New YorkNach Abschluss der letzten Analysen bei der Erprobung ihres Corona-Impfstoffes haben der Mainzer Hersteller Biontech und der US-Konzern Pfizer erneut vielversprechende Daten vorgelegt. Demnach liegt die Wirksamkeit ihres Mittels zur Bekämpfung der Krankheit Covid-19 bei 95 Prozent. Das Vakzin funktioniere über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen, teilten die Firmen mit. Die für eine Notfallzulassung in den USA notwendige Sicherheit des Impfstoffes BNT162b2 sei gewährleistet, hieß es weiter. Schon im Lauf der nächsten Tage wollen Biontech und Pfizer der US-Zulassungsbehörde FDA ihre Daten zur Verfügung stellen. Auch andere Zulassungsbehörden weltweit würden diese Informationen erhalten.

Vergangene Woche hatten Biontech und Pfizer bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff nach Zwischenergebnissen klinischer Studien einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Auch der US-Pharmakonzern Moderna hatte zuletzt für sein ähnliches Präparat eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent errechnet. Damit übertreffen diese Impfstoffe die allgemeinen Erwartungen weit. Beide Firmen setzen auf eine neue Technologie, bei der Erbmaterial verwendet wird. In diesem Fall ist es RNA, die die menschlichen Zellen dazu bringt, Teile von Sars-CoV-2 zu produzieren, sodass eine Immunantwort hervorgerufen wird. 

"Wettkampf ist immer gut"

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, begrüßt den Wettbewerb in der Impfstoffentwicklung. "Wettkampf ist immer gut, weil Kompetition (Wettbewerb) bewirkt, dass alle ihre Höchstleistung bringen", sagte Cichutek am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Bei dem großen Bedarf an Impfstoffen weltweit brauche man mehrere Impfstoffentwickler. Es gebe außerdem eine Reihe von Variablen, die es sinnvoll erscheinen lassen, mehrere Impfstoffe zu entwickeln. Dazu gehörten etwa die Lager- und Transportfähigkeit der Stoffe.

Bisher seien keine Gefahren, etwa ein höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen, durch das hohe Entwicklungstempo sichtbar. Alle Daten hinsichtlich der Sicherheit der Impfstoffprodukte in den klinischen Prüfungen "lassen nicht darauf schließen, dass solche Risiken tatsächlich vorhanden sind." Man könne auch sicher ausschließen, dass die RNA-Impfstoffe das Erbgut von Menschen in irgendeiner Form verändern werden. "Dazu gibt es klare Datenlagen."

Biontech und Pfizer bekräftigten am Mittwoch ihre Absicht, noch in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Impfdosen und bis zu 1,3 Milliarden Dosen bis Ende nächsten Jahres zu produzieren. Beide Partner haben nach eigenen Angaben spezielle Kühlbehälter für die Auslieferung des wärmeempfindlichen Vakzins bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius entwickelt. Sie sollen durch das Nachfüllen mit Trockeneis 15 Tage auch als Übergangsbehälter dienen können. Jede Auslieferung und ihre jeweilige Kühltemperatur könnten mit Hilfe von GPS genau verfolgt werden.