Der Nationalpark Khao Laem liegt im Westen der Zentralregion von Thailand an der Grenze zu Myanmar. Die Wälder des hügeligen Schutzgebietes bieten ein Refugium für seltene Großtiere wie Asiatische Elefanten, Sambarhirsche und Indochinesische Tiger. Zuletzt war in dem abgelegenen Park ein besonderes Tier aufgefallen: Ein dreibeiniger Tiger wurde von einer Kamerafalle aufgenommen.

Wenn Großkatzen und Einheimische sich zu nahe kommen

Um diese Raubkatze sind Thailands Behörden in großer Sorge. Laut Bangkok Post wurde sie in der Nähe eines Ortes fotografiert, an dem erst kürzlich ein Mann von drei Tigern angegriffen wurde, die zwei seiner Hunde töteten. Daraufhin hatten Parkranger und Mitglieder der Tierschutzorganisation Freeland Anfang Februar Kamerafallen aufgestellt, die nun das gehandicapte Tier einfingen.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Raubkatze einen Wasserbüffel frisst. Es wird angenommen, dass sie zu den drei Tieren gehört, die den Mann mit den Hunden angegriffen haben. Der 46-Jährige hatte versucht, seine neun Wasserbüffel aus dem Wald zu treiben. Normalerweise ernähren sich Tiger von Hirschen, Wildschweinen und anderen Tieren, aber da diese Arten zurückgegangen sind, stellt das Eindringen von domestizierten Tieren in ihre Wälder eine Verlockung dar. Insbesondere ein verwundetes, hungriges Tier kann auf diese Mahlzeit nicht verzichten.

Freeland/IUCN/dpa
Leichte Beute für ein gehandicaptes Tier: Der Tiger frisst einen Wasserbüffel.

Die Freeland Foundation und die Weltnaturschutzunion IUCN drängen nun darauf, den dreibeinigen Tiger einzufangen und in ein sicheres Gebiet zu bringen, da die Behinderung des Tieres ein Gesundheitsrisiko darstelle. Das Weibchen müsse gefunden werden, bevor es von Wilderern getötet wird, hieß es in einer Mitteilung. Keine einfache Mission, da das betreffende Gebiet sehr abgelegen ist.

Der Indochinesische Tiger (Panthera tigris corbetti) ist stark gefährdet. Laut thailändischer Wildtierbehörde lag der Bestand im Königreich 2021 bei weniger als 200 Exemplaren. Erst Anfang Januar waren laut Bangkok Post fünf Dorfbewohner festgenommen worden, weil sie in derselben Gegend zwei Tiger getötet hatten.

Auch der dreibeinige Tiger könnte Überlebender eines versuchten Wildereivorfalls sein. Wilderer verwenden oft Fallen mit Drahtschlingen, in denen die Tiere meist qualvoll verenden. Die Mammutaufgabe, vor der die Behörden nun stehen: Sie müssen das weitere Töten von Tigern verhindern und gleichzeitig den Einheimischen helfen, damit die ihre Haustiere außerhalb geschützter Wildtiergebiete weiden lassen können.