Corona-Impfstoff mit Logo des britischen Pharmaunternehmens Astrazeneca (Symbolbild). Weltweit sind mehr als 170 mögliche Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung. 
Foto: Imago Images/Future Image

Berlin/LondonDer Pharmakonzern Astrazeneca hat die klinische Studie für seinen Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt, nachdem bei einem der Teilnehmer gesundheitliche Probleme aufgetreten sind. Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britische Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mit. „In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen.“ Der Wirkstoff AZD1222 wurde von der University of Oxford und ihrem Spin-out-Unternehmen Vaccitech mitentwickelt. Er zählt zu den besonders weit fortgeschrittenen Sars-CoV-2-Impfprojekten.

Astrazeneca werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es weiter. Bei der Überprüfung geht es letztlich darum festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme vom Impfstoff ausgelöst wurden. Während der Unterbrechung sollen keine weiteren Studienteilnehmer geimpft und bisher geimpfte Personen weiterhin beobachtet werden.

Möglicherweise eine Entzündung des Rückenmarks

Bei den nicht näher genannten gesundheitlichen Problemen handele es sich um einen Einzelfall, betonte das Unternehmen. Der Impfstoff befindet sich unter anderem in den USA in der dritten und abschließenden Studien-Phase mit mehreren Zehntausend Teilnehmern.

Astrazeneca machte keine Angaben zu der Erkrankung. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele – eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne. Der von Astrazeneca hergestellte Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen, ein Adenovirus. Es schleust das genetische Material des Spike-Proteines von Sars-CoV-2 ein. Nach der Impfung wird dieses Protein produziert und bereitet dadurch das Immunsystem darauf vor, sich gegen Sars-CoV-2 zu wehren, wenn es später den Körper infiziert. 

Astrazeneca und acht weitere Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten erst am Dienstag versichert, dass sie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs keine Kompromisse bei der Sicherheit machen werden. Dieser ungewöhnliche Schritt folgte mit Blick auf Bedenken, dass es vor allem in den USA politischen Druck zwecks einer Eil-Zulassung erster Impfstoffe vor der Präsidentenwahl am 3. November geben könnte. Präsident Donald Trump verspricht fast täglich, dass es bis Jahresende oder möglicherweise schon bis zur Wahl einen Impfstoff geben werde.