Gefährliche Verfolgungsjagden, stressiger Schichtdienst, dann wieder langweiliger Papierkram und das Ganze bei passabler, aber nicht überwältigend hoher Bezahlung: Warum wird jemand eigentlich Polizist? Kommissarin Ann-Kathrin Richter aus Hilden hat darauf mehrere Antworten: „Weil Polizisten eine Waffe tragen. Weil man anderen ein Knöllchen schreiben kann. Weil neben dem Arbeitgeber auch Donuts und Kaffee die körperliche Fitness fördern. Weil man am Stau vorbeifahren kann.“ Natürlich sind diese Gründe nicht alle völlig bierernst gemeint.

In ihrem Buch „110 Gründe, Polizist zu sein“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf) erzählt Richter gemeinsam mit ihrem Kollegen Henry Haack lustige, anrührende aber teilweise auch nachdenkliche Anekdoten aus dem Polizei-Alltag und räumt mit so manchem Klischee über Cops auf. Darunter das Donut-Klischee, das sich – vermutlich aufgrund vieler US-Polizeiserien – hartnäckig hält. „Wenn Sie sich in Ihrer Stadt einmal umschauen, werden Sie feststellen, dass wir Polizisten zwar zwischendurch vielleicht ein paar Kilos zu viel mit uns herumtragen, aber der Donut nicht mehr das Erste ist, was Sie von uns sehen“, so Richter in ihrem lockeren Sprachstil. 

Stattdessen sei es erwünscht, einen möglichst fitten „Trachtenverein“ heranzuzüchten: deshalb müssen Polizisten jährlich einen Leistungsnachweis über ihre Sportlichkeit erbringen, erklärt die 27-Jährige. Gut zu wissen, denn schließlich möchte man nicht, dass der Verbrecherjäger bei einer Verfolgungsjagd den Kürzeren zieht und nach hundert Metern stöhnend zusammenbricht.

Und wie steht es mit dem polizeilichen Privileg, am Stau vorbeidüsen zu dürfen? „Zugegeben ertappe ich mich gelegentlich dabei, wie ich erleichtert grinsen muss, wenn wir vorsichtig an der schier endlosen Metallkette vorbeifahren.“ Allerdings gehe es dann meistens um eine Notsituation. Und sei durchaus vorgekommen, dass Richter und ihre Kollegen selbst stundenlang im Stau standen, mit dem Unterschied, dass sie für die Zeit bezahlt werden.