Berlin - Haarausfall, Nervosität oder Schlafstörungen: An die Schilddrüse denkt bei solchen Symptomen im ersten Moment kaum jemand. Doch all diese Beschwerden können auch mit einer Fehlfunktion des schmetterlingsförmigen Halsorgans zusammenhängen.

Die Schilddrüse beeinflusst sehr viele Vorgänge im Körper, ihre Hauptfunktion ist die Regelung des Energiestoffwechsels. Vergrößerungen und knotige Veränderungen des Halsorgans findet man bei etwa jedem dritte Erwachsenen, also bei rund 20 Millionen Menschen in Deutschland, dicht gefolgt von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie zum Beispiel Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner (BDN) heißt.

„Kaum ein Organ im menschlichen Körper wird öfter therapiert oder sogar operiert“, sagt der BND-Vorsitzende Detlef Moka. „Schilddrüsenmedikamente liegen in Deutschland im Spitzenbereich der verschriebenen Präparate, in den USA sogar auf Platz 1.“ Die sehr unterschiedlichen Ursachen für Schilddrüsenerkrankungen reichen unter anderem von Jodmangel oder einer genetischen Veranlagung bis hin zu Schwangerschafts- oder stressbedingten Störungen im Immunsystem.

Schilddrüsenerkrankungen nehmen mit dem Alter zu

Epidemiologisch auffallend sei, dass Schilddrüsenerkrankungen mit steigendem Alter zunehmen und Frauen deutlich häufiger als Männer davon betroffen sind. Wegen den verschiedenen Krankheitsbildern werde eine Schilddrüsenfehlfunktion aber oftmals nicht in Betracht gezogen oder gar übersehen: „Ein typisches Leitsymptom gibt es leider nicht“, so Moka.

Leiden Patientinnen und Patienten unter Müdigkeit, Gewichtszunahme, Depressionen oder Antriebslosigkeit und lässt ihre geistige Leistungsfähigkeit nach, könnte eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen. Umgekehrt sind etwa eine unerklärliche Gewichtsabnahme, Nervosität, Schlafstörungen und Herzrhythmusstörungen Hinweise auf eine Überfunktion. Ein unerfüllter Kinderwunsch oder Schluckbeschwerden, anhaltende Heiserkeit sowie Verdickungen am Hals können ebenfalls mit der Schilddrüse zusammenhängen. Der Rat lautet: Im Zweifel lieber zeitnah ärztlich abklären lassen, ob das Mini-Organ bei solchen Symptomen als Verursacher in Betracht kommt.

„Zur Basisdiagnostik gehören eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Schilddrüsenhormonspiegels und gegebenenfalls weiterer Werte“, erläutert der Facharzt für Nuklearmedizin. Unter anderem bei Schilddrüsenknoten führen die Mediziner anschließend eine Szintigrafie durch, dem Patienten wird dabei eine leicht radioaktive Substanz in eine Armvene gespritzt. Diese wird innerhalb von 15 bis 20 Minuten von den Schilddrüsenzellen aufgenommen und die dadurch sichtbaren Veränderungen von einer Kamera erfasst. Die Strahlenbelastung ist vergleichbar mit einer Röntgenaufnahme, so Moka. Der Körper scheide das radioaktive Kontrastmittel nach wenigen Stunden über Urin und Stuhl wieder aus.