, dass die Menschen und auch die Politik eingesehen haben, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass wir unsere demografischen Probleme nur lösen können, wenn wir den Zustrom von jungen Menschen aus aller Welt haben. Ich stelle mir aber auch vor und bin sehr zuversichtlich, dass Deutschland ein Pionier der Nachhaltigkeit wird, für die ganze Welt, mit den besten Ingenieuren. Und natürlich, dass wir eine zukunftsfähige Politik betreiben. Das wird vor allem den jungen Leuten gefallen, die ja mit ihrer Energie vorwärts kommen wollen. Wir könnten ihnen wieder eine Möglichkeit bieten, ihren Idealismus zu leben und Zukunft zu gestalten.