Wir sind in der Lage, sekundenschnell zu  entscheiden, ob uns jemand sympathisch oder unsympathisch ist. Versuchen Sie daher bei der Wahl des richtigen Pflegeheims mit allen Sinnen Eindrücke zu sammeln – das wird Ihnen und Ihrem Angehörigen helfen, die Frage zu beantworten: Werde ich mich hier wohl fühlen?

Beobachten Sie die Bewohner

Machen sie einen aufgeweckten Eindruck oder zeigen sie sich eher teilnahmslos und unbeteiligt? Sieht mancher nicht gerade aus wie aus dem Ei gepellt oder wirkt er regelrecht „falsch“ angezogen, dann muss das kein Mangel an Zuwendung bedeuten oder ein Indiz für schlechte Pflege sein – im Gegenteil. Hier darf man davon ausgehen, dass den Bewohnern weitgehend der eigene Wille gelassen wird, denn auch altersverwirrte oder demenzkranke Menschen dürfen selbstbestimmt leben.

Machen Sie den Geruchstest

Wird gut gelüftet und werden inkontinente Bewohner ausreichend häufig „frisch“ gemacht, dann riecht es in einem Pflegeheim angenehm. Hingegen sollen stark riechende Reinigungsmittel den Geruch von Ausscheidungen vertreiben, der zwangsläufig entsteht, wenn zum Beispiel Inkontinenzmaterial nicht bei Bedarf, sondern aus Zeitgründen in einem festgelegten Rhythmus gewechselt wird.

Hören Sie auf den Umgangston

Wie empfinden Sie die Stimmung: Verhalten sich die Pflegekräfte untereinander freundlich und  gegenüber den Bewohnern höflich und verständnisvoll oder kurz angebunden, hektisch und unfreundlich, werden Bewohner gesiezt?

Achten Sie auf Ausstattung und Einrichtung

Kommen Sie sich vor wie in einem Krankenhaus, einem Wohnhaus oder einem Hotel? Sind die Zimmer, Gänge und Aufenthaltsräume freundlich und modern eingerichtet und gestaltet oder wirkt es renovierungsbedürftig oder eher düster? Dürfen die Zimmer mit eigenen Möbeln eingerichtet werden? Kann man sich innerhalb der Anlage gut orientieren? Gibt es auch einen „öffentlichen“ Bereich, in dem man Gäste empfangen kann (Cafeteria oder Lobby), wirken Aufenthalts- und Fitnessräume, Schwimmbad, Garten- oder Parkanlage einladend oder eher vernachlässigt?

Testen Sie das Essen

Da die Geschmacksempfindungen im Alter stark nachlassen, ist vor allem entscheidend, wie das Essen demjenigen schmeckt, der in der betroffenen Einrichtung eventuell einmal leben möchte. Fragen Sie also ruhig bei der Terminvereinbarung für einen Besuch, ob man Ihnen auch eine Mahlzeit anbieten kann. Lassen Sie sich den Speiseplan der nächsten zwei Wochen geben: Ist der Speiseplan abwechslungsreich, bietet er Wahlmöglichkeiten z.B. auch vegetarische Gerichte oder personengebundene Diät oder Schonkost? Wie flexibel sind die Essenszeiten? Wird das Essen angeliefert oder in der Einrichtung zubereitet?

Fragen Sie nach dem Unterhaltungsangebot

Sind die Beschäftigungs- und Bewegungsangebote, kulturelle Veranstaltungen zur Unterhaltung und Kommunikation, Möglichkeiten für Kontakte außerhalb der Einrichtung attraktiv und zahlreich? Zwei bis drei Angebote pro Woche reichen übrigens nicht aus. Wird der regelmäßige Kontakt zur „Außenwelt“ gefördert durch Veranstaltungen, durch Zusammenarbeit mit Seniorenclub und Kindertagesstätten oder ähnliches?

Sprechen Sie mit Bewohnern

Sprechen Sie während Ihres Rundgangs spontan mit Bewohnern. Versuchen Sie in solchen Gesprächen herauszuhören, wie in einem Pflegeheim mit Beschwerden umgegangen wird, ob sich die Bewohner respektiert fühlen oder was ihnen beispielsweise innerhalb des Pflegeheims fehlt. Sprechen Sie nach Möglichkeit auch mit der Heimleitung und dem Personal.

Achten Sie darauf, wie sich das Heim im Internet präsentiert

Auch wie sich eine Einrichtung im Internet präsentiert, sagt eine  Menge über seine Betreiber aus: wirkt die Präsentation freundlich und informativ oder oberflächlich und wenig auskunftsfreudig? Kann man auf den Fotos die Räumlichkeiten, typische Situationen mit Personal und Bewohnern sehen, vielleicht sogar als Bildergalerie? Finden Sie im Internet gar keine Internetseite des Pflegeheims, dann sollten Sie ruhig einmal nach dem Grund fragen.

Sichten Sie  gründlich das Informationsmaterial

Bestellen Sie Informationsmaterial einer Pflegeeinrichtung entweder telefonisch oder über die Kontakt- oder Anfragemaske der Internetseite. Auch hierbei darf man ruhig auf die Präsentation achten.  Wirkt alles irgendwie zusammengestoppelt oder ist es übersichtlich geordnet, sind die Informationen komplett, die Kosten nachvollziehbar? Werden Sie in einem persönlichen Anschreiben zum Besuch eingeladen?

Nutzen Sie die Möglichkeit des Probewohnens

In den meisten Pflegeheimen können Sie mittlerweile für einige Tage zur Probe wohnen. Es ist der beste Weg, um herauszufinden, ob Sie sich hier wohlfühlen. Sie werden viel Zeit hier verbringen.

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Checklisten im Netz

Wer sich unsicher bei der Auswahl des Pflegeheimes ist, kann sich auch im Internet anhand von Checklisten informieren. Die Pflegeheimcheckliste der Weißen Liste kann dabei eine  gute Hilfe sein. Sie finden Sie unter www.weisse-liste.de im Bereich Pflege.

Auch der Ratgeber der Stiftung Warentest von Marina Engler gibt wertvolle Tipps  zur Pflegeheim-Suche. Außerdem gibt es ausführliche Informationen rund um die „Schnelle Hilfe im Pflegefall“. Mehr Infos unter www.stiftung-warentest.de 

Experten am Telefon

Telefonische Beratung für Pflegende bietet das Pflegetelefon  des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSF) unter der Nummer 030 /20 17 91 31.

In Berlin berät das Landesamt für Gesundheit und  Soziales, Darwinstraße 15, 10589 Berlin, Tel. 030 / 90 229 33 33.

Auch die Verbraucherzentrale Berlin unterstützt Verbraucher im Bereich Gesundheit und Pflege mit Beratungs- und Informationsleistungen: Tel. 030 / 54 44 59 68, Sprechzeiten Montag 9 - 13 Uhr / Mittwoch 14 - 18 Uhr / Freitag 8 - 12 Uhr.