Impfstoffe gegen Corona werden nun in großen klinischen Studien geprüft. 
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BerlinDie US-Firma Moderna und das deutsche Unternehmen Biontech, das mit dem Pfizer-Konzern kooperiert, machen rasche Fortschritte in der Entwicklung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2. Nach Angaben der US- Gesundheitsbehörde NIH hat Moderna eine sogenannte klinische Phase III-Studie mit einem Impfstoffkandidaten begonnen. An der Studie, die an klinischen Forschungsstandorten in den USA durchgeführt wird, würden voraussichtlich etwa 30.000 freiwillige Erwachsene teilnehmen, die kein Covid-19 haben, hieß es.

Ebenfalls in diese letzte für die Zulassung notwendige klinische Prüfungsphase tritt jetzt das Mainzer Unternehmen Biontech ein. Mit seinem Partner Pfizer hat es die Erlaubnis der US-Behörden zum Start einer kombinierte Phase-2/3-Studie seines Impfstoffkandidaten erhalten. Die Tests sollen ebenfalls an bis zu 30.000 Probanden im Alter zwischen 18 und 85 Jahren erfolgen. Weltweit gebe es 120 Studienzentren, darunter auch Zentren in Deutschland, teilte Biontech am Dienstag mit.

In einer Phase III-Studie wird überprüft, ob ein Impfstoff tatsächlich vor einer Infektion schützt. In einem ähnlich fortgeschrittenem Stadium werden der WHO zufolge derzeit nur eine Handvoll weiterer Wirkstoffe erforscht.

In bislang durchgeführten Tests mit dem Moderna-Mittel hatten Probanden nach Angaben der NIH Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt. So waren demnach bei 45 Teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren keine ernsthaften Nebenwirkungen eingetreten. Die Probanden bekamen innerhalb von zwei Monaten zwei Injektionen des RNA-Impfstoffs und entwickelten mehr neutralisierende Antikörper als Personen, bei denen eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert worden war. Moderna spricht in einer Mitteilung von einer robusten Immunreaktion.

Wann mit eindeutigen Ergebnissen zu rechnen ist, ist den US-Behörden zufolge unklar. Einige Probanden würden ihre zweite Impfdosis wohl erst Ende November erhalten. NIH-Direktor Francis Collins gab sich jedoch optimistisch, dass ein Mittel schon bald zur Verfügung steht: „Ein sicherer und wirksamer Impfstoff, der bis Ende 2020 verteilt wird, ist ein großes Ziel, aber es ist das richtige Ziel für das amerikanische Volk.“

Biontech hält an seinem Ziel fest, das Zulassungsverfahren im Oktober einzuleiten. Im Erfolgsfall will man bis Ende des Jahres zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen weltweit liefern. Bis Ende 2021 streben Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer an, mehr als 1,3 Milliarden weitere Dosen bereitzustellen. Die beiden Forschungspartner hatten den USA kürzlich in einem ersten Schritt bei Vorliegen einer entsprechenden Notfallgenehmigung zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen und weitere bis zu 500 Millionen Dosen als optionale Nachorderung zugesagt. Auch mit Großbritannien gibt es eine erste Liefervereinbarung.

Fieber und Kopfschmerzen als Nebenwirkungen

Bei den Impfstoffen von Moderna und Biontech handelt es sich um RNA-Impfstoffe. Bei der Injektion wird ein Teil der genetischen Bauanleitung des Virus, die bei Coronaviren im Form von Ribonukleinsäure (RNA) vorliegt, in den Körper geschleust. In diesem Fall ist es die Information für den Bau des Spikeproteins von Sars-CoV-2. Das Spikeprotein fungiert als Türöffner für das Virus: Damit binden sich die Erreger an bestimmte Strukturen menschlicher Zellen, ACE2 genannt, die zum Beispiel in den Atemwegen vorkommen.

Durch die Impfung werden die Zellen des Menschen dazu gebracht, das Spikeprotein zu bilden. Das Abwehrsystem beginnt daraufhin unter anderem mit der Produktion von Antikörpern gegen die fremden Strukturen – und ist damit für den Ernstfall einer Infektion mit Sars-CoV-2 gewappnet.

In den bisherigen klinischen Studien zeichnet sich ab, dass diese Impfung durchaus wie erwünscht eine Immunreaktion hervorruft. Allerdings geht die Reaktion auch mit Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, schmerzenden Armen, Müdigkeit, Schüttelfrost und Fieber einher. Es handelt sich zwar um vorübergehende Nebenwirkungen, sie können jedoch durchaus unangenehm für den Impfling sein.

„Wir werden uns wohl darauf einstellen müssen, dass all diese Impfungen mit solchen Reaktionen einhergehen“, sagte Kathryn Edwards, wissenschaftliche Leiterin des Impfstoffprogramms der Vanderbilt University in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee dem US-Nachrichtenportal Statnews. Darauf werde man die Bevölkerung einstimmen müssen, bevor Impfprogramme starten. Moderna und auch der chinesische Impfstoffhersteller Can-Sino haben bereits die Tests der höchsten Dosierungsvarianten ihrer Impfstoff einstellen müssen, weil zu viele schwere Nebenwirkungen aufgetreten waren. (mit dpa)