Ein Veterinärmitarbeiter nimmt einem toten Wildschwein Blut ab, um es auf die Afrikanische Schweinepest testen zu können.
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PotsdamIn der Nähe der deutschen Grenze ist in Polen die Afrikanische Schweinepest (ASP) bei 22 Wildschweinen nachgewiesen worden. Der Erreger sei bei zwei toten Wildschweinen nachgewiesen worden, die am Dienstag in der Woiwodschaft Lebus gefunden wurden, teilte die polnische Veterinärbehörde am Donnerstag mit. 

Zuerst war das Virus in der vergangenen Woche bei einem Wildschwein diagnostiziert worden, das am 4. November tot in der Nähe der Landstraße zwischen den Ortschaften Nowa Sol und Slawa im Kreis Wschowski gefunden wurde.

In Brandenburg wächst die Sorge vor einer grenzüberschreitenden Ausbreitung der Seuche, in den Betrieben werden deshalb strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen. 

Ein Wildschein.
Foto: dpa/Lino Mirgeler
Hintergrund

Woher kommt die Schweinepest? Sie wurde 2007 per Schiff von Afrika nach Georgien eingeschleppt. Seither wandert sie durch Osteuropa und erreichte 2014 das Baltikum und Ostpolen.
Wie verbreitet sich die Seuche? Sie wird von Wildschwein zu Wildschwein übertragen. Diese können sich auch über infizierte Lebensmittel anstecken.

Wie würde ein ASP-Nachweis in Brandenburg erfolgen?

Auch jetzt schon melden etwa Jäger, wenn sie verendete Wildschweine im Wald finden oder auffällige Tiere erlegen und entnehmen eine Blutprobe. Diese wird dann in der Tierseuchendiagnostik im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht. Zahlen zu in diesem Jahr eingereichten Blutproben liegen dem Landestierarzt Stephan Nickisch zufolge noch nicht vor.

Von 2017 auf 2018 habe sich die Zahl der untersuchten Blutproben von erlegten Schweinen mit Auffälligkeiten oder Unfallwild allerdings mehr als verdreifacht - auf rund 470 Proben. Die Gründe dafür seien eine höhere Sensibilisierung und die seit 2018 gezahlte Aufwandsentschädigung. Mit bloßem Auge sei die Seuche nicht erkennbar. Nickisch: „Gewissheit bringt nur die Probe im Labor.“

Was soll ich machen, wenn ich ein totes Wildschwein sehe?

„Den Fundort merken und den zuständigen Jäger oder das Veterinäramt informieren“, sagt Landestierarzt Nickisch. Laut Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband ist es zudem extrem wichtig, dass Landwirte, Forstwirte, Jäger und Spaziergänger verdächtige Kadaver sowie Tiere mit Blut an Haut oder Schnauze sofort melden. Diese sollte man auf keinen Fall anfassen oder gar transportieren. „Die Körperflüssigkeiten sind hochinfektiös“, warnt Reinwald mit Blick auf die Ausbreitung der Krankheit unter Schweinen. Für Menschen sind die Viren hingegen ungefährlich.

Kurz zusammengefasst:

  • tote Tiere auf keinen Fall anfassen
  • genaue Fundstelle merken
  • den zuständigen Jäger informieren

Welche Vorsichtsmaßnahmen trifft Brandenburgs Landwirtschaft?

Der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, appelliert an Autofahrer, auf Rastplätzen keine Lebensmittel sorglos wegzuwerfen. Durch den starken grenzüberschreitenden Transitverkehr seien sie einer der Hauptverbreitungswege.

In den landwirtschaftlichen Betrieben herrsche derweil höchste Wachsamkeit. Es würden alle Zäune überprüft und das Personal umfassend geschult. Auch das korrekte Reinigen jeglicher Fahrzeuge und Technik gehöre dazu. Parallel dazu liefen auf der Verwaltungsebene vorbereitende Maßnahmen für den Ernstfall.

Was geschieht, wenn das erste infizierte Wildschwein entdeckt wird?

Wird bei einem Wildtier das Virus nachgewiesen, wird sofort eine Sperrzone eingerichtet, aus der keine Hausschweine herausgebracht werden dürfen. Einem Halter bliebe dann nichts anderes übrig, als seine Tiere zu töten - mit massiven wirtschaftlichen Folgen.

Wenn in Deutschland ein Seuchenfall auftritt, darf zudem deutsches Schweinefleisch außerhalb der Europäischen Union nicht gehandelt werden. In Brandenburg wurden Ende Oktober 2018 rund 754.000 Schweine gehalten.

Wird der Virus nachgewiesen, wird sofort eine Sperrzone eingerichtet.
Foto:  dpa/Frank Rumpenhorst

Was wird in Polen gegen ASP unternommen?

Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Polen suchen dort dem Veterinärdienst zufolge mittlerweile rund 100 Freiwillige und 150 Soldaten der Armee nach weiteren toten Wildschweinen. Schon am Wochenende wurde im Umkreis von fünf Kilometern um die erste Fundstelle ein Zaun gezogen. Ein weiterer solle nun um eine noch größere Sperrzone eingerichtet werden.

Polens Agrarminister Jan Krzysztof Ardanowski sagte der Nachrichtenagentur PAP, derzeit liefen die Ermittlungen, wie das Virus in den Westen des Landes gelangen konnte.