Der Coronavirus: Unheimlich, aber nicht unbedingt gefährlich. Vielmehr sollten die Menschen sich um vielfaches Artensterben und den CO2-Ausstoß sorgen. 
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Pandemien gehören zur Globalisierung. Die von den Mongolen eingeschleppte Pest soll im 14. Jahrhundert ein Drittel der europäischen Bevölkerung und eine unbekannte Menge Asiaten umgebracht haben. Die indigenen Völker Lateinamerikas wurden im 16. Jahrhundert von den Pocken, die die Europäer mitbrachten, zu Hunderttausenden dahingerafft. Die spanische Grippe brachte 1918 bis 1920 mehr Menschen den Tod als der ganze Erste Weltkrieg.

Der Coronavirus wird übertragen von Menschen, die ihn zwar schon haben, aber noch keine Krankheitssymptome zeigen. Er ist derzeit weniger tödlich als der Sars-Virus von 2002/3. Er ist aber extrem mutationsfreudig. Nach offiziellen Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde waren am 31. Januar 9700 Menschen erkrankt und über 200 gestorben. Am 2. Februar waren es bereits mehr als 300 Tote.

Er kann sich sprunghaft weiterentwickeln

Auch Fälle im Ausland sind bekannt. Betroffen sind bisher mindestens 18 Länder. Darunter Südkorea, Japan, Thailand, Taiwan, Nepal, die USA, Australien, Singapur, Vietnam, Saudi-Arabien, Kanada, Frankreich und Deutschland. Aus den Philippinen wird der erste außerchinesische Todesfall gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation rief am 30. Januar den „Internationalen Gesundheitsnotstand“ aus. Dennoch lehnte sie Einschränkungen des internationalen Reiseverkehrs mit China ausdrücklich ab.

Pandemien und Panikwarnungen gehören auch zusammen. Es besteht die Gefahr, dass Panik einen noch größeren Schaden anrichtet als die Pandemie. 300 Tote sind in China eine Zahl, die bei einem Erdbeben zum Beispiel kaum ernst genommen wird. Ein Virus aber, das musste die chinesische Regierung beim Sars-Virus erkennen, ist eine ganz andere Sache. Er kann sich sprunghaft weiterentwickeln und mit ungeahnter Geschwindigkeit um sich greifen. Das macht ihn unheimlich.

Für Viren gilt weltweit Bewegungs- und Aufenthaltsfreiheit. Gegen Viren helfen keine Mauern und kein Brexit. Jeder Virus muss einzeln erkannt und bekämpft werden. Dass das funktioniert, haben die letzten Jahrzehnte gezeigt. Es funktioniert freilich nur multilateral. Die weltweite, möglichst schnelle Erfassung aller Daten, die Bereitschaft zum umfassenden Informationsaustausch, zur Akzeptanz fremder Hilfe – das ist die Grundlage eines erfolgreichen Kampfes gegen Pandemien.

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So gesehen wird auch klar, warum die Welt sich so schwertut im Kampf gegen Terrorismen jeder Art. Solange der Feind meines Feindes mein Freund ist, wird es immer eine Art von Terrorismus geben, den mein Feind unterstützt oder den ich unterstütze.

Der Multilateralismus beim Kampf gegen Pandemien kann auch deshalb so erfolgreich sein, weil er wenig kostet. Die zig Millionen Euro für Impfstoffe und Impfungen sind Peanuts. Außerdem kann die Pharma-Industrie nicht nur bestens daran verdienen. Sie bessert auch ihr Image gewaltig auf. Seuchen stellen nicht unsere Wirtschaftsweise infrage. Im Gegenteil. Sie führen vor, wie gut sie – befreit von nationalen Bornierungen – funktionieren kann.

CO2-Ausstoß und Artensterben viel größere Probleme

Ganz anders sieht es bei den wirklich großen Gefährdungen der Menschheit aus. Der Weltbiodiversitätsrat meldet: In den nächsten Jahrzehnten sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Aufgrund unserer Aktivitäten. Die Spezies, die sich Homo sapiens nennt, droht alle anderen – und damit auch ihre eigene Lebensgrundlage – auszurotten. Davon lassen wir nicht ab. Wir müssten, um dem Artensterben ein Ende zu bereiten, anders leben und wirtschaften.

Das Gleiche gilt für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Ein technisches Problem, aber unsere ganze Existenz hängt so am Petro-Konsum, dass wir vorziehen, die Welt und uns zu vernichten, als ihn abzustellen. Wir werden uns also ein neues, ein wirklich multilaterales, ein womöglich menschheitliches „Wir“ bauen müssen, wenn wir nicht von den massiven Interessen, die vom derzeitigen Status quo profitieren und uns überall auf der Welt in immer engere Horizonte einsperren, mit in den Abgrund gezogen werden möchten.