Berlin - Zu Beginn des Jahres 2020 stritt man in Deutschland vor allem über das neue Phänomen „Flugscham“. Weniger fliegen für den Klimaschutz? Darüber wurde teils hitzig diskutiert. Zwar gab es Berichte über eine „neue Lungenkrankheit in China“, doch die Auswirkungen ahnten wohl die wenigsten. Im Rückblick könnte man sagen: Im Januar war die Welt des Reisens noch in Ordnung.

Februar: Dunkle Wolken am Horizont

Das Virus ist weit zunächst noch weg - bis es scheinbar binnen weniger Tage über Norditalien hereinbricht. Surreale Szenen sind es, die sich hinter dem Brenner in einem der beliebtesten Reiseländer der Deutschen abspielen: Gemeinden werden zu Sperrzonen, Bars, Restaurants und Geschäfte geschlossen, der Markusplatz in Venedig ist wie leer gefegt.

Foto: dpa/Alejandro Ernesto
März 2020: Deutsche Touristen warten am Flughafen von Manila auf ihren von der Botschaft organisierten Rückflug nach Deutschland.

März: Das weltweite Reisen kommt abrupt zum Erliegen

Es ist der Monat, der die Welt verändert: Die Pandemie erfasst den Globus. Innerhalb von rund zwei Wochen schließen die meisten Länder ihre Grenzen, der Flugverkehr wird eingestellt, Veranstalter sagen sämtliche Reisen ab, touristische Übernachtungen in Deutschland werden verboten und die Ferieninseln für Urlauber gesperrt. Die Welt im „Shutdown“ - und alle Reisepläne sind plötzlich Makulatur.

Von Mexiko bis Thailand hocken Deutsche in Hotelzimmern und bemühen sich um die letzten Rückflüge in die Heimat. Die Bundesregierung startet die größte Rückholaktion in der Geschichte. Insgesamt hat die Regierung bis Ende April 240.000 Reisende nach Hause geholt. Das Auswärtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung aus.

Foto: dpa/Andreas Drouve
Mallorca ist ein Sehnsuchtsziel der Deutschen - und im Corona-Jahr war es das vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als sonst.

April: Rückzug in die eigenen vier Wände

Das Frühjahr ist die Zeit der schwindenden Horizonte. Der Osterurlaub: gestrichen. Mallorca, Kreta und Antalya: in weite Ferne gerückt. Von anderen Kontinenten gar nicht zu sprechen. Die weiteste Reise führt in diesen Tagen meist in den Supermarkt um die Ecke.

Zugleich geht für viele Urlauber der Ärger los: Fluggesellschaften und Reiseveranstalter lassen sich mit der Erstattung abgesagter Reisen Zeit, verärgern ihre Kunden. Viele warten ewig auf ihr Geld. Die Reisebranche steckt da schon mitten in der Existenzkrise.

Mai: Hoffen auf den Sommer

Im schönen Monat Mai wächst ein zartes Pflänzchen Hoffnung: Die Corona-Einschränkungen werden vor Pfingsten gelockert, die ersten Urlaubsgäste zieht es wieder an die Nordsee.

Ende des Monats dann die frohe Botschaft: Die Reisewarnung für Touristen soll ab 15. Juni für 31 europäische Staaten aufgehoben werden, sofern die Pandemie das zulässt. Plötzlich sieht es so aus, als könnte Corona schon bald hinter uns liegen.

Juni und Juli: Das Virus scheint (fast) vergessen

Mit etwas Verzögerung öffnet auch Spanien wieder seine Grenzen. Manch einer ergreift sofort die Chance und steigt in den Flieger nach Palma oder zu anderen Sonnenzielen rund um das Mittelmeer. Urlauber zieht es nach Griechenland und Kroatien, nach Frankreich und Portugal.

Der Sommer mit seinen warmen Temperaturen weist das Virus in die Schranken und ermöglicht wieder relativ viel Reisefreiheit. Doch es ist eine Reisesaison unter den Bedingungen einer globalen Pandemie, die lediglich eine Sommerpause eingelegt: Maskenpflicht im Flugzeug, Hygieneregeln in den Hotels, Mallorca ohne Bierkönig.

Foto: dpa/Christian Charisius
 Sommerurlaub in Travemünde, fast so, als wäre nichts gewesen - im August sind viele Reisen wieder möglich.

August und September: Die Einschläge kommen näher

Dass die Pandemie nicht einfach überstanden ist, dürfte den meisten klar sein. Experten warnen vor der zweiten Welle im Herbst. Und auch für Urlauber schränken sich die Möglichkeiten langsam wieder ein.

Ende August wird die bestehende Reisewarnung für die Länder außerhalb Europas verlängert, Anfang September folgt die Reisewarnung für die Kanaren. Auch in anderen Ländern Europas schnellen die Corona-Zahlen wieder hoch. Der Blick auf die Liste der Risikogebiete wird nun obligatorisch.

Foto: dpa/Federico Gambarini
Bitte Mund und Nase bedecken: Die Gesichtsmaske wurde 2020 zu einem Alltagsgegenstand - auch auf Reisen.

Oktober und November: Hinein in einen grauen Winter

Als der Herbst anbricht, wird fast allen klar: Die zweite Welle rollt - und mit ihr folgen neuerliche Einschränkungen. Große Teile Europas werden bis Ende Oktober zu Corona-Risikogebieten, schon sehr bald ist eher die Frage, wo man überhaupt noch hinreisen kann.

Auch innerhalb Deutschlands bricht Anfang des Monats Verwirrung aus. Wer aus einem Corona-Risikogebiet anreist, braucht vielerorts den Nachweis über einen negativen Corona-Test, der aber wiederum Geld kostet. Chaos pünktlich zu den Herbstferien.

Schließlich folgt der Teil-Lockdown im November. Hotels müssen wieder schließen. Die Skisaison steht zur Disposition. Nicht die Flugscham hält die Menschen vom Reisen ab, es ist die Pandemie. Sie dauert an. Kaum jemand denkt noch an Urlaub. Und der Winter wird sehr lang.