San Francisco - Ein offenbar sehr eigensinniges Seebär-Baby verirrte sich am Wochenende nördlich von San Francisco auf eine Straße und sorgte dort für einiges Chaos. Mehrere Autofahrer konnten Zusammenstöße mit dem Tier nur knapp vermeiden, wie die Polizei jetzt auf Facebook mitteilte. Sie wurde demnach von Augenzeugen alarmiert, angeblich sei ein „Otter“ in der Ortschaft San Rafael unterwegs. Das Jungtier entpuppte sich dann aber als Ohrenrobbe, genauer: Nördlicher Seebär.

Sehr schnell: Ohrenrobben können einem Menschen davonlaufen

Zwei Polizisten entdeckten schließlich die keine Robbe, als sie gerade durch den Verkehr watschelte. „Das ist kein gewöhnlicher Einsatz“ gewesen, teilten die Beamten mit. Bilder zeigen das gerettete Tier am Straßenrand in dichtem Efeu. Das brachte ihm nun den Spitznamen „Ivy“ ein (Englisch für Efeu). Der Meeressäuger wurde in das Marine Mammal Center in Sausalito gebracht, wo das Jungtier zunächst beobachtet werden soll, wie der San Francisco Chronicle berichtet.

Gewöhnlich verbringen Seebären die meiste Zeit im offenen Ozean fernab der Küste und auf abgelegenen Inseln. Wie sich das Baby in der Ortschaft an der Bucht von San Francisco verirrte, ist unklar. Bekannt ist allerdings, dass Ohrenrobben sich etwa im Vergleich zu den Hundsrobben sehr geschickt und auch ausdauernd an Land bewegen. In unebenem Gelände sind sie in der Lage, einem laufenden Menschen zu entkommen; dressierte Tiere können sogar Leitern hochklettern.

Facebook//San Rafael Police Department
Experten vom Marine Mammal Center in Sausalito sammelten das Jungtier schließlich ein.

Der Nördliche Seebär (Callorhinus ursinus) steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion und wird als „gefährdet“ (vulnerable) eingestuft. Die Tiere wurden lange Zeit wegen ihres dichten Fells gejagt und galten unter Pelzjägern immer als das wertvollste unter allen Robben. Trotz des vollständigen Stopps des kommerziellen Fangs (seit 1983) verringern sich die Bestände – vermutlich deswegen, weil ihnen durch Überfischung die Nahrungsgrundlage entzogen wird.

So ging die Population der Robben von etwa 2,1 Millionen in den 1950er-Jahren auf heute 1,1 Millionen zurück. Sie verbringen fast ihre ganze Zeit auf dem offenen Meer, mehr als 600 Meilen vor der Küste, und kommen an Land, um zu gebären oder wenn sie krank sind, wie das Marine Mammal Center in Sausalito erklärt. (mit dpa)