Eine bezahlbare Pflegekraft zu finden, ist häufig schwer.
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BerlinDie gesetzliche Pflegeversicherung finanziert die Kosten für die Unterbringung in einem Heim oder die private Pflege. Doch reicht der staatliche Beitrag bei weitem nicht aus. Es bleibt eine sogenannte Pflegelücke, denn der Heimplatz ist teuer. Er kostet 3500 Euro und mehr. Der Staat zahlt aber derzeit maximal 2005 Euro aus der Pflegekasse hinzu. Wer Pflege braucht, muss zuzahlen – je mehr Pflegeleistungen benötigt werden, desto höher die Summe. Die Rente oder die Ersparnisse müssen meist dafür herhalten. Private Pflegevorsorge-Versicherungen bieten eine Alternative.

Die Pflegelücke wird abhängig von den durchschnittlichen Kosten der Pflegeeinrichtungen für die Bundesländer berechnet. In Berlin liegt die Pflegelücke nach einer Aufstellung des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) zurzeit bei rund 1930 Euro, in Brandenburg bei 1650 Euro. Diese Summe müssen Pflegebedürftige aus ihrem privaten Vermögen zum Heimplatz dazubezahlen. Reichen die eigenen Mittel nicht, können die Angehörigen als Unterhaltspflichtige vom Sozialamt hinzugezogen werden.

Private Vorsorge: Private Pflegezusatzversicherungen gibt es in verschiedenen Varianten: als Pflegetagegeldversicherung, Pflegekostenversicherung und Pflegerentenversicherung. Ob eine private Pflegezusatzversicherung bedarfsgerecht und sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, heißt es beim Bund der Versicherten. Die eigene körperliche Konstitution spielt dabei eine Rolle und natürlich die zu erwartende Rente. Wer eine große Familie hat, die bereit ist, sich im Pflegefall zu kümmern, kann zudem eher mit Hilfe rechnen als Alleinstehende.

Pflegetagegeldversicherung: Sie ist die gängigste private Vorsorge, zahlreiche Versicherungen bieten sie an. Antragsteller müssen einen Gesundheitsfragebogen beantworten. Vorerkrankungen haben einen Risikozuschlag zur Folge. Eine Wartezeit gibt es in der Regel nicht.

Wenn der Versicherungsfall eintritt, wird das zuvor vereinbarte Tagegeld ungeachtet der tatsächlichen Kosten gezahlt. Die Höhe des Tagegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad. Der volle Tagegeldsatz wird häufig erst bei Pflegegrad 5 fällig. Der Versicherte kann frei über das Geld verfügen und es zum Beispiel für Pflegehilfe durch die Familie oder für Sachkosten einsetzen.

Neben dem Pflegegeld selbst können auch einige Modalitäten vereinbart werden, zum Beispiel, dass das Geld auch bei einem Auslandsaufenthalt gezahlt wird. Hilfreich kann auch eine Sonderzahlung sein, wenn Pflegegrad 2 eintritt. Von der Summe, die mehrere Tausend Euro groß ist und die manche Versicherungen anbieten, kann zum Beispiel ein Seniorenbett angeschafft werden.

Stiftung Warentest hat vor kurzem Pflegetagegeldversicherungen geprüft. So kann ein 55-Jähriger, der jetzt eine Versicherung abschließt und rund 90 Euro monatlich zahlt, bei Pflegegrad 2 zwischen 271 und 1100 Euro monatlich erhalten – je nach Anbieter.

Laut den Testern kann eine Pflegetagegeldversicherung sinnvoll sein, wenn Versicherte ihr Vermögen, wie eine Immobilie, für ihre Kinder erhalten und nicht für die Pflege einsetzen wollen. Allerdings warnen die Tester: „Schließen Sie die Versicherung nur ab, wenn Sie absehen können, dass Sie im Ruhestand ein sicheres Einkommen haben.“ Wer die Versicherung im Rentenalter kündigen muss, verliert das eingezahlte Geld und den Versicherungsschutz.

Pflege-Bahr: Um die Bürger dazu zu animieren, etwas für die private Pflegevorsorge zu tun, unterstützt der Staat den Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung unter bestimmten Umständen. Bei einer Eigenleistung von mindestens zehn Euro im Monat, schießt der Gesetzgeber fünf Euro monatlich, also 60 Euro im Jahr, zu. Diese Förderung nennt sich Pflege-Bahr nach Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der die Gesetzesinitiative 2013 einbrachte.

Gesetzlich oder privat Krankenversicherte können einen Pflege-Bahr-Tarif abschließen – die Versicherungen müssen jeden Antragsteller aufnehmen. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Das führt dazu, dass der Pflege-Bahr für Menschen mit Vorerkrankungen eine gute Variante ist. Die Beiträge fallen entsprechend höher aus, als bei Versicherungen mit Gesundheitscheck. Die Experten von Finanztip online raten vom Pflege-Bahr ab, weil die Beiträge im Lauf der Zeit unter Umständen die Höhe der ausgezahlten Beträge übersteigen könnten.

Fünf Pflegegrade

Die Leistungen der Pflegekasse variieren nach Pflegegrad und abhängig davon, ob zu Hause oder im Heim gepflegt wird. Die Pflegegrade liegen zwischen 1 (leichte Einschränkungen) und 5 (intensive Betreuung).

Der Umfang der Unterstützung beginnt bei 125 Euro monatlich zum Beispiel für Hilfsdienste durch einen Pflegedienst (Hilfe beim Einkauf oder Gedächtnistraining) bei Pflegegrad 1 und endet bei 2005 Euro für Heimpflege bei Pflegegrad 5.

Pflegekostenversicherung: Die Krankenversicherungen bieten eine Pflegekostenversicherung an. Sie erstattet tatsächlich entstandene Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag oder einem Prozentsatz, die nicht durch die Pflichtversicherung abgedeckt werden. Die Kosten müssen mit Rechnungen belegt werden. Die Versicherung eignet sich deshalb vor allem für professionelle Pflege. Manche Tarife übernehmen auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Die Erstattung passt sich der Kostenentwicklung an und kann bei Preissteigerungen den größeren Teil der Auslagen decken, empfiehlt der Bund der Versicherten.

Pflegerentenversicherung: Hier zahlt der Versicherte über die gesamte Laufzeit des Vertrags einen vereinbarten Betrag. Im Pflegefall erhält er oder sie eine garantierte monatliche Pflegerente. Die Höhe der Pflegerente bestimmt sich je nach Grad der Pflegebedürftigkeit und der vereinbarten Leistung. Die Versicherer steigen aber oft erst bei Pflegegrad 3 ein. Neben der Rente kann auch der Todesfall, eine Kapitalleistung oder eine Altersrente, zum Beispiel ab 85 Jahren, abgeschlossen werden. Der Bund der Versicherten rät von dieser Art Versicherung ab, weil sie eine „undurchschaubare Kombination aus Versicherungsschutz und unrentablem Sparvorgang“ sei.