Peking - Pandas wälzen sich gern in Pferdeäpfeln – doch was haben sie von der müffelnden Mistschicht? Die Tiere legten sich zunächst mit den Wangen hinein und schmierten sich dann gezielt am ganzen Körper mit dem Pferdekot ein, berichten chinesische Forscher im Fachjournal PLOS ONE. Besonders in Kältephasen sei das der Fall. Und darin liege wohl auch die Ursache des ungewöhnlichen Verhaltens: Bestimmte Substanzen aus der Mistschicht im Pelz förderten offenbar die Fähigkeit, sich auch bei kühleren Temperaturen wohlzufühlen.

Große Pandas leben als Einzelgänger in lichten Laub- und Nadelwäldern mit Bambus als Unterwuchs in Bergregionen im Südwesten Chinas. Der Bestand in der Wildnis wird auf unter 2000 Tiere geschätzt. Die bis zu etwa 180 Zentimeter großen und 120 Kilogramm schweren Bären ernähren sich fast ausschließlich von Bambus. Vom Menschen verdrängt, findet der Große Panda der Umweltstiftung WWF zufolge nur noch in abgelegenen Höhen passenden Lebensraum – und dort kann es sehr kalt werden.

Die Wissenschaftler um Fuwen Wei vom Zoologischen Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking analysierten 38 Fälle aus den Jahren 2016 bis 2017, in denen sich wildlebende Große Pandas (Ailuropoda melanoleuca) in Pferdemist wälzten und sich damit einrieben. Besonders häufig geschah das bei niedrigen Temperaturen von unter 15 Grad und wenn die Hinterlassenschaften noch frisch waren.

Schutz vor Kälte

Von vielen Insekten sei bekannt, dass sie von tierischen Hinterlassenschaften angezogen werden, die ihnen als Nahrung oder als Platz für die Eiablage dienen, heißt es in der Studie. Säugetieren könne Kot hingegen eine Fülle an Informationen über den jeweiligen Artgenossen bieten – zu Geschlecht, Paarungsbereitschaft und Gesundheitszustand zum Beispiel. Raubtierkot warne Pflanzenfresser vor dem nahen Feind. Warum Pandas sich so gern in Pferdemist wälzen, sei hingegen bislang unklar gewesen.

Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass chemische Verbindungen wie Beta-Caryophyllen und Caryophyllenoxid in frischem Mist entscheidend für die seltsame Vorliebe sind. Tatsächlich schnüffelten Pandas im Pekinger Zoo im Winter bevorzugt an damit versetztem Heu und rieben sich daran. Die Forscher nahmen des Weiteren an, dass die Substanzen einen Vorteil bei Kälte bringen könnten. Tatsächlich zeigten damit behandelte Mäuse der Studie zufolge eine höhere Kältetoleranz.

Bei den Pandas beeinflussen Beta-Caryophyllen und Caryophyllenoxid wohl einen bestimmten Kältesensor, die sogenannten TRPM8-Rezeptoren, und helfen den Tieren so, mit kalten Temperaturen gut klarzukommen, schließen die Forscher. Die Substanzen blockieren den Rezeptor demnach in Nervenenden in der Haut der Pandas und vermindern so wohl unter anderem Kältegefühle. Generell sei von der TRPM8-Regulation schon länger bekannt, dass sie bei der evolutionären Anpassung an unterschiedliche Temperaturen eine Rolle spielte. (dpa/fwt)