Von Pinguinen wissen wir, dass ihre Augen auf scharfe Unterwassersicht ausgerichtet sind, an Land kommen die Frackträger dagegen ein wenig kurzsichtig daher. Die Ohren, die durch besonders kräftige Federn beim Tauchen wasserdicht verschlossen werden, sind vor Druckschäden geschützt. Unter Wasser geben Pinguine – anders als an Land, wo sie durch trompetenhafte Rufe und lautes Schnarren miteinander kommunizieren – keine auffälligen Laute von sich. Ob sie ihr Gehör auch zum Aufspüren von Beute oder zur Wahrnehmung von Fressfeinden nutzen, ist unbekannt.

Doch die Wasservögel reagieren sehr sensibel auf Geräusche über und unter Wasser. Das zeigt ein Forschungsprojekt unter Beteiligung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Humboldtpinguine etwa seien an der Luft für bestimmte Frequenzen ähnlich sensibel wie Menschen, so Projektleiter Michael Dähne. 

In dem Projekt untersuchten Wissenschaftler das Hörvermögen von Pinguinen an Land sowie unter Wasser und analysierten die Hörorgane anhand von Computerscans von Pinguinschädeln aus der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums. Für Verhaltenstests wurden Tiere aufwendig trainiert. In Stralsund lernten vier Humboldtpinguine, in einer schalldichten Box stillzustehen und mit dem Schnabel eine bestimmte Fläche zu berühren, wenn sie einen Ton hörten.

Foto: dpa/Jens Büttner
In Stralsund bereitet Biologin Helen Rößler einen Humboldtpinguin mit dem Wiegen für einen wissenschaftlichen Hörtest vor.

„Wir haben im Projekt nachgewiesen, dass Pinguine unter Wasser auf Schall reagieren“, sagt Bioakustiker Dähne. Laut Umweltbundesamt seien erstmals Daten zum Hörvermögen der Tiere nach standardisierten Methoden ermittelt worden. Ein großer Schritt, um die Belastung für Pinguine durch Lärm bewerten zu können. Wie beeinträchtigen etwa der Schiffsverkehr oder wissenschaftliche Geräte, die Schall benutzen, die Tiere? Informationen, die auch für die Bewertung von Aktivitäten in der Antarktis eine Rolle spielen können.

Ende April organisieren das Berliner und das Stralsunder Museum gemeinsam mit dem Umweltbundesamt eine „Woche gegen Lärm im Meer“. Verschiedene Veranstaltungen sollen auf die Problematik von menschengemachtem Unterwasserlärm aufmerksam machen. Denn: Die Weltmeere werden immer intensiver von der Menschheit genutzt. Schifffahrt, die Erkundung von Bodenschätzen, aber auch die Errichtung von Fundamenten für Windkraftanlagen erzeugen eine enorme Geräuschkulisse in den Meeren.

Das Forschungsprojekt „Hearing in Penguins“ wird bei der Lärmwoche eine wichtige Rolle spielen. Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse nicht nur gehört, sondern auch berücksichtigt werden. (mit dpa)