Ältere Menschen haben oft ohnehin weniger Durst - umso wichtiger ist es, nachzuhalten, wieviel sie trinken.
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BerlinDie traurige Nachricht ist: Es passiert immer wieder, dass ältere Patienten zu Hause, in Heim oder Krankenhaus verdursten. Nicht nur, weil ältere Patienten weniger Durst haben als jüngere. Sondern auch, weil es nicht genügend Pflegekräfte gibt, die ausreichend Zeit haben, sich um eine Trinkzufuhr von anderthalb Liter pro Tag und Patient zu kümmern. Und nicht zuletzt, weil dafür oft eine Ein- und Ausfuhrbilanz vonnöten wäre, eine tägliche Trinkbilanz also, die von Verantwortlichen nachgehalten werden muss. Diese Verantwortlichen gibt es manchmal nicht. Weder zu Hause, noch im Heim oder im Krankenhaus. Ein strukturelles Problem, das für Patienten tödlich enden kann. Exsikkose heißt der Fachausdruck, Tod durch Verdursten. 2018 starben in Berlin offiziell 180 Menschen an Flüssigkeitsmangel. Die Dunkelziffer wird viel höher eingeschätzt, aber auch bundesweit gibt es dazu keine Zahlen. 

Die gute Nachricht ist: Vereinzelte Pfleger brechen das Schweigen. So wie der Pfleger, der sich an die Berliner Zeitung wandte, um auf die Exsikkose aufmerksam zu machen. Nicht um seine Kollegen anzuschwärzen. Sondern um auf das Problem hinzuweisen, das dahintersteckt: Immer mehr Menschen werden im Alter zu Hause versorgt, nur ein Viertel der bundesweit 2,7 Millionen Pflegebedürftigen lebt in Heimen. In Berlin gibt es 112.500 anerkannte Pflegebedürftige, davon werden 57.000 alleine durch Angehörige, 27.800 von ambulanten Diensten betreut. Hier wie dort müssen sie mit Flüssigkeit versorgt werden, als oberstes Gebot. Noch vor der Nahrungsmittelaufnahme und der Medikamentengabe ist die Trinkzufuhr die wichtigste Aufgabe bei der körperlichen Versorgung eines Menschen, vor allem im Alter und bei Krankheit. 

Wie können Angehörige dafür sorgen, dass die Trinkzufuhr und die Versorgung ihrer pflegebedürftigen Familienangehörigen gewährleistet wird? Hier ein paar Tipps. 

Zu Hause: Lebt ein Pflegebedürftiger zu Hause und wird ausschließlich von Angehörigen versorgt, ist mit dem Hausarzt zu besprechen, wie viel pro Tag der Patient trinken soll. Es gibt Krankheiten oder Einschränkungen, die erfordern, mit der Trinkzufuhr vorsichtig oder langsamer zu sein (einige Herzkrankheiten). Andere Störungen können eine höhere Trinkmenge nötig machen. Ist die tägliche wünschenswerte Trinkmenge  identifiziert, können Angehörige besser nachhalten. Das kann über einfache Listen umgesetzt werden, die offen einsehbar an einem zentralen Ort nahe beim Patienten liegen sollten. Eingetragen wird jedes Glas, das der Patient ausgetrunken hat. Bei Pflegebedürftigen, die inkontinent sind, ist eine Ein- und Ausfuhrkontrolle wichtig. So muss kontrolliert werden, ob die Urinmenge zur Trinkmenge passt. 

Zu Hause mit Pflegedienst: Wird ein Angehöriger zusätzlich von einem Pflegedienst versorgt, muss mit diesem besprochen werden, wie die tägliche Trinkmenge organisiert und verabreicht wird. Die Ein- und evtl. die Ausfuhr müssen zentral dokumentiert werden. Sowohl Angehörige als auch Besucher und Pflegedienstmitarbeiter müssen die Trinkmenge eintragen, bilanzieren und nachhalten.

Pflegedienst: Wird ein Pflegebedürftiger ausschließlich von einem Pflegedienst versorgt, muss dieser eine Ein- und womöglich Ausfuhrkontrolle bilanzieren. Alle Pflegenden, die an der Versorgung des Patienten beteiligt sind, müssen diese in eine entsprechende Liste eintragen. Oft sind Pflegekräfte im Einsatz, die kein Deutsch sprechen. Ihnen und auch ungelernten Hilfskräften muss vermittelt werden, wie wichtig der tägliche Eintrag und auch häufige Trinkaufforderungen sind. Unabdingbar ist, dass eine Person gefunden wird, die täglich die Trinkbilanz nachhält und bei Versäumnissen noch am selben Tag reagieren kann. Das kann auch ein zuverlässiger Nachbar oder eine Freundin sein. Zusammen mit dem Pflegedienst muss eine Lösung gefunden werden. 

Pflegeheim: Haben Angehörige berechtigte Sorge, dass ein Patient im Heim nicht ausreichend trinkt, ist die Pflegedienstleitung der erste Ansprechpartner, danach der behandelnde Arzt, danach die Heimleitung, danach die Heimaufsicht. Diese behördliche Meldestelle für Beschwerden greift allerdings erst im Nachhinein in strukturelle Schwierigkeiten der Organisation ein. Fällt Angehörigen auf, dass ein Patient zunehmend müde und ausgetrocknet wirkt, schlecht ansprechbar oder verwirrt ist, sollten sie den Arzt kontaktieren, die Urinkonzentration überprüfen und im Zweifel darauf bestehen, dass ein Rettungswagen gerufen wird. Weitere Anzeichen einer Exsikkose können Schwindel und Kopfschmerzen sein. Austrocknung zeigt sich auch an der Haut: Sie ist so wenig elastisch, dass sie am Handrücken nicht gleich zurückweicht, wenn man sie mit Daumen und Zeigefinger leicht zusammengedrückt nach oben gezogen hat.