Berlin - Während am Donnerstag im Rheinland der Karneval ausgebrochen ist, klagen Intensivstationen in Bayern darüber, ganz kurz vorm Kollaps zu stehen – und die Inzidenzen sind in Deutschland so hoch wie noch nie seit Beginn der Corona-Krise. 

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisiert deshalb die Ankündigungen der Ampel-Parteien zur Bekämpfung der Pandemie als unzureichend. SPD, Grüne und FDP würden die 900.000 Pflegeheimbewohner und eine Million zu Hause professionell versorgten Menschen nicht genug schützen, sagte er dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND). „Dafür braucht es unabhängig vom Impfstatus eine tägliche Testpflicht für Personal, Besucher und Pflegebedürftige. Denn auch Geimpfte können das Virus weitergeben.“ Impfen schütze vornehmlich einen selbst, Testen vornehmlich andere.

Für den Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz darf die Entscheidung der Testung außerdem nicht am Personal und nicht im Ermessen einzelner Klinikleiter liegen. Die Testung müsse für alle konsequent umgesetzt werden, sowohl bei Besuchern als auch bei Beschäftigten und egal ob geimpft, genesen oder nicht geimpft oder nicht genesen. „Das ist der einzige Schutz für Hochbetagte“, so Brysch. Das müsse in der jeweiligen Landesverordnung so festgeschrieben werden.

Nur engmaschige Tests in solchen Einrichtungen würden zum Ziel führen: „Tägliche Tests auch für Personal, Besucher und Pflegebedürftige sind ein effizientes Mittel, um das Coronavirus in der Altenpflege zu stoppen. Doch eine solche klare Anweisung fehlt. Auch eine Staatsanwaltschaft ist nicht in der Lage, die Fehler eines löchrigen Schutzschirms aufzuarbeiten.“ Brysch bezieht sich damit auf aktuelle Todesfälle in einem Pflegeheim in Bayern, in dem nach neuerlichen Corona-Toten nun die Kriminalpolizei im Landkreis Eichstätt ermittelt. 

Auch in Brandenburg ist die Zahl der toten Heimbewohner erneut gestiegen: Aus den zunächst elf, dann 15, dann 16 Verstorbenen sind am Mittwoch 17 Bewohnerinnen und Bewohner geworden, die im Haus am Werbellinsee an den Folgen eines Corona-Ausbruchs gestorben sind. 

Unter diesem Eindruck pocht der oberste Patientenschützer zudem auf rasche und breiter angelegte Angebote zu Auffrischungsimpfungen, sogenannte Booster. Es würden jetzt schon ältere Menschen, deren Zweitimpfung über ein halbes Jahr her ist, in Praxen und von Ärzten auf das nächste Jahr vertröstet, monierte Brysch.