Cremen, cremen, cremen: Bei  Neurodermitis ist auch Feuchtigkeitspflege wichtig.
Foto: Florian Schuh/dpa

Bethesda/JenaNeurodermitis zählt zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Künftig könnte ein probiotisches Spray Linderung verschaffen, wie US-Wissenschaftler im Fachblatt „Science Translational Medicine“ berichten. In einer kleinen Studie behandelten sie Kinder erfolgreich mit einem Spray, das auf das Mikrobiom der Haut abzielt. Bis zu einer möglichen Zulassung sind jedoch größere Untersuchungen nötig. Ein deutscher Experte reagiert zurückhaltend.

Trockene Haut, Entzündungen, Rötungen und teils starker Juckreiz gehören zu den typischen Symptomen des atopischen Ekzems, so der Fachbegriff für Neurodermitis. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass hierzulande etwa 900.000 Kinder betroffen sind. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) geht von bis zu 20 Prozent der Kinder und bis zu zehn Prozent der Erwachsenen aus. Gerade für Heranwachsende bedeutet die mit teils deutlich sichtbaren Hautveränderungen einhergehende Krankheit oft eine große Belastung. Zudem ist sie mit einem erhöhten Risiko für Asthma, Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien verbunden.

Studie mit 20 Kindern

Die Ursachen des atopischen Ekzems sind bislang nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel aus genetischen Faktoren, immunologischen Veränderungen und Umwelteinflüssen. Klar ist, dass eine gestörte Hautbarriere eine Rolle spielt. Mehr und mehr rückt auch das Mikrobiom auf der Haut in den Fokus, also die Gemeinschaft der Mikroorganismen. Schon länger ist bekannt, dass bei Betroffenen das Bakterium Staphylococcus aureus vermehrt vorkommt, das Entzündungen verursachen kann. Gleichzeitig scheinen Bakterien der Art Roseomonas mucosa zu fehlen.

Solche Bakterien von der Haut gesunder Spender hat ein Team um Ian Myles vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) kultiviert. Nach einer Studie mit Erwachsenen und älteren Kindern veröffentlichten die Wissenschaftler nun Ergebnisse einer kleinen Untersuchung an 20 Kindern im Alter von 3 bis 16 Jahren.

Diese wurden zunächst zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von drei Monaten und dann für einen weiteren Monat jeden zweiten Tag behandelt. Dabei sprühten die Mediziner ein Spray mit Zuckerwasser, das Roseomonas mucosa enthielt, auf die betroffenen Hautpartien. „Die meisten Kinder in der Studie zeigten nach der Therapie mit R. mucosa erhebliche Verbesserungen ihrer Haut und ihres allgemeinen Wohlbefindens“, sagt Myles laut einer Mitteilung des Instituts.

Bei 17 Kindern besserten sich die Ekzeme um mehr als 50 Prozent an allen behandelten Hautstellen wie Händen, Ellen- und Kniebeugen, Rumpf oder Hals. Außerdem brauchten sie weniger Kortikosteroide, berichteten über weniger Juckreiz und eine bessere Lebensqualität. Insgesamt seien die R.-mucosa-Bakterien bis zu acht Monate nach Ende der Behandlung auf der Haut verblieben.

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die Behandlung die mikrobiologische Diversität der Haut verbesserte und die Menge an S.-aureus-Bakterien sank. „Diese Ergebnisse im Frühstadium legen nahe, dass die Therapie mit R. mucosa dazu beitragen könnte, einige Kinder sowohl von der Belastung durch Ekzemsymptome als auch von der Notwendigkeit einer täglichen Behandlung zu befreien“, kommentiert NIAID-Direktor Anthony Fauci die Resultate.

Weitere Studien erforderlich

Für Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena, stellt die Studie eine gute Hypothese auf, liefert allerdings keine Beweise für die Wirksamkeit der Therapie. „Wir wissen aus anderen Studien, dass bei einigen Neurodermitis-Patienten auch Placebos oder einfache Pflegecremes helfen“, betont Elsner, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. Entsprechend sei noch offen, ob die beobachteten Verbesserungen auf R. mucosa, die Zuckerlösung oder Placebo-Effekte zurückzuführen seien.

„Dafür sind doppelt-kontrollierte, randomisierte Untersuchungen nötig, wie die Autoren selbst schreiben“, sagt Elsner, der auch DDG-Sprecher ist. Für den Dermatologen besteht weiterer Forschungsbedarf, um die bakteriellen Lebensgemeinschaften, die das Mikrobiom ausmachen, besser zu verstehen – auch mit Blick auf mögliche Infektionsrisiken, die immer bei einer Behandlung mit lebenden Organismen bestünden.

Nichtsdestotrotz gebe es bereits Therapien, welche darauf abzielten, das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht zu bringen, etwa desinfizierend wirkende Silberschlafanzüge für Kinder. Generell sei ein gestörtes Mikrobiom wahrscheinlich nicht die primäre Ursache für ein atopisches Ekzem, sagt Elsner. Es könne die Krankheit aber vermutlich erhalten und verstärken. (dpa/fwt)