Zu viel Alkohol schadet der Gesundheit.
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BerlinWie viel kann ich trinken, ohne dass die Gesundheit leidet? Wie schaffe ich sechs Wochen ohne Alkohol in der Fastenzeit? Wie bringe ich meinen Partner dazu, weniger zu trinken? Zu diesen und vielen anderen Fragen zum Thema Alkoholgenuss und -missbrauch standen während einer Telefonaktion der Berliner Zeitung Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Rede und Antwort. Hier ein Überblick über die Fragen und Antworten.

Zum Abendbrot gibt es bei uns meistens Rotwein. Wir lieben diesen Ausklang des Tages. Könnte das schon der Gesundheit schaden?

Das kommt auf die Menge an. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt gesunden, erwachsenen Frauen, nicht mehr als ein Standardglas Alkohol pro Tag zu trinken. Für Männer gilt: nicht mehr als zwei Standardgläser. Unter einem Standardglas versteht man ein Glas, das zwischen 10 und 12 Gramm reinen Alkohol enthält, beispielsweise ein Weinglas mit 0,125 Litern, ein kleines Bierglas mit 0,3 Litern oder ein Schnapsglas mit 4 cl. Männer und Frauen sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol verzichten, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.

Mein Mann hat enorm viel Stress auf der Arbeit. Seit ein paar Wochen trinkt er deshalb übermäßig viel. Was kann ich tun?

Sagen Sie Ihrem Mann ganz deutlich, was Sie über seinen Alkoholmissbrauch denken und bitten Sie ihn, weniger zu trinken. Je konkreter Sie Ihre Forderung formulieren, desto besser. Suchen Sie für das Gespräch einen ruhigen Moment, in dem er nüchtern ist. Hilfe kann er sich bei einer Sucht-Beratungsstelle holen.

Inzwischen trinkt mein Mann drei, vier Flaschen Bier pro Abend und dazwischen Schnaps. Das macht mir Angst. Ob er schon Alkoholiker ist? Er verneint das vehement.

Es ist ein fließender Übergang von starker Gewöhnung an den Alkohol bis hin zu einer Abhängigkeit. Aber es geht ja auch darum, dass er Ihnen mit seinem Alkoholmissbrauch Angst macht und das billigend in Kauf nimmt. Überlegen Sie, ob Sie bereit sind, das noch länger zu ertragen. Wenn nicht, dann sagen Sie ihm klar und deutlich, dass Sie sein Verhalten massiv stört. Dringen Sie darauf, es zu verändern. Wenn er weiter blockiert, wäre eine Frauenberatungsstelle für Sie vielleicht hilfreich, damit Sie Unterstützung bekommen.


Anlaufstellen:

  • Weitere Informationen bekommt man am Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das täglich von 10 bis 18 Uhr, montags bis donnerstags bis 22 Uhr besetzt ist: 0221/8920
  • Auf der Seite www.null-alkohol-voll-power.de informieren, wenn es um Probleme bei Jugendlichen unter 16 Jahren geht. Für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren ist die Seite www.kenn-dein-limit.info hilfreich, für Erwachsene die Seite www.kenn-dein-limit.de. Dort gibt es auch Tipps für Eltern.

Zum Feierabend brauche ich mein Bier, um runter zu kommen. Spricht etwas dagegen?

Die dauerhafte Verknüpfung von Stressabbau und Alkohol kann gefährlich werden. Der Körper lernt schnell, dass er sich nur entspannen kann, wenn er das Bier bekommt. Das Problem ist, dass man mit der Zeit die Dosis erhöhen muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Besser wäre, sich andere Varianten zu überlegen, die Entspannung bringen können: Ist es vielleicht ein warmes Bad, Musik, ein Spaziergang, ein Kreuzworträtsel oder ein Spiel? Schauen Sie, was für Sie passt.

Seit Jahren trinkt meine Schwiegermutter viel Sekt. Sie fängt schon vormittags an. Bringt es etwas, wenn wir alle aus der Familie das Problem ihr gegenüber gemeinsam ansprechen?

Ich rate Ihnen eher dazu, einzeln mit Ihr zu sprechen, vielleicht ganz zwanglos auf einem Spaziergang. Denn wenn Sie als gesamte Familie auftreten, könnte schnell die Situation eines Gerichts entstehen und Ihre Schwiegermutter würde sich vielleicht zurückziehen.

Wie kann man so ein unangenehmes Gespräch über Alkoholprobleme am besten beginnen?

Damit, dass man sagt, dass man sich Sorgen macht, Sorgen um den Menschen, der zu viel trinkt. Am besten bleibt man dabei konsequent in der Ich-Form. Auf Schuldzuweisungen sollte man verzichten, da sie einem zielorientierten Gespräch nicht förderlich sind.

Ich trinke nach dem Abendessen immer zwei, drei Kognak zur Verdauung. Meine Tochter kritisiert mich deshalb laufend...

Da hat sie nicht unrecht. Alkohol ist ein Zellgift, das jedes Organ schädigen kann. Mit drei Gläsern Kognak trinken Sie etwa dreimal so viel, wie es vom gesundheitlichen Standpunkt aus empfohlen wird. Was die Verdauung betrifft: Der Körper verdaut immer erst den Alkohol, dann das Fett. So behindert Alkohol sogar die Verdauung von schweren Speisen. Das Wohlgefühl kommt höchstens durch den leichten Rausch zustande. Ein Tee mit verdauungsfördernden Kräutern würde Ihnen bessere Dienste leisten.

Mein Vater ist schon über sechzig. Er betrinkt sich oft bis zum Koma und ist schon zweimal schwer gestürzt. Neulich hat er die Kochplatte über Nacht angelassen. Wo kann ich Hilfe bekommen?

Sie können sich mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes in Verbindung setzen. Wenn Gefahr für Leib und Leben droht, ist das der beste Ansprechpartner für Angehörige und Betroffene. Die Fachärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen stehen Ihnen und Ihrem Vater für Beratung und fachliche Betreuung zur Verfügung. Die Gespräche werden vertraulich behandelt. Auf Wunsch arbeitet der Dienst auch mit dem behandelnden Arzt zusammen.

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Als Rentner bin ich jetzt völlig ohne Antrieb und werde manchmal richtig schwermütig. Mit ein paar Bier wird es besser. Aber die Lösung kann das doch auch nicht sein.

Nein, wenn Sie so weiter machen, geraten Sie immer mehr in einen Teufelskreis. Die Schwermut kann man zwar eine Zeit lang mit Alkohol betäuben, aber man muss die Dosis immer mehr erhöhen, um den gleichen Effekt zu haben. Dann wird der Alkohol selbst zum Problem. Es hört sich so an, als seien Sie nach Beendigung des Arbeitslebens in eine Depression gerutscht. Oft steht eine psychische Grunderkrankung hinter einer Sucht. Ich rate Ihnen, das ärztlich untersuchen und gegebenenfalls behandeln zu lassen. Dann besteht die Chance, dass Sie wieder Freude am Leben haben und dass Sie den Alkohol nicht mehr brauchen.