Eine Jahr lang nur verreisen, neue Wege beschreiten, aus dem Berufsalltag ausbrechen: Von einem Sabbatical, zu deutsch Sabbatjahr, träumen viele Arbeitnehmer. Eine Umfrage des Reiseportals Holidaypirates hat ergeben, dass 90 Prozent der 13.000 Befragten schon mal an eine längere Auszeit gedacht haben, aber nur 16 Prozent von ihnen diese Träume in die Tat umsetzen.

Dabei ist ein Sabbatical nicht so schwer erreichbar, wie viele denken. Allerdings bedarf es einer guten Vorbereitung. Denn um wirklich das Beste aus der Auszeit zu machen, sollte man eine genaue Vorstellung von dem haben, was man eigentlich möchte.

Andrea Oder arbeitet seit Jahren als Sabbatical-Coach und begleitet Planende auf ihrem Weg in die Auszeit. „Der aufregendste Moment ist es, sich selbst die Erlaubnis zu geben, jetzt ein Sabbatical zu nehmen. Mit dieser inneren Erlaubnis setzt man alles in Gang. Ich sage: Traut euch!“, ermuntert die gelernte Diplom-Verwaltungswirtin.

Wir erklären, worauf es besonders ankommt und wie Sie die Planung am besten angehen.

Erste Überlegungen

Wer mit dem Gedanken spielt, ein Sabbatical einzulegen, sollte sich zuerst über einige elementare Dinge bewusst werden. „Die wichtigste Frage, die ich auch zu Beginn meines Coachings immer stelle, ist: Als was für ein Mensch möchten Sie aus dem Sabbatical zurückkommen?“, fragt Andrea Oder. Man müsse für sich klären, ob hinter dem Wunsch nach einer Auszeit nicht eigentlich nur der Wunsch stecke, die Arbeitsstelle zu verändern. „Oder will ich nur ein Sabbatical nehmen, weil in meinem Leben verschiedene Dinge im Ungleichgewicht sind?“ Schließlich soll die Auszeit keine Ausflucht sein.

Was soll in der freien Zeit passieren?

Als nächstes steht die Frage im Zentrum, wie man sein Sabbatical verbringen möchte. „Die große Reise steht bei mehr als ein Drittel der Leute auf dem Plan,“ erklärt die Sabbatical-Expertin. Es gebe allerdings auch andere Bedürfnisse: „Dem Einen geht es darum, sich einen Traum zu erfüllen – vielleicht ist der mit Reisen oder Leben in einem fremden Land verbunden. Der Andere möchte sich sozial engagieren, ehrenamtlich tätig sei,“ sagt sie. Die Bedürfnisse seien unterschiedlich. Manche wollen auch ihre Elternzeit damit verlängern, oder sich der Familie intensiver widmen.

Mit diesen Planungen sind auch Fragen zur Dauer verknüpft. Sollen es nur einige Monate werden oder doch ein ganzes Jahr? Am besten stellen Sie hier verschiedene Szenarien auf. Wer noch kein konkretes Ziel hat, könnte dafür beispielsweise einzelne Ordner für die verschiedenen Ideen anlegen. Darin können Informationen, Texte und Bilder gesammelt werden. Nach einer gewissen Zeit wird sich sicherlich herausstellen, welche Tendenzen man innerlich verspürt. Ab diesem Zeitpunkt können schließlich die konkreteren Planungen beginnen.

Pläne mit dem Partner oder der Familie absprechen

Wer in einer Beziehung lebt, sollte die Entscheidung zum Sabbatical gut mit dem Partner absprechen – und ihn vor allem nicht vor vollendete Tatsachen stellen, wenn einem die Partnerschaft lieb ist. Andrea Oder rät dazu, in einem Gespräch seine eigenen Wünsche konkret zu verbalisieren – und sich ebenfalls die Wünsche des Partners anzuhören. Immerhin geht es darum, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Ohne eine Absprache kann es auch schon mal kritisch werden, weiß die Sabbatical-Expertin: „Was schon manchmal passiert ist: Da plant jemand monatelang und dann zerbricht die Beziehung daran. Oder man will es alleine machen und stellt auf einmal fest, dass man sich mit zu großen Ängsten konfrontiert.“

Mit dem Rückhalt des Partners ist es in jedem Falle einfacher, in die Auszeit zu gehen – und vielleicht hat der Partner ja sogar Lust, mitzukommen.

Die Finanzen realistisch prüfen

Eine der größten Denkfallen, erklärt Andrea Oder, sei es, sich vorher nicht genügend mit dem Thema Geld auseinander gesetzt zu haben. „Wenn Sie sich entscheiden, ein Sabbatical zu machen, rate ich: Legen Sie sich sofort ein extra Tagesgeldkonto an als Sabbatical-Konto und überweisen Sie jeden Monat eine Summe X darauf,“ empfiehlt Andrea Oder. Die meisten, so sagt sie, könnten recht gut einschätzen, wie viel sie realistisch im Vorfeld sparen könnten. Dabei kommt es natürlich auch auf das Sabbatical-Modell an, für das man sich entscheidet.

Um herauszufinden, wie viel Geld man für eine Reise benötigt, geht es in die tiefere Recherche. „Am besten fangen Sie so an: Suchen Sie nach Standard-Flügen für ihr Reiseziel, um diese Kosten schon mal einplanen zu können. Dann schaut man sich an: Wie bewege ich mich in dem Land, gibt es günstige Flüge und Busse?". Außerdem müsse man die Kosten für den Lebensunterhalt einschätzen können. „Es gibt den sogenannten Bic-Mac-Index, an dem kann man sich gut orientieren. Hier steht der Big-Mac-Preis in Relation zu den Lebenshaltungskosten in dem Land.“

Pläne mit dem Chef absprechen

In Deutschland gibt es keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical - außer für eine kleine Zahl an Landesbeamten. Die Auszeit steht und fällt also mit der Zustimmung des Chefs.

Um den Chef vom Sabbatical zu überzeugen, sollten Berufstätige am besten herauszustellen, welche positiven Folgen das Sabbatical für die Zeit nach ihrer Rückkehr hat. Will ein Arbeitnehmer reisen und dabei eine neue Sprache erlernen oder eine Fortbildung machen, ist das ein langfristiger Kompetenzgewinn für das Unternehmen. Nach der Rückkehr bekommt die Firma einen erholten und deshalb leistungsstarken Mitarbeiter zurück. Wichtig ist auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Aufgaben in der Abwesenheit aufgefangen werden können. Vielleicht kommt jemand aus der Elternzeit zurück, der einspringen kann, oder die Auszeit fällt in eine ohnehin auftragsschwache Zeit.

Diese Arbeitszeit-Modelle können für das Sabbatical in Frage kommen:

Unbezahlter Urlaub: Ist ein einfacher Weg zum Sabbatical. Hier muss nur ein Änderungsvertrag zum Arbeitsverhältnis erstellt werden. Das Manko: Wer unbezahlt Urlaub macht, muss sich freiwillig krankenversichern. Von der Rentenversicherung und anderen Sozialabgaben können sich Arbeitnehmer befristet freistellen lassen. Ist also recht teuer.

Teilzeit: Teilzeitarbeit kann eine Lösung sein: Wer einen Vertrag über eine 30-Stunden-Woche hat, kann theoretisch auch 40 Stunden in der Woche arbeiten - und die freie Zeit am Stück nehmen.

Lohnverzicht: Ähnlich funktioniert auch der Lohnverzicht: In diesem Modell verzichtet der Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit auf einen Teil seines Gehalts. Der Mitarbeiter arbeitet dann in Vollzeit, das restliche Geld wird dann aber auch einem Zeitwertkonto angespart. Auch Urlaubsgeld oder andere Gratifikationen können hier eingezahlt werden.

Alles vertraglich festhalten

Hat der Chef zugestimmt, sollten Sie alles schriftlich festhalten. Für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es dafür feste Regelungen, in vielen Unternehmen kann es aber das erste Sabbatical sein, das ein Mitarbeiter macht. Hier sollten genaue Absprachen mit der Personalabteilung gehalten werden, wer sich unsicher ist, sollte sich zusätzlich an einen Rechtsanwalt wenden. Wichtige Punkte im Vertrag sind der Zeitraum, die Regelungen zur Rückkehr und die Bezahlung. Essentiell sind auch die Klärung der Details: Was passiert im Falle einer Krankheit, wie geht es weiter bei einem Wegfall der Geschäftsgrundlage? Es ist wichtig, all das schriftlich festzuhalten, um sich später darauf berufen zu können.

Das Sabbatjahr gehört also zu der Art von Traumvorstellungen, die gar nicht so schwer zu erreichen sind. Es braucht eben nur ein wenig Planung – und einen Anfang. Der könnte sogar schon jetzt in diesem Moment sein. Der Rest kommt dann schon von selbst. (mit Material der dpa)