Berlin - In der kommenden Woche will der Bundestag über eine geplante Pflicht zur Impfung gegen Covid-19 entscheiden. Nun wurde laut Medienberichten bekannt, dass die ursprünglichen Pläne zur allgemeinen Impfpflicht wohl keine Mehrheit fänden und nur noch über eine Impfpflicht für Menschen ab 50 entschieden werden soll. Doch auch eine solche Teilpflicht – wie die bereits beschlossene einrichtungsbezogene Impfpflicht – würde außer Acht lassen, dass sich immer mehr Patienten mit schweren Nebenwirkungen nach der Covid-19-Impfung melden. So auch bei der Berliner Zeitung, die aus diesem Anlass mit Betroffenen gesprochen hat, die allesamt davon berichten, dass sie noch Monate nach der Impfung ihren Alltag kaum bewältigen können. Uns erreichten noch viel mehr dieser Berichte, vor allem von Patientinnen zwischen 20 und 40 Jahren. Die Aussagen sind stellvertretend für eine offenbar untererfasste Gruppe Impfgeschädigter, deren Anzahl von mit der Praxis betrauten Ärzten auf etwa drei bis fünf Prozent der Geimpften geschätzt wird.

Alle in diesem Text Genannten wurden mit den Stoffen von Biontech geimpft und haben ihre Nebenwirkungen an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Berlin gemeldet, meist ohne Rückmeldung. Die Berliner Zeitung hat auch mehrfach das PEI sowie das Bundesgesundheitsministerium um eine Stellungnahme zu einer möglichen Untererfassung von Impfnebenwirkungen gebeten. Nach zwei Wochen ohne Antwort erreichte uns kurz vor Redaktionsschluss die Antwort vom PEI, dass es seine Verantwortung im Bereich Arzneimittelsicherheit jederzeit mit hohem Engagement wahrnehme. Gegen Underreporting sei extra die Möglichkeit für Patienten und Angehörige geschaffen worden, Nebenwirkungen selbst zu melden unter:  www.nebenwirkungen.bund.de. Wir geben das Statement hiermit verkürzt wieder. Das Bundesgesundheitsministerium hat auf unsere Fragen gar nicht geantwortet.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden bis Ende Dezember 2021 in Deutschland knapp 150 Millionen Impfungen gegen Corona verabreicht, in knapp 250 000 Fällen meldeten Ärzte Verdacht auf Nebenwirkungen an das PEI. Das entspricht einer Melderate von rund 1,6 Meldungen pro 1000 Impfdosen, für schwerwiegende Impfreaktionen 0,2. Traditionell werden Nebenwirkungen hierzulande eher untererfasst - in welchem Ausmaß das für die Impfungen gegen Covid-19 gilt, wird noch diskutiert.

Manuela Faust, 39, Erzieherin

Als Manuela Faust die erste Attacke ereilte, saß sie im Auto. Zum Glück nur als Beifahrerin. Plötzlich fing ihre rechte Körperhälfte an, stark zu kribbeln und zu brennen. Sie sagte zu ihrem Mann: „Ich glaube, ich habe einen Schlaganfall, bitte fahr rechts ran.“ Drei Wochen zuvor hatte sich die 39-jährige Berlinerin zum zweiten Mal impfen lassen gegen Corona.

Schon direkt nach der ersten Impfung, sie hatte sich priorisiert gegen Covid-19 impfen lassen, um sich und andere zu schützen, waren Symptome aufgetreten, die sie nicht einordnen konnte. Eigentlich hätte sie damals sofort ins Krankenhaus gemusst, sagt sie rückblickend, allein schon, um die Symptome zu dokumentieren. „Aber ich dachte immer, ich schaffe das, das geht schon wieder weg.“ Es ging nicht wieder weg – es wurde schlimmer.

Starke Blutdruckschwankungen, das Gefühl zu verbrennen nach jedem Essen, sehr intensive Kopfschmerzen, Seh- und Wahrnehmungsstörungen, taube Finger – und dann diese elende Erschöpfung: Manuela Faust, 39 Jahre alt, Erzieherin, Ehefrau, Mutter von drei Kindern, vorher sehr aktiv im Alltag, konnte nun nicht mal mehr kochen und sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern. Sie sagt: „Es war ein Albtraum.“ Einfache Unterhaltungen wurden ihr zu viel, Multitasking war nicht mehr möglich. Wenn sie zur Arbeit ging, um Kinder zu betreuen, lag sie nach kürzester Zeit erschöpft auf der Couch.

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Manuela Faust vor der Impfung: aktiv und fröhlich. Jetzt berichtet sie von ständiger Erschöpfung.

Ihr Hausarzt empfahl ihr, joggen zu gehen. Was sie sogar versuchte, trotz der zahlreichen körperlichen Beschwerden. „Ich dachte, ich muss mir den Stress aus dem Körper laufen.“ Das war keine gute Idee, nun fing auch noch ihr Herz an zu rasen. Nach diesem weiteren Schock fand sie eine Kardiologin, die etwas zu ihr sagte, das sie nach Monaten zum ersten Mal aufatmen ließ: „Ich kenne diese Symptome, es gibt Patienten, die sie nach der Impfung haben.“ Endlich: eine Ärztin, die sie ernst nahm. Die ihr zwar noch nicht helfen konnte mit einer gesicherten Diagnose oder gar einer Therapie. Aber Manuela Faust fühlte sich von da an nicht mehr ganz so alleingelassen. Wenn noch mehr Menschen nach der Impfung dieselben Symptome haben, dann müsste uns doch jemand helfen können. Dachte sie.

Tamara Retzlaff, 28, Marketing-Expertin

Als Tamara Retzlaff sich im August 2021 impfen ließ, freute sie sich noch über die zwei Tage später aufgetretene Impfreaktion: „Ich bekam Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Gliederschmerzen. Aber ich war froh, dass die Impfung offenbar wirkt, denn ich bin viel mit Menschen in Kontakt“, erzählt sie.

Doch seither ließen die Beschwerden nicht mehr nach, sagt die Marketing-Expertin aus der Nähe von Stuttgart: „Ich leide ununterbrochen an Schwindel, Kopfschmerzen, Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, extremer Müdigkeit, Atemnot, Herzstechen, Muskel- und Gliederschmerzen, Zuckungen und Taubheitsgefühlen. Ich bin völlig aus dem Leben gerissen“, fasst die 28-Jährige ihre Situation zusammen – ein Dreivierteljahr nach der Impfung.

Bisher lebte die Innenstadtmanagerin einen aktiven Alltag mit zahlreichen Reisen, die sie auf Instagram dokumentierte, wo sie viele Follower sammelte. Sie liebte Fahrradfahren, am Atlantik zu surfen, fuhr jährlich in Österreich Ski. Daran ist jetzt kein Denken mehr.

„Mein Leben ist anstrengend geworden. Ich bin von jeder noch so kleinen Aufgabe wie erschlagen und muss mich manchmal tagelang ausruhen. Duschen ist zu anstrengend, Baden ein gewaltiger Kraftakt. Alleine einkaufen ist nicht möglich. Ich muss gefahren werden, weil ich mich an den meisten Tagen nicht gut konzentrieren kann. Außerdem verlässt mich häufig im Supermarkt die Kraft. Bei einem Tierarztbesuch trug ich meine vier Kilo leichte Katze ins Behandlungszimmer, bekam Atemnot und wurde ohnmächtig. Nach einem Treppen-Test wurde mein Sauerstoffgehalt mit 78 Prozent gemessen.“ Normal wäre ein Sauerstoffgehalt von über 90, eher 95 bis 99 Prozent.

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Tamara Retzlaff vor der Impfung: ständig unterwegs. Jetzt kann sie kaum noch allein in den Supermarkt.

Am schlimmsten seien neben der Atemnot die plötzlichen Müdigkeitsanfälle: „Ich laufe mit meinem Hund in den Wald, plötzlich überfällt mich die Müdigkeit so stark, dass ich auf einer Bank eine Runde schlafen muss, um den Weg nach Hause zu schaffen. Aber selbst nach zehn Stunden Schlaf fühle ich mich gleich müde wie am Vorabend.“

Die 28-Jährige möchte ihre Situation nicht akzeptieren: „Ich möchte nicht, dass andere mir beim Putzen helfen oder für mich einkaufen. Doch jeder Moment, in dem ich denke, ich schaffe mehr als nur ein Fertiggericht zu kochen, rächt sich am nächsten Tag. Und jede Aktivität rächt sich mit starkem Herzstechen. Andere würden bei Atemnot, Herzstechen und Schwindel von mehr als zehn Minuten den Notarzt rufen – bei mir ist das zur Normalität geworden.“

Retzlaff hat außerdem den Eindruck, ihr Gehirn setze phasenweise aus. „Früher war ich im Management, heute passieren mir täglich Fehler: Ich habe 2800 statt 28 Euro an jemanden überwiesen. Ich lege die Hundeleine zwischen meine Socken. Ich warte drei Minuten vor der Mikrowelle, um festzustellen, dass ich gar keinen Teller hineingestellt, geschweige denn etwas zu Essen vorbereitet habe. Diese Situationen machen Angst!“

Für das Schreiben einer E-Mail benötige sie oft mehr als eine Woche, Bücher lesen sei nicht mehr möglich. Videos schaue oder Podcasts höre sie nur noch in halber Wiedergabegeschwindigkeit. Tamara Retzlaff hat darüber ihren Job verloren. Sie kann sich nicht mehr an die englische Sprache erinnern, in der sie studiert hat. Ihr Auto kann sie kaum noch nutzen.

Die 28-Jährige will fest daran glauben, dass es ihr irgendwann wieder besser geht. „Am meisten stört mich, dass ich keinen Ansprechpartner habe. Ich habe mich an alle möglichen politischen Stellen gewandt – ohne eine Antwort. Inzwischen bin ich in einer Selbsthilfegruppe für Personen mit Impfnebenwirkungen, die einzige Anlaufstelle bisher.“ Sie sagt: „Hätte ich vor der Impfung gewusst, dass es in seltenen Fällen diese Nebenwirkungen gibt, hätte ich mich vermutlich trotzdem impfen lassen. Hätte ich jedoch gewusst, dass man so alleingelassen wird, hilflos ist und lediglich in die Gesichter ratloser Ärzte blickt, hätte ich mich niemals gegen irgendetwas impfen lassen.“

Ihr Hausarzt unterstütze sie, so gut er könne, dafür ist die Patientin dankbar. „Auch für ihn ist es schwer, mir nicht helfen zu können. Er kann mich zwar an Fachärzte wie Kardiologen, Pneumologen, Neurologen überweisen, aber eine Anlaufstelle für meine gesamte Symptomatik gibt es nicht. Bereits mehrfach habe ich gehört: Sie haben zwar klassische Long -Covid-Symptome, aber ohne positives PCR–Ergebnis können Sie nicht in der Long-Covid-Ambulanz oder in der Reha angenommen werden.“ Die Verdachtsdiagnose laute „Impfschaden“, eine vorangegangene Covid-Infektion konnte nicht nachgewiesen werden.

Tamara Retzlaff sagt: „Selbstverständlich bin ich dankbar, dass ich keinen schweren Verlauf mit Covid-19 hatte, die Angst schwingt jedoch laufend mit, dass ich mich zusätzlich nun auch noch mit Corona infiziere.“

Vera Rieder, 31, Lehrerin

Als Vera Rieder aus NRW wenige Tage nach der Impfung im Oktober 2021 Hautausschlag auf der linken Körperseite bekam, dazu Einblutungen in der Wange und aufsteigendes Kribbeln vom Fuß bis in die linke Gesichtshälfte, empfahl ihr der Impfarzt mit der Vermutung einer Immunüberschussreaktion das Krankenhaus aufzusuchen. Dort ging man von feinsten Nervenschäden aus, die in den meisten Fällen nach ein paar Wochen wieder ausheilen würden, und schickte sie wieder nach Hause. Doch die Beschwerden besserten sich nicht, sondern es kamen noch  mehr hinzu.

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Vera Rieder vor der Impfung, ...

„Ich war vorher sehr aktiv, habe viel Sport und Yoga gemacht. Plötzlich konnte ich körperlich von heute auf morgen nichts mehr. Nicht mal mehr die Treppen kam ich hoch“, erzählt die 31-Jährige.  Zu den neurologischen kamen heftige Herzprobleme: „Ich schwankte zwischen Bradykardie und Tachykardie, hatte im einen Moment einen Puls von 30, im nächsten 170 und hatte massive Brustschmerzen, außerdem starken Bluthochdruck von 180 zu 130. Ich habe denen im Krankenhaus gesagt: Ich brauche etwas für mein Herz!“ Erst über weitere Arztbesuche fand sie eine kardiologische Praxis, die sie bezüglich der Immunüberschussreaktion mit Kortison und Infusionen behandelte. Nach zwei Monaten hatte sie damit die Herzproblematik im Griff, muss nun Betablocker nehmen. Doch es blieben viele andere Symptome.

Unter anderem eine sogenannte Krallenhand, bei der sich die Finger einer Hand, in Vera Rieders Fall ist es die Impfseite, krallenartig versteifen. Üblicherweise spricht das in der Medizin für eine Nervenschädigung. Vera Rieder kämpft mir der Krallenhand seit fünf Monaten.

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... jetzt hat sie eine Krallenhand.

Genau wie mit einer Reihe weiterer Symptome, unter anderem Taubheitsgefühle in Bein und Hand, Muskelzuckungen, Sehstörungen. „Die Kortisontherapie hat mich gerettet“, ist die Patientin überzeugt, denn dadurch sind zumindest die massiven Pulsschwankungen, der Brain Fog und Lähmungserscheinungen der Schluckmuskulatur besser geworden, wenngleich nicht verschwunden. Inzwischen hat die Lehrerin die Diagnose Long Covid bekommen – obwohl sie nachweislich nie Covid hatte. Dass Long Covid auch durch die Impfung verursacht werden kann, wie mittlerweile Wissenschaftler vermuten, reicht Vera Rieder als vage Begründung nicht aus. „Das kann doch nicht sein, dass wir diese Probleme haben und wir nicht davon berichten können, ohne als Impfgegner zu gelten, und uns auch niemand wirklich helfen kann, weil nicht dazu geforscht wird. Auch die Ärzte werden ja mit dem Problem alleingelassen.“ Mittels einer sogenannten Nukleocapsidtestung wurde bei Vera Rieder inzwischen eine Covid-19-Infektion in den vorangegangenen Monaten sicher ausgeschlossen.

Die Lehrerin ist fassungslos darüber, dass sie seit Monaten mit den zuständigen Behörden um die Übernahme der Kosten für Therapien kämpfen muss. In ihrem Blut wurden verschiedene Arten von Autoantikörpern gefunden, die sich gegen ihren Körper richten. Doch die Behörden begründeten ihre Ablehnung mit der fehlenden Forschung im Falle von Long Covid oder Impfschäden. Aber wie soll die Forschung Ergebnisse vorweisen, wenn nur ganz wenige Kliniken dazu jetzt erst angefangen haben zu forschen, fragt sich Rieder.

„Ich arbeite für dieses Land, ich vermisse die Kinder in der Schule sehr. Ich hätte nie gedacht, dass man hierzulande mit einem medizinischen Problem so alleingelassen werden kann. Alle schieben die Verantwortung von sich weg, das Thema wird lieber totgeschwiegen“, ärgert sich die Lehrerin über ihre unfreiwillige monatelange Arbeitspause. Dabei habe sie noch Glück, weil sie als Beamtin finanziell abgesichert ist und ihre Miete zahlen kann. Ihr Alltag ist geprägt von permanenter Erschöpfung zwischen täglichen Arztbesuchen, Bürokratie und dem Kampf um die Kostenübernahme für ihre Behandlungen, sie bekommt Infusionen, Medikamente und weiterhin Physiotherapie, und sie liest sich in viele Studien ein, um zu erfahren, was anderen geholfen hat.

Vera Rieder hatte Glück im Unglück: Der Ausschlag und die Krallenhand haben dazu geführt, dass ihre Symptome ernst genommen wurden, weil sie sichtbar waren. Viele andere Betroffene haben nicht dieses zweifelhafte Glück, denn ihre Symptome sind unsichtbar, viele Beschwerden werden deshalb fälschlicherweise für psychosomatisch gehalten. „Dabei sind viele unsichtbare Beschwerden viel schlimmer“, sagt Vera Rieder. „Als ich die schweren Schluckbeschwerden bekam, das kann man sich kaum vorstellen, da dachte ich: Ich muss jetzt sterben.“

Monika Krout, 56, Ärztin

Nachdem 2021 die ersten Jüngeren gegen Covid-19 geimpft worden waren, kam in die Privatpraxis von Monika Krout eine Frau von Ende 20 mit einer Thrombose im rechten Bein, auf der Impfseite. „Es konnte ein Zufall sein oder eine beschriebene Impfnebenwirkung, das wussten wir damals noch nicht, im Mai“, erinnert sich Monika Krout, Allgemeinmedizinerin aus Aachen. Doch kurz darauf kam die nächste Patientin im selben Alter, deren Brust auf der Impfseite zwei Tage nach der Impfung stark angeschwollen war. „Die linke Brust war doppelt so groß wie die rechte“, berichtet die Ärztin. Das Gewebe sei schwer entzündet gewesen und habe sich erst nach einem halben Jahr wieder normalisiert. Krout sagt: „Ich war zu diesem Zeitpunkt der Impfung gegenüber neutral, weil ich noch nicht wusste: Schützt uns die Impfung mehr oder die Erkrankung?“

Das hat sich inzwischen geändert. So sehr, dass die promovierte Ärztin ihre Praxis aufgegeben hat. Wegen einer eigenen chronischen Erkrankung – aber auch weil sie den Umgang mit der Impfung nicht mehr mittragen will.

Im Laufe des Jahres 2021 und je mehr Patienten mit Beschwerden nach der Impfung zu ihr gekommen seien, sei ihr klar geworden, „dass diese Impfung viel mehr Nebenwirkungen hat, als ich es bei anderen Impfungen je gesehen habe. Ich hatte viele Auslandseinsätze, ich habe sehr viele Menschen geimpft – aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet Krout der Berliner Zeitung.

Zunehmend sei von Gesundheitsämtern und der Regierung betont worden, dass die Covid-19-Impfung so gut wie nie Nebenwirkungen verursache, doch die Fälle in ihrer Praxis sprächen eine andere Sprache.

„Dann kam ein junger Mann zu mir, der einen Tag nach der Impfung eine spontane Myokarditis hatte. Die Ärzte im Krankenhaus sagten, er müsse schon vorher etwas am Herzen gehabt haben, denn Myokarditis sei zwar als Impfnebenwirkung beschrieben, aber das könne doch nicht sein, er sei zu jung“, erinnert sie sich. „Dieser junge Mann hat jetzt einen Herzschaden und ist abhängig von Blutdruckmitteln – und kein Kollege schreibt ihm auf, dass das auf die Impfung zurückzuführen ist“, ärgert sich die Ärztin. „Komischerweise wurden in den darauffolgenden Tagen vier weitere junge Männer mit Myokarditis ins selbe Krankenhaus eingewiesen, alle nach der Impfung. Was aber auch nicht dazu geführt hat, dass diese eine Bescheinigung darüber bekommen haben.“

Auch ihre eigene Mutter habe einen Impfschaden erlitten, berichtet die Medizinerin. Die 86-Jährige habe nach der zweiten Impfung im Rücken solche Schmerzen gehabt, dass sie kaum noch laufen konnte – dabei habe sie zuvor täglich viel Sport gemacht. Nach langer Odyssee durch Facharztpraxen sei keine Ursache gefunden worden – bis die Tochter sie selbst untersucht habe. Es habe sich der Verdacht auf Lebervenenthrombose ergeben. Nach der Gabe von Blutverdünnern und einem leberstärkenden Mittel hätten sich die Beschwerden binnen weniger Tage deutlich verbessert, doch sie seien nicht weg. „Das hat mich in dem Verdacht bestärkt, dass wir es nach diesen Impfungen immer wieder mit Mikrothromben an den Gefäßwänden zu tun haben. Mikrothromben kann ich aber nur in der Pathologie feststellen.“ Dazu müsste der Patient verstorben sein.

Immer mehr Patienten kamen mit ähnlichen Problemen zu ihr, viele hatten wie ihre Mutter zahlreiche Besuche in Facharztpraxen hinter sich, die Kollegen hätten sie immer weitergeschickt mit dem Hinweis: keine Ahnung, was Sie haben. „Ich war definitiv ratlos.“ Viele hatten Ultraschall, Kernspin, sämtliche bildgebende Diagnostik machen lassen. „Bei einer Thrombose habe ich ein Bild vor mir, aber was mache ich bei einem Mikrothrombus?“, fragt die Ärztin. „Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, von dem wir viel zu wenig wissen. Mein Wunsch ist, dass wir weiterforschen. Nur wenn wir mehr messen, auch durch Blutabnahmen, werden wir Ergebnisse bekommen. Aber das passiert nicht. Und ich kann das nicht verstehen.“ Mitte Dezember hat die Ärztin ihre Praxis geschlossen. Die Ereignisse hätten sie sehr mitgenommen, erzählt sie.

Wenn Ärzte gegenüber Patienten hinter vorgehaltener Hand über mögliche Impfschäden reden – warum dann nicht in der Öffentlichkeit? „Ich habe mich auch gefragt, wieso die wenigsten Mediziner das wollen. Ich verstehe, dass zu Beginn, als die Probleme auftraten, viele Kollegen noch glaubten, dass die Impfung trotzdem hilfreich sei. Erstaunlich fand ich aber, wie viel Geld man mit der Impfung verdienen kann“, sagt Krout. Sie sei sicher, dass nicht alle Kollegen so denken. Ärzte hätten mittlerweile ein unglaubliches Patientenaufkommen und stünden unter großem Druck, gerade in der Pandemie. „Jeder von uns ist erschöpft, hinzu kommt das ständige Maskentragen. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Kollegen einfach zu viel ist, sich damit auch noch auseinanderzusetzen.“

In jedem Fall habe sie allein in ihrer Praxis deutlich mehr Patienten gesehen, „die mit größter Wahrscheinlichkeit eine Impfnebenwirkung hatten“, als die offiziellen Statistiken ausweisen würden, geschätzt fünf bis sechs Patienten jede Woche. Darunter auch viele Frauen mit auffälligen periodischen Blutungen. „Wenn die Fachärzte sagen: Das ist nicht von der Impfung; dann sagen die Frauen: Okay, dann kommt es nicht von der Impfung. Fakt ist, dass sie nach einem halben Jahr immer noch dieselben Zwischenblutungen haben“, erzählt Krout. Durch die allgemeine Annahme, dass fast nichts von der Impfung kommen könne, würden Impfschäden untererfasst. Einem älteren Ehepaar über 80 gehe es seit der Impfung schlecht, sie plagten Schwindelattacken. „Diese Patienten sagen mir: Unsere Kinder haben nichts von der Impfung bemerkt und sie sagen uns, dass unsere Beschwerden nicht davon kommen könnten. Was sagen Sie dazu, Frau Doktor?“ Monika Krout hat am Ende ihren Patienten stets einen Zettel aufgemalt mit einer Gegenüberstellung von Risiken und möglichen Nebenwirkungen aufgrund persönlicher Vorerkrankungen und Alter und ihnen dann gesagt: „Entscheiden Sie selbst über die Impfung.“ Dass nun im Bundestag über eine Impfpflicht diskutiert wird, macht ihr Angst.

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