Berlin/Montréal - Der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) gilt zwar im Vergleich zu seinem großen Kumpel, dem gefürchteten Grizzlybären, als weniger gefährlich. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass nicht auch dieses Raubtier für einigen Wirbel sorgen kann, wenn es sich in die Nähe des Menschen verirrt. Normalerweise drehen Schwarzbären eher in abgelegenen Wäldern mit sehr dichtem Unterwuchs ihre einzelgängerischen Runden, aber hin und wieder verschlägt es sie auch mal nah an den Menschen, der doch eigentlich neben dem Grizzly ihr größter Feind ist.

Dieses Aufeinandertreffen kann dann durchaus auch für kuriose Schlagzeilen sorgen, wie im Jahr 2012, als ein Schwarzbär der Universität von Colorado überraschend einen Besuch abstattete. Unter den Blicken erstaunter Studenten wanderte das 91 Kilogramm schwere Tier auf dem Campus in Boulder umher und kletterte schließlich auf einen Baum. Wildhüter mussten ihn mit einem beherzten Betäubungsschuss außer Gefecht setzen, um ihn vom Ast zu holen und wieder in die Abgeschiedenheit der nahegelegenen Rocky Mountains zu verbringen.

Erst der vierte Betäubungspfeil brachte das Tier zum Dösen

Ähnliches trug sich jetzt in der Gemeinde Dorval nahe der kanadischen Stadt Montréal zu. Dort sorgte ein kletterfreudiger Schwarzbär stundenlang für Aufregung: Das Jungtier streifte am Sonntagnachmittag (Ortszeit) durch die Gärten der 19.000-Einwohner-Stadt. Polizeibeamte sperrten daraufhin das Gebiet ab und baten die Anwohner, in ihren Häusern zu bleiben. Auf Twitter verbreiteten sich schnell Videos und Fotos vom Bären, der unter Sonnenschirmen hinweg über den grünen Rasen tapste.

Dutzende Einsatzkräfte waren an der Suche nach dem erst wenige Monate alten Tier beteiligt, das sich, wie sich schließlich herausstellte, nach seinem Gartenspaziergang in den Hof eines Wohnhauses verkrochen hatte. Dort war es auf einen Baum geklettert und musste nun aus der Ferne mit Betäubungspfeilen sediert werden. Gar nicht so einfach bei einem Jungspund mit hochtrabenden Kraxelambitionen: Erst bei der vierten Dosis döste der kleine Kerl endlich auf einem Ast ein.

Die Feuerwehr legte mehrere Luftkissen auf den Boden, um einen möglichen Sturz abzusichern. „Es gelang uns, ihn mit einer Stange einzufangen und zum Boden herunterzulassen“, teilte der Tierschutzverein Sauvetage Animal Rescue mit, der an der Rettung beteiligt war. Das Tier soll nun in freier Wildnis wieder freigelassen werden. Dort kann es dann hoffentlich auch wieder unbehelligt klettern.