Rote Beete, Hülsenfrüchte und rotes Fleisch sollen gegen winterbedingte Mangelerscheinungen helfen.
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BerlinAm Montag begann die erste Arbeitswoche des Jahres. Natürlich gab es Vorsätze. Es gab To-Do-Listen, es gab die Idee Sport zu treiben, weniger von diesem, dafür aber mehr von jenem zu tun. Stattdessen ist da aber einfach nur Müdigkeit. 

Morgens komme ich nicht aus den Federn und abends nicht hinein. Liege ich dann endlich im Bett, kann ich nicht schlafen, weil mich der Gedanke an das frühe Aufstehen quält. Stündlich erwache ich und bemitleide mich bei der Vorstellung, wie müde ich sein werde, wenn Viertel vor Sieben der Wecker klingelt. So schlimm wird es nicht sein, versuche ich mich zu trösten.

Gerade im Winter ist es besonders schwer aufzustehen.
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Einfach aufstehen, schnell unter die Dusche, dann Kaffee und wenn man dann erstmal draußen an der frischen Luft ist, dann ist das alles doch gar nicht mehr so schlimm! Aber es hilft nichts. Ich will einfach nur liegenbleiben. Ja, es fehlt mir ganz allgemein der Antrieb. Könnte es sein, dass ich unter winterbedingten Mangelerscheinungen leide?

Im Winter fehlt es an allem

Im Frühstücksfernsehen werden die Symptome aufgezählt: Müdigkeit, trockene Haut, sprödes Haar, schlechte Stimmung. Ja genau! Aber was tun? Man solle seine Ernährung umstellen, sagt der als „Experte“ eingesetzte Arzt im weißen Kittel. Im Winter mangele es dem Körper nun mal an allem: Calcium, Folsäure, Eisen und Magnesium.

Deswegen solle man Milchprodukte, Hülsenfrüchte, rotes Fleisch und rote Beete zu sich nehmen. Schlimm. Denn ich mache wie immer, alles falsch. Ich bin so mies drauf, meine Diät besteht im Moment aus möglichst viel Kaffee, Rotwein, Schokolade, Toastbrot und Marmelade. Wenn ich mich nicht bald zusammenreiße, dann werde ich zunehmen und dann bin ich nicht mehr attraktiv und dann verlässt mich mein Geliebter, dem ich in meiner aktuellen Stimmung sowieso alles zutraue.

Vitamin D und frische Luft gegen Trübseligkeit

Zum Glück bekommt er meinen Verfall nicht mit, denn er selbst verfällt angeblich auch gerade. Er hat Grippe – behauptet er – und er ließe sich von seiner Mutter gesund pflegen. Außerdem, sagt der Experte im Fernsehen, solle man wegen des fehlenden Sonnenlichtes Vitamin D-Pillen oder Kapseln zu sich nehmen und sich zwecks Aufheiterung viel an der frischen Luft bewegen. Ich seufze und werde noch trübsinniger.

Ich vermeide es nach Möglichkeit rauszugehen, denn da ist es kalt und glatt und schmutzig: Da vermischt sich auf glitschigem Katzenbuckelpflaster das Herbstlaub des letzten Jahrzehnts mit den Überresten der Silvesterknaller.  Nachdem ich mich irgendwie durch den Tag geschleppt habe, werfe ich mich erst in die Badewanne und dann ins Bett, lege mir ein Kissen auf den Kopf und umarme ein zweites, schließe die Augen, kann nicht schlafen, träume mir einen Winterschlaf herbei und beschließe, mir morgen rote Beete zu kaufen.