Berlin - Über die Unterstützung der Republik Moldau wird gute zwei Stunden vorher im Bundestag debattiert. Drei Tagesordnungspunkte vor dem Bonus für Pflegekräfte, den Gesetzentwurf der Regierungskoalition. Aber vermutlich hat es nichts zu sagen, wann die Abgeordneten was verhandeln. Schon gar nicht muss es bedeuten, dass da etwas versteckt werden soll im Plenum am späten Donnerstagnachmittag. Obwohl dieses Gesetz nichts  ist, mit dem sich angeben ließe.

Eine Milliarde Euro spendiert die Bundesregierung Deutschlands Pflegekräften zum Dank für den aufopferungsvollen Kampf gegen die Corona-Pandemie und gegen die Fehler im Gesundheitssystem. Einem Teil der deutschen Pflegekräfte, um genau zu sein, Fachkräfte, 204.000 sind es, schätzt das Bundesgesundheitsministerium. Rund 1,2 Millionen Menschen waren insgesamt 2019 in Pflegeeinrichtungen beschäftigt.

Wie viele seither entnervt aufgegeben haben, ist unklar. Klar ist: Diesen Bonus können vor allem jene, die leer ausgehen, als letzten Impuls sehen, sich nun doch von Beruf und Berufung zu verabschieden. Fast ein Drittel erwog schon vorher diesen Schritt. Die Flucht aus der Pflege zum Selbstschutz ist auch kein Phänomen der Pandemie. Und obwohl sich die Lage stetig zuspitzt, ist die Bundesregierung nicht einmal jetzt zu einem kraftvollen Signal bereit.

Pflegebonus: Sparsamkeit der Politik an dieser Stelle sollte alle umtreiben

Offener hätte sie einen Mangel an Wertschätzung kaum zum Ausdruck bringen können, als nach langem Herumeiern eine große Gruppe von Beschäftigten vor den Kopf zu stoßen, der die Corona-Krise ebenfalls alles abverlangt hat. Die demonstrative Knausrigkeit lässt nichts Gutes ahnen, sie sollte diejenigen umtreiben, die auf ein funktionierendes Gesundheitswesen angewiesen sind: die Patienten – früher oder später so gut wie jeder.