Sydney/Berlin - Die Sensation ist perfekt: Wissenschaftler in Australien haben auf der Grundlage eines Knochenfunds aus dem Jahre 2006 eine unbekannte Dinosaurierart identifizieren können. Die Paläontologen veröffentlichten ihre Entdeckung in der Fachzeitschrift PeerJ und beschreiben dort eine Echse von gigantischen Ausmaßen: Den Schätzungen zufolge soll sie eine Schulterhöhe von fünf bis sechseinhalb Metern und eine Körperlänge von 25 bis 30 Metern gehabt haben. Das Gewicht taxierten die Forscher auf 50 bis 70 Tonnen.

Zufallsfund bei einem Spaziergang

Die Mitautorin und Direktorin des Eromanga-Naturkundemuseums in Queensland, Robyn Mackenzie, erläuterte gegenüber dem Fernsehsender ABC die Bedeutung des Fundes: „Basierend auf den Größenvergleichen der noch erhaltenen Gliedmaßen gehört dieser neue Saurier wohl zu den fünf größten der Welt.“ Die versteinerten Knochen waren auf der Farm von Mackenzies Familie etwa 1000 Kilometer westlich von Brisbane gefunden worden. Das Reptil gehört zur Familie der Titanosaurier und lebte vor rund hundert Millionen Jahren in der Kreidezeit.

Was für ein Glücksfund: Mackenzie und ihr Ehemann Stuart waren 2006 auf ihrem eigenen Land beim Zusammentreiben von Vieh zufällig auf Saurierknochen gestoßen. Die Paläontologin gab dem Giganten den Spitznamen Cooper, weil sie ihn in der Nähe des Örtchens Cooper Creek entdeckt hatten – daraus wurde schließlich der wissenschaftliche Name Australotitan cooperensis. Das Skelett des langhalsigen Pflanzenfressers war 2007 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Wo bleiben die gigantischen Fleischfresser?

Bis alle Knochen von Experten ausgegraben, zusammengesetzt und bestimmt waren, dauerte es noch viele Jahre. Unter anderem seien von den Fossilien 3D-Modelle erstellt und mit denen anderer Saurierskelette verglichen worden, erklärte Scott Hocknull vom Eromanga-Museum in der Zeitung Sydney Morning Herald. Zuvor seien Titanosaurier hauptsächlich in Südamerika gefunden worden, so der Paläontologe, aber als der Sauropode die Erde bevölkerte, gehörte das heutige Australien noch zum Großkontinent Gondwana.

AFP/The Eromanga Natural History Museum
Knochenarbeit: die Dino-Fossilien im Eromanga-Naturkundemuseums in Queensland

Hocknull unterstrich auch die Bedeutung der Digitalisierung für seine Arbeit: „Der Einsatz von 3D-Scannern hat unser Fachgebiet revolutioniert, denn sobald dieses Forschungspapier veröffentlicht ist, können Forscher aus der ganzen Welt auf diese 3D-Modelle zugreifen und alle Dinosaurier miteinander vergleichen.“ Jetzt hofft der Forscher auf eine noch größere Sensation: In anderen Teilen der Welt, wo riesige pflanzenfressende Dinosaurier gefunden wurden, seien auch Theropoden entdeckt worden – gigantische Fleischfresser auf zwei Beinen.

„Irgendwo da draußen ist ein riesiger Raubsaurier“, so Hocknull, „wir haben ihn nur noch nicht gefunden.“ (mit dpa)