Magdeburg -  Die Großtrappe ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Otis tarda, so der wissenschaftliche Name des Vogels, wird auf der Roten Liste als gefährdete Tierart geführt, desgleichen auch im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie. Dennoch gibt es gute Nachrichten: Der Förderverein Großtrappenschutz sichtete bei seiner jährlichen Zählung vor der Balzzeit 347 Tiere in ihren Lebensräumen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das seien zehn Tiere mehr als im Vorjahr und bereits der zehnte Anstieg der Populationen in Folge, so der Verein in seiner Mitteilung.

Fast ausgerottet: In Deutschland gab es 1997 nur noch 57 Großtrappen

Der auch als „Märkischer Strauß“ bekannte Vogel gehört mit seinem bis zu 17 Kilogramm zählenden Gewicht zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Er ist seit Jahrtausenden in Mitteleuropa heimisch, bis zur Industrialisierung lebten die Vögel verteilt über das gesamte norddeutsche Tiefland. Früher durften sie auch gejagt werden. Doch vor allem die intensive Landwirtschaft und die Zergliederung seiner Lebensräume hatten die Tiere in Deutschland fast ausgerottet. 1997 gab es nur noch 57 Exemplare. Heute befindet sich der Bestand auf dem höchsten Niveau seit 40 Jahren.

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Etwas weniger farbenfroh: die Großtrapp-Henne.

Das ist eine erstaunliche Entwicklung. Der Förderverein setzt sich seit Ende der 70er-Jahre für den Erhalt der Art ein und ermöglichte mit Schutzmaßnahmen und Handaufzuchten die Trendwende. So konnten sich die Populationen seit der Jahrtausendwende allmählich erholen. Heute gibt es von der noch immer bedrohten Art laut Großtrappenschutz e.V. in Deutschland wieder drei Populationen: In Brandenburg im Havelländischen Luch (142 Tiere) und in den Belziger Landschaftswiesen (88 Tiere) sowie grenzübergreifend in Brandenburg und Sachsen-Anhalt im Fiener Bruch (117 Tiere).

Nur die Population im Havelland ist groß genug, um selbst zu überleben

Eine weitere soll kommendes Jahr hinzukommen: Der Förderverein Großtrappenschutz hat eine EU-Förderung für ein Großtrappengebiet im Zerbster Land in Sachsen-Anhalt beantragt. Gibt die EU grünes Licht, will der Verein ab Sommer 2022 in der Region Großtrappen auswildern. Von allein erschließen die Tiere keine neuen Lebensräume: Auf der Suche nach Partnern lassen sie sich nur dort nieder, wo es schon Populationen gibt.

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Und nicht vergessen: Fliegen können die großen Vögel auch!

Auch deshalb ist der Aufbau der Bestände mühevoll: Nur die Population im Havelland ist groß genug, um aus eigener Kraft stabil zu bleiben. In allen anderen Gebieten helfen die Tierschützer mit Auswilderungen nach. Und auch die sind aufwendig: Nachdem die Tiere im Sommer ausgesetzt werden, müssen die Betreuer sich noch bis zum Oktober regelmäßig um sie kümmern.

Die Schutzmaßnahmen kommen dabei nicht nur den großen Vögeln zugute. So betont der Förderverein ihren allgemeinen, zumal ökologischen Nutzen: „Sie helfen vielen Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft und erhöhen damit die Biodiversität in den Großtrappengebieten.“ (mit dpa)