Berlin - Es heißt nicht ohne Grund „Basismaßnahmen“: Maske tragen, genug Abstand zu anderen Personen einhalten, sich regelmäßig die Hände waschen oder desinfizieren, in die Armbeuge oder ein Taschentuch niesen, wenn man unterwegs ist, Innenräume lüften, und wenn das Handy es zulässt und man mit digitalen Applikationen umgehen kann: die Corona-Warn-App nutzen. Das sind Mini-Handlungsempfehlungen für den Alltag, die man von allen jungen Menschen und Erwachsenen erwarten kann. Mindestens. Die nicht nur einen selbst vor einer Infektion schützen oder davor warnen – sondern zum Wohl aller gedacht sind.

Es sind klare, einfache Hygieneregeln, die auf Erkenntnissen aus der Wissenschaft beruhen. Die über die Pandemie hinweg immer weiter präzisiert wurden: Zum Beispiel, dass OP-Masken weniger effektiv vor Ansteckungen schützen als FFP2-Masken. Oder: dass dicht um Mund und Nase abschließende FFP2-Masken selbst bei drei Meter Abstand zu einem Infizierten fast zu 100 Prozent vor einer Ansteckung schützen können. Oder: dass der beste Schutz vor Corona ein Mix aus den Mini-Regeln ist, beispielsweise aus Maske und Abstand.

Nicht bei allen sind diese Erkenntnisse gleichermaßen angekommen. In den öffentlichen Verkehrsmitteln kann man deshalb auch heute noch, in der vierten Corona-Welle, viele Mitmenschen entdecken, die völlig ausgeleierte OP-Masken tragen. Die einem an der Supermarktkasse fast schon im Nacken hängen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Politik es grandios versäumt hat, die Wichtigkeit der Basismaßnahmen zu erklären und immer wieder zu unterstreichen.

Fokus lag auf Impfquote, Maßnahmen wurden ausgeklammert

Stattdessen geht es seit einer sehr langen Zeit darum, die Impfquote voranzubringen. Natürlich: Die Impfung ist das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen Corona. Aber: Weil der Fokus auf den Impfungen lag und alles andere in den Schatten stellte, wurde der Bevölkerung fälschlicherweise suggeriert, dass wenn man mal geimpft ist, alle anderen Maßnahmen irrelevant und überflüssig werden. Nebenbei auch, wie wichtig es ist, sich regelmäßig testen zu lassen. Deshalb gibt es jedes Mal aufs Neue ein riesiges Aufbegehren, wenn Lockerungsdiskussionen beginnen. Wie jetzt auch.

„Maskenpflicht in Innenräumen? Wieso zum Geier geht das weiter?“ Weil die Pandemie nicht zu Ende ist. Weil Impfungen – und das ist das Wichtigste – vor schwerem Verlauf, vor Hospitalisierungen und Tod schützen. Aber: Nicht nur Ungeimpfte, sondern auch vollständig Geimpfte, selbst Genesene mit Booster, können das Virus (unbemerkt) in sich tragen und an andere weitergeben. Immer wieder. Aber: Die Hygienemaßnahmen können einen selbst und Mitmenschen vor einer Ansteckung schützen. Und sie sind und bleiben das Mindeste, was man voneinander erwarten kann.