Köln - Deutschland hat „Rücken“. Jeder dritte Deutsche hat mehrmals pro Monat Rückenschmerzen, knapp die Hälfte mehrmals im Jahr. Und das prägt den Alltag der Betroffenen, auch nachts: 30 Prozent können aufgrund der Schmerzen nur schlecht schlafen.

Dabei ist Schlaf wichtig, nicht nur für den Geist – auch für den Rücken. Neben dem Gehirn erholen sich im Schlaf auch die Bandscheiben, Wirbel und Muskeln, erklärt Reinhard Schneiderhan. Der Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga weiß, dass auch die richtige Position in der Nacht einen Einfluss auf die Schmerzen des Tages hat. 

In der Rückenlage liegt die Wirbelsäule s-förmig gekrümmt, in der Seitenlage ist sie gerade

Eine der Schlafpositionen, die für viele Menschen angenehm ist, ist die Rückenlage. In dieser Schlafposition liegt die Wirbelsäule s-förmig gekrümmt, in der Seitenlage ist sie gerade. Für erholsamen Schlaf sei allerdings wichtig, dass sich Rücken- und Seitenlage abwechseln: „Die beste Lage ist die wechselnde Lage.“ Dadurch werde sichergestellt, dass die Muskeln der aufliegenden Bereiche gut durchblutet und belastet würden. 

„Man kann sich vorstellen, dass bei einem etwas schwereren Menschen, der auf der rechten Seite liegt, die rechte Schulterpartie sowie das Becken in die Matratze gedrückt werden und dadurch die Blutversorgung in den aufliegenden Bereichen nicht optimal ist. Deswegen wird es mit der Zeit unbequem, der Patient dreht sich im Schlaf um. Das ist der Idealzustand.“ Der Patient jedoch, der Veränderungen an der Wirbelsäule hat, werde eher eine individuell auf ihn zugeschnittene Schlafposition bevorzugen, so der Experte.

Linke Seitenlage entlastet Organe und minimiert Sodbrennen

Wer bereits mit Rückenschmerzen Probleme hat, der sollte die Embryostellung testen: auf der Seite liegend, die Beine angezogen, Arme verschränkt oder bei den Beinen. Man kann ein Kissen unter den Armen platzieren oder umschlingen. „Die Embroystellung ist eine Komfortlage für Menschen, die Rückenprobleme haben. In dieser Position können sie optimal die Wirbelgelenke entlasten“, sagt Schneiderhan. Durch die Entspannungslage werde zusätzlich die Durchblutung in dieser Region gefördert. Aber Achtung: Wer so schläft, sollte darauf achten, die Halswirbelsäule nicht zu stark zu beugen, denn sonst drohen Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich.

Und wenn wir auf dem Rücken schlafen, sollten wir uns unbedingt in die Seitenlage nach links und nicht nach rechts drehen, meint der Experte. „Schlafen wir auf dem Rücken nach links gedreht, kommt es seltener zu Sodbrennen, einem sogenannten Reflux.“ Das heißt konkret: Wir stoßen seltener sauer auf, was auf Dauer zu ernsthaften Magenproblemen führen kann. Liegen wir in der linken Seitenlage, findet eine Entlastung der Organe wie der Milz statt, der Reflux wird reduziert, die Pumpfunktion des Herzes wird gleichzeitig verbessert beziehungsweise weniger beeinträchtigt. 

Bauchlage führt einer Überstreckung der Halswirbelsäule

Ungünstig für den Rücken ist dagegen die Bauchlage – dabei wird Druck auf Gelenke und Muskeln ausgeübt. Außerdem kommt es laut Schneiderhan zu einer Überstreckung der Halswirbelsäule und zu Verspannungen im Bereich der Nackenmuskulatur. „Wenn wir auf dem Bauch liegen, drehen wir automatisch den Kopf zur Seite, um zu atmen. Manche Patienten klagen dann noch in der Nacht über eingeschlafene Gliedmaße, oder Verspannungen, Blockierungen von Wirbelgelenken, Überlastung von Kiefergelenken sowie Verspannungen im Gesichtsbereich.

Schlafpositionen nehmen wir unterbewusst ein

„Schlafpositionen nehmen wir völlig unterbewusst ein“, erklärt Schneiderhan. Aber: Haben wir uns beispielsweise die rechte Schulter verletzt und sollten nicht auf dieser liegen, so könne man das eigene Schlafverhalten mit bestimmten Kissen steuern. „Beim Orthopädietechniker gibt es spezielle Kissen, die den Rückenbereich abstützen und die verhindern, dass wir uns im Schlaf auf eine bestimmte Seite drehen.“

Nackenverspannungen – auch das Kopfkissen spielt eine Rolle

Das richtige Kopfkissen während des Schlafens kann Nackenverspannungen vorbeugen. Dazu muss es den oberen Teil der Wirbelsäule in eine neutrale Position bringen. Beim Seitenschläfer erkennt man das daran, dass die Wirbelsäule von hinten betrachtet gerade liegt. Für Menschen, die auf der Seite und dem Rücken schlafen, eignen sich schmale Kopfkissen in den Maßen 80 mal 40 Zentimeter mit Latexkern, erklärt Schneiderhan. Bauchschläfer sollten dagegen besser dünne oder gar keine Kissen verwenden. (mit dpa)