Ein Wildschwein steht auf einem Plateau im Wald. (Symbolbild)
Foto: dpa/Lino Mirgeler

BerlinDie Internetseite des Robert-Koch-Instituts war wohl selten so viel besucht, wie in den Corona-Zeiten. Davor war es eine andere Internet-Fachseite, die vor allem von Landwirten regelmäßig besucht wurde, um sich über eine nahende Gefahr zu informieren: die Seite des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit. Dort kann seit mehr als zwei Jahren abgelesen werden, dass eine gefährliche Krankheit immer näherkommt: die Afrikanische Schweinepest (ASP).

Gerade wurden die aktuellen Daten bekannt gegeben. Sie zeigen, dass es in Deutschlands östlichem Nachbarland mit 1401 infizierten Wildschweinen derzeit die höchste Zahl in ganz Europa gibt. Einerseits gibt es eine Häufung in Ostpolen, aber besonders gefährlich sind die massiven Fälle in Westpolen, nahe der Brandenburger Grenze. Dort wurde nun erstmals auch bei einem Hausschwein die Krankheit nachgewiesen.

Fachleute sind überrascht

„Für Polen ist damit eine neue Dimension erreicht“, sagte Brandenburgs Landestierarzt Stephan Nickisch der Berliner Zeitung. „Der betroffene Betrieb ist nur 65 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.“ Weil das Tier infiziert ist, müssen auch die 24.000 anderen des Betriebes notgeschlachtet werden.

Besonders überraschst sind die Fachleute, dass die Krankheit ausgerechnet in einem Zuchtbetrieb nachgewiesen wurde. „Dort gelten sehr hohe Sicherheitsstandards“, sagte Nickisch. Meist würde ASP bei Kleinstbetrieben oder auf Familienhöfen auftreten. „Die Gefahr der Einschleppung ist weiter hoch, aber wir sind auf den Seuchenfall gut vorbereitet.“

Die für Menschen ungefährliche, aber für Schweine fast immer tödliche Krankheit, ist vor allem für die Landwirte eine große wirtschaftliche Gefahr – gerade im „Schweineland“ Deutschland, einem er größten Produzenten in ganz Europa.

Die Zäune an der Grenze helfen

Deshalb rüstet sich Brandenburg seit Monaten gegen die Einschleppung der Krankheit aus dem östlichen Nachbarland. So wurde entlang der Grenze kilometerlange Zäune errichtet. An der sächsischen Grenze gibt es 128 Kilometer Zäune, in Brandenburg 120. „Sie wirken tatsächlich“, sagt Landestierarzt Nickisch. Auf polnischer Seite werden Wildschweinspuren gefunden, die sich in Deutschland nicht fortsetzen.

Seit Oktober wurde für den 31. März bis 2. April eine Großübung in Brandenburg geplant, mit der unterschiedliche Ämter und Behörden den ASP-Seuchenfall testen und Schwachstellen ermitteln sollten. Übung wegen Corona abgesagt Die Übung ist nun vom Potsdamer Gesundheitsministerium abgesagt worden – es wären zu viele Menschen in Kontakt gekommen. „Wir sind zurzeit enorm mit der Eindämmung des für den Menschen gefährlichen Coronavirus beschäftigt“, sagte Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). „Doch wir haben auch die Afrikanische Schweinepest weiter im Blick.

Obwohl die Leute möglichst zu Hause bleiben sollen, stellte Brandenburgs obersten Jagdbehörde nun noch einmal klar: Die Jagd auf Wildschweine in Ostbrandenburg ist weiterhin grundsätzlich erlaubt.