Remscheid - Jetzt ist es heraus: Der Riesenseeadler Grobi aus Remscheid ist „der größte Schisser“ – ein Feigling, ein Sensibelchen. Das sagt Carola Schossow von der Falknerei Bergisch Land. Sie muss es wissen, schließlich ist sie Grobis Besitzerin. Eigentlich sollte der sechs Jahre alte Raubvogel mit der imposanten Spannweite von 2,50 Metern keine Probleme haben, sich gegen andere zu behaupten, doch setzen dem offenbar schreckhaften Tier die Anfeindungen von Krähen und Bussarden zu. Und das, so Schossow, habe ihren Grobi nun in die Flucht geschlagen: Seit einer Woche ist er verschwunden.

Suchaufruf via Facebook

Schossow macht sich deswegen große Sorgen: „So lange war er erst einmal weg – vor einem Jahr … Da haben wir ihn nach neun Tagen gefunden und er war ziemlich dünn, weil er nichts gefressen hatte.“ Vor einem Jahr, da war es Anfang April, war auch schon von „aufdringlichen Krähen“ die Rede, die im Frühjahr ihre Reviere verteidigen und dem freifliegenden Riesenseeadler aggressiv nachsetzen. Wie auch immer, Schossow hat nun einen Suchaufruf via Facebook gestartet und hofft auf baldige Rückkehr.

Grobi sollte leicht zu erkennen sein, er hat einen gewaltigen gelben Schnabel, einen weißen Stoß (Schwanz), ist sehr groß und trägt einen Lederriemen. Und er dürfte der einzige Riesenseeadler in der Region sein. Er ist speziell trainiert, hat auch schon an verschiedenen Flugvorführungen teilgenommen. Den Namen Grobi hat er übrigens von einem Azubi der Falknerei bekommen, so Schossow. Als Jungvogel habe er mit seinen Federbüscheln auf dem Kopf dem schluffigen Monster Grobi aus der Sesamstraße geähnelt.

Greifvogel ist auf Roter Liste

Riesenseeadler leben eigentlich an der russischen Pazifikküste und in Japan. Anders als beispielsweise Steinadler gelten sie als besonders schreckhaft. Haliaeetus pelagicus, so der wissenschaftliche Name, ernährt sich von Fischen, Wasservögeln und Aas. Der Bestand umfasst etwa 5000 Exemplare und nimmt weiter ab; die Weltnaturschutzunion stuft ihn deswegen auf der Roten Liste als „vulnerable“ (gefährdet) ein. (mit dpa)