Zehntausende Stellen im Pflegebereich sind unbesetzt.
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BerlinJens Spahn ist ein Politiker, der nicht lange fackelt, wenn er sich etwas vorgenommen hat. Dabei schießt der Gesundheitsminister immer mal wieder übers Ziel hinaus, wie etwa zuletzt bei seinem Versuch, die Daten der Krankenversicherten für die Forschung zu verwenden. Kurz vor der Beschlussfassung im Bundestag musste das Gesetz auch auf Drängen aus den eigenen Reihen verändert werden, um Datenschutz sicherzustellen.

Dennoch kann man seiner Arbeitsweise viel abgewinnen. So ist der Minister selbst nach Mexiko und in den Kosovo gefahren, um dort auf die deutsche Pflegemisere aufmerksam zu machen und Personal anzuwerben. Und nun hat er zusammen mit dem Saarland eine Agentur aus der Taufe gehoben, die Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bundesweit dabei helfen soll, ausländische Pflegekräfte so unkompliziert und schnell wie möglich nach Deutschland zu holen. Eigentlich wäre das eine Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit, doch die ist offensichtlich zu schwerfällig.

Schon heute sind Zehntausende Stellen in der Kranken- und Altenpflege unbesetzt, der Personalbedarf aber wird immer höher. Pflegekräfte aus dem Ausland können dabei helfen, die Lücke kleiner zu machen. Doch sie müssen monatelang auf ein Visum warten, für die Anerkennung der Berufsabschlüsse gibt es in jedem Bundesland eigene Regeln. Zwei Jahre dauert es im Schnitt, bis alle Genehmigungen für eine Arbeitserlaubnis vorliegen. Künftig soll alles zusammen schon nach sechs Monaten erledigt sein. Funktioniert die Agentur, sollte sie unbedingt Schule machen. Denn nicht nur in der Pflege werden händeringend Fachkräfte gesucht.