Schokolade hat tatsächlich auch gute Seiten.
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BerlinDie bunten Teller sind gefüllt. Lebkuchen, Zimtsterne, Plätzchen und Dominosteine haben Hochsaison. Weihnachten ohne Schokolade? Undenkbar! Doch schon meldet sich das schlechte Gewissen: Nasch nicht so viel! Aber gilt das auch an den Feiertagen? Ist Naschen wirklich ungesund? Oder hat Schokolade vielleicht auch ein paar gute Seiten?

Ernährungswissenschaftlerin Birgit Alteheld von der Universität Bonn beruhigt alle Leckermäuler: „Zu Weihnachten dürfen Sie ruhig mal sündigen. Genießen Sie die Schokolade. Das Naschen wirkt positiv auf die Psyche, man fühlt sich wohl. Außerdem enthält Schokolade in der Tat eine ganze Reihe wertvoller Substanzen, die gut für unseren Körper sind. Und wenn Sie sich den Rest des Jahres vernünftig ernähren, können auch ein paar Schoko-Nikoläuse und andere Leckereien vom bunten Teller über die Feiertage nicht schaden.“

Gesundheitliche Vorteile von Schokolade

Was sagt die Figur dazu? Auch Ärzte wissen: Wenn man mal ausnahmsweise vom hohen Zuckergehalt der leckeren Knabbereien absieht und solange Diabetiker ihre Werte im Griff haben, spricht nichts gegen Schoko-Nikoläuse und andere süße Versuchungen. In der medizinischen Fachliteratur finden sich sogar zahlreiche interessante Studien über die gesundheitlichen Vorteile von Schokolade, Mandeln und anderen Leckereien. Wenn der Zucker nicht wäre, könnte Schokolade sogar als Naturheilmittel durchgehen.

Was sagt die Figur dazu? Tatsache ist: Zu viel Schokolade macht dick, denn sie besteht hauptsächlich aus Zucker und Fett. Eine 100-Gramm-Tafel hat etwa 550 Kilokalorien. Schon vier Tafeln würden den Energiebedarf eines erwachsenen Menschen decken.

„Für den Körper ist es jedoch viel wichtiger, dass Sie sich zwischen Neujahr und Weihnachten gesund ernähren“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. „Da spielt die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr kaum eine Rolle. Außerdem gibt es Alternativen. Bitterschokolade hat zum Beispiel weniger Kalorien als weiße Schokolade, weil der Zuckeranteil geringer ist.“

Milchanteile gut für die Zähne

Dafür ist Schokolade mit einem hohen Milchanteil weniger schädlich für die Zähne. Denn Milch enthält kariesvorbeugende Substanzen wie Kasein, Kalzium und Phosphate. Allgemein gilt aber: Wegen ihres hohen Zuckergehaltes und der langen Verweildauer im Mund greift Schokolade die Zähne an.

Dennoch: der Zucker liefert auch schnell verwertbare Energie. In Stresssituationen greifen viele Menschen automatisch zu einem Stück Schokolade. Heißhunger auf Schokolade – wer kennt das nicht? Und die Zähne lassen sich ganz einfach schützen: Wer sie regelmäßig und gründlich putzt, hat in der Regel nichts zu befürchten. Japanische Forscher der Universität in Osaka fanden zudem heraus: Die Schale der Kakaobohne, dem Hauptbestandteil von Schokolade, wirkt antibakterizid und schützt vor Zahnbelägen und Zahnausfall.

Schokolade kann Bluthochdruck bekämpfen

Medizinisch gesehen hat der Kakao noch zahlreiche weitere günstige Eigenschaften: Schokolade enthält mehr Flavonoide als Rotwein, schützt dadurch Herz und Gefäße, kann sogar Infarkte und Schlaganfälle verhindern. Einer der Gründe dafür: Flavanol erweitert die Blutgefäße. Dr. Roberta Hold von der University of California in Davis: „Nach dem Verzehr von 25 Gramm Schokoladen-Chips, stieg die Flavanol-Konzentration im Blut deutlich an und verhinderte messbar das Zusammenkleben von Blutplättchen“. Da macht der Schoko-Nikolaus fast schon dem guten alten Aspirin Konkurrenz.

Die gefäßerweiternden Eigenschaften von Flavanol könnten auch dafür verantwortlich sein, dass Kakao und Schokolade bei manchen älteren Bluthochdruck-Patienten zu einem Rückgang sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks führen. In einer Untersuchung bei älteren Männern bestand ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Kakaoaufnahme und Blutdruckentwicklung. Also je mehr Schokolade sie aßen, desto geringer war ihr Blutdruck. Eine deutliche Senkung des Blutdrucks durch Schokoladenkonsum zeigt sich auch bei Personen mit hochnormalen oder leicht erhöhten Blutdruckwerten.

Schlagnanfallrisiko sinkt durch Schokoladenkonsum

Die Kakaomenge und die Menge an konzentrierten Flavanolen, die in diesen Untersuchungen eingesetzt wurden, waren jedoch viel höher dosiert, als dies bei Schokolade der Fall ist. In einer Hypertonie-Studie erhielten die Teilnehmer beispielsweise täglich im Durchschnitt 670 Milligramm Flavanole. Das wiederum entspricht dem Gehalt von zwölf Tafeln dunkler oder 50 Tafeln Vollmilch-Schokolade.

Eine schwedische Studie zeigte eine Reduktion des Schlaganfallrisikos durch Schokoladenkonsum bei Frauen. Ein um 50 Gramm pro Woche erhöhter Schokoladenkonsum verringerte das Risiko von Hirninfarkt und von akuten Hirnblutungen um 27 Prozent, und das allgemeine Schlaganfallrisiko um 14 Prozent. Eine andere neurologische Studie kam zu dem Ergebnis, dass auch Männer von Schokolade profitieren. Ihr Schlaganfallrisiko wurde durch erhöhten Schokoladenkonsum (mindestens 50 Gramm pro Woche) um 17 Prozent reduziert.

Anregend fürs Nervensystem

Unbestritten ist, dass zu viel Schokolade zu Übergewicht führen kann. Trotzdem scheint zumindest dunkle Schokolade mit einem Kakao-Anteil von 60 bis 70 Prozent den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen zu können, indem sie die schädlichen LDL-Werte senkt und die positiven HDL-Werte erhöht.

Weiterer Effekt: Schokolade wirkt anregend auf das Zentralnervensystem, nicht zuletzt auch wegen des in ihr enthaltenen Koffeinanteils. Es kommt daher nicht von ungefähr, wenn man Schokolade als „Nervennahrung“ bezeichnet. „Das Koffein wiederum wirkt auch harntreibend, ist also auch gut für die Nieren“, sagt Birgit Alteheld.

Schokolade macht glücklich

Am wichtigsten jedoch zu Weihnachten: Schokolade macht glücklich! Auch das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Denn Schokolade enthält Tryptophan. Ein Stoff, der den Serotoninspiegel im Gehirn anhebt.

Dadurch wirkt Schokolade wie ein mildes Antidepressivum in der düsteren Winterzeit. Dabei hilft wieder der Zuckergehalt. Denn Zucker ist der Treibstoff unseres Gehirns – und stimuliert damit auch die Umwandlung von Tryptophan in das Glückshormon Serotonin.

Außerdem werden beim Genuss von Schokolade Endorphine freigesetzt, die berühmten Wohlfühl-Hormone. Sie heben nicht nur die Stimmung und sorgen für mehr Energie, sondern vermindern sogar die Schmerzempfindlichkeit.

Also: Beruhigen Sie Ihr schlechtes Gewissen, greifen Sie zu. Der Schoko-Nikolaus hält Sie gesund!