Kräftiger Schluck: Weiblicher Nachwuchs bei den Riesenpandas im Zoo von Taipeh. 
Foto: AFP/Taipei Zoo

Große Politik: Im Zoo von Taipeh hat die Pandabärin Yuan Yuan am Sonntag nach Jahren der künstlichen Befruchtung ihr zweites Baby zur Welt gebracht. Einen Tag später erreichen uns die Bilder von dem teuren Nachwuchs: Er sei weiblich, habe bei der Geburt 186 Gramm gewogen und werde derzeit in einem Inkubator gehalten, teilte uns der Zoo am Montag mit. Dass auch Taiwan bei der Zucht von Riesenpandas (Ailuropoda melanoleuca) erfolgreich ist, hat natürlich eine politische Note, schließlich gilt der mächtige Nachbar China auf diesem Gebiet als führend. Und bekanntlich sind beide Staaten seit 70 Jahren in mehr oder weniger, zur Zeit wieder in größerer Feindschaft verbunden.

Umso bemerkenswerte ist hier die chinesische Panda-Diplomatie: Yuan Yuan und das Männchen Tuan Tuan sind 2008 als Geschenk der Volksrepublik nach Taipeh gekommen, ihr erster, ebenfalls weiblicher Nachwuchs kam dort 2013 zur Welt. Eric Tsao, der Sprecher des Zoos, zeigte sich jetzt erleichtert über den neuerlichen Zuchterfolg: „Es ist unglaublich schwer zu sagen, ob ein Panda schwanger ist, da häufig Scheinschwangerschaften auftreten.“ Denn, so Tsao weiter, die „Anzeichen bei einem scheinschwangeren Panda, dazu gehören unter anderem fehlender Appetit und ein höherer Hormonspiegel, können dieselben sein, wie bei einem, der wirklich schwangeren ist“.

Nun, beinahe wäre aus diesem schönen Erfolg nichts geworden. Die 2004 geborenen Yuan Yuan und Tuan Tuan sollten bereits 2005 vom chinesischen Festland in die taiwanesische Hauptstadt kommen. Aber die damalige Regierung in Taipeh weigerte sich, das Geschenk anzunehmen. In der Tat war mit den beiden Bären eine gewisse Zumutung verbunden, ihre Namen wurden angeblich in einer Abstimmung ermittelt, die Kombination Tuan Wuan bedeutet: Wiedervereinigung. Erst der Regierungswechsel nach den Wahlen 2008 führte zu einem Gesinnungswechsel in Taipeh – der Beginn einer vorübergehenden Entspannung.

Bonus-Material zum sogenannten Taiwan-Konflikt: Die Volksrepublik China und die Republik China, die offiziell immer noch so heißt, aber international bekannt ist unter dem Namen der Insel, auf der sie liegt, Taiwan – die beiden asiatischen Staaten streiten sich seit mittlerweile 70 Jahren über ihre völkerrechtliche Anerkennung.